Signa streicht bei Kika/Leiner mehr als 1.000 Jobs

17. August 2018, 09:34
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Der neue Eigentümer schlägt einen harten Sanierungskurs ein: Vier Standorte müssen schließen, der Betriebsrat bedauert, versteht aber den Schritt

Wien / St. Pölten – Das Aufatmen bei den Mitarbeitern der Möbelketten Kika und Leiner nach der Übernahme durch René Benko mit seiner Signa-Gruppe währte nur kurz: Nun wurden massive Sparpläne bekannt, dem Vernehmen nach sollen im Zuge der Sanierung mehr als 1.000 Mitarbeiter ihren Job verlieren, das wäre jede fünfte Stelle. Das Unternehmen teilte mit, vier Filialen zu schließen, die Zahl der Stellen, die insgesamt wegfallen werden, bestätigt das Unternehmen nicht.

Wie die "Presse" und die "Kronen Zeitung" am Donnerstagabend berichteten, werden am Freitag mehr als 1.000 Mitarbeiter beim Arbeitsmarktservice zur Kündigung angemeldet. Laut den Zeitungen sollen neben den knapp 300 Stellen in den abzubauenden Filialen allein in der Zentrale 100 Arbeitsplätze wegfallen. Kaum betroffen seien Angestellte in den verbleibenden Standorten.

Die Mitarbeiter haben vom Sanierungsplan Donnerstagabend nach Betriebsschluss erfahren. Leiner-Betriebsratsobmann Karl Vogel sagte im ORF-Radio Freitagmorgen, dass es noch zu früh sei, um über die Stimmung der Belegschaft etwas zu sagen. Aber Freude über die Sanierungsmaßnahmen werde wohl keiner haben. Natürlich sei der Sanierungskurs bedauerlich, so Vogel: "Wir sind nicht begeistert von Hausschließungen, weil wir die Marke dann in ganzen Regionen verlieren, aber aus wirtschaftlichen Gründungen sind Maßnahmen notwendig, um das ganze Unternehmen am Markt zu halten." Das sei mit diesem Schritt "garantiert".

"Zwingend notwendige" Maßnahmen

"Die Strategie des Vorbesitzers, Kika/Leiner als Teil eines globalen Möbelkonzerns zu positionieren, hat das Unternehmen an den Rand der Insolvenz geführt", begründete Signa die "zwingend notwendigen" Maßnahmen. Signa hatte die beiden österreichischen Möbelhändler samt den Ablegern im Ausland um rund 600 Millionen Euro von der südafrikanischen Steinhoff-Gruppe gekauft und Ende Juni "tiefgehende und umfangreiche Änderungen" angekündigt.

"Für die Beschäftigten von Kika/Leiner ist die heutige Ankündigung eines Personalabbaus in dieser Größenordnung ein harter Schlag. Wir fordern die Geschäftsführung auf, umgehend in Verhandlungen über einen Sozialplan für die betroffenen Beschäftigten einzutreten", sagte Privatangestellten-Gewerkschafter Karl Dürtscher am Donnerstagabend.

Tirol, Niederösterreich, Kärnten betroffen

Die ÖVP-Landesräte Petra Bohuslav und Martin Eichtinger sprachen von einem "herben Schlag für den Wirtschaftsstandort Niederösterreich" – dort könnten bis zu 500 Arbeitsplätze verlorengehen. Von Signa heißt es, dass für die betroffenen Mitarbeiter ein Sozialplan entwickelt werde.

Mit dem Konzernumbau werden laut der Mitteilung vier verlustbringende Filialen geschlossen: Die Leiner-Standorte in Innsbruck und in Wiener Neustadt sowie die Kika-Filialen in Vösendorf und in Spittal/Drau sperren demnach mit Jahresende zu, auch zwei kleinere Logistikzentren in Innsbruck und Wiener Neustadt müssen dichtmachen. Auch Kika/Leiner-Chef Gunnar George, dessen Vertrag bis Jahresende läuft, wurde laut den Berichten mit sofortiger Wirkung beurlaubt.

"Wir sind absolut überzeugt, dass Kika/Leiner mit einem starken Kerngeschäft wieder erfolgreich sein wird", erklärte Wolfram Keil, Geschäftsführer der Signa-Retail GmbH, in der Aussendung. Für die Signa Retail Group bedeutete die Übernahme den Einstieg in den stationären Einzelhandel in Österreich. Zu Signa Retail gehören auch das Berliner Nobelkaufhaus Kadewe, die deutschen Karstadt-Kaufhäuser, die Benko mit einem straffen Sanierungsprogramm wieder in die schwarzen Zahlen brachte, und rund 100 Webshops in 20 Ländern. Die Signa-Retail-Gruppe beschäftigt nach eigenen Angaben aktuell 20.000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Jahresumsatz von über vier Milliarden Euro. (APA, 16.8.2018)

  • Vier Kika- und Leiner-Filialen müssen schließen.
    foto: reuters/leonhard foeger

    Vier Kika- und Leiner-Filialen müssen schließen.

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