Jeder blaue Kopf steckt hinter einem blauen Brett

    Kommentar der anderen16. August 2018, 18:16
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    Hofer und Strache oder die unvergleichliche "Niemand hungert bei 150 Euro"-Hartinger-Klein sind nicht zynisch. Nein, sie glauben den Mist, den Unsinn oder die Ungeheuerlichkeiten, die sie jeweils gerade verzapfen

    Hans Rauscher hat kürzlich in diesem Blatt ("Fröhliche Ahnungslosigkeit") eher nebenbei zur FPÖ festgestellt: "Aber nun hält sie seit fast 20 Jahren bei über 25 Prozent – und hat immer noch kein Personal." Diese Feststellung wirft die Frage auf, warum das so ist bzw. wie es dazu kam.

    Nun wissen wir natürlich, dass auch andere Parteien mit ihrer Personalauswahl im komischen Fach brillieren konnten und das Personalpanoptikum um höchst skurrile Gestalten bereicherten. Wer erinnert sich nicht gern an die von der ÖVP entsandte Justizministerin Claudia Bandion-Ortner, die meinte, die Busspur vor ihrem Amt für die ausschließliche Be förderung ihres ministeriellen Luxuskörpers mit der ministeriellen Luxuslimousine reservieren lassen zu müssen! Nach dem nicht völlig freiwilligen Ausscheiden aus dem Amt rechtfer tigte sie ihre bezahlte Tätigkeit für das saudische Henkerregime mit der Feststellung, man köpfe dort ohnedies nicht jeden Freitag.

    Man denke an die SP-Ministerin Claudia Schmied, die bei der Besetzung der Operndirektion Ex-Bundeskanzler Gusenbauer zu dessen nur minder freudiger Überraschung in die Quere und zuvorkam. Eine weitere Heldentat war die per Abklatschen verkündete große Einigung in Schulfragen, die dann niemals stattfand.

    Ob die etwas deviant erscheinenden Neos-Aktivisten in Mi nisterbüros mehr zustande brächten als den Stoff für halblustige Schnurren, ist nach dem Abgang von Parteigründer Strolz fraglich – der Baumliebhaber war zumindest für einige ganzlustige Sager gut. Die Liste Pilz dagegen hat bewiesen, dass der Selbstmord mit Anlauf auch komische Seiten haben kann. Aber wer würde bei diesen Kämpfern für die eigenen Pfründen und unerschütterlichen Frauenrechtlern nicht befürchten, dass sie in einer Regierung stante pede alle anderen Minister ausschließen würden? Die Art, wie die ehemalige Chefin der Grünen schnurstracks einen Job beim lange bekämpften Glücksspielkonzern annahm, zeugt von hoher politischer Intelligenz zwischen "zero" und "rien ne va plus".

    Dass Frank Stronach nicht Kanzler wurde, hat die Sockelarbeitslosigkeit unter Kabarettisten niedrig gehalten. Wer wäre denn noch bereit gewesen, abends, wenn Stronach seine Arbeit getan und seine Reden geschwungen gehabt hätte, noch das Eintrittsgeld fürs Kabarett hinzulegen?

    Eines eint Stronach und die FPÖ: Ihre Denkwelt taugt nicht zur Personalrekrutierung. Man ist mit den Wählern auf Augenhöhe, und das macht sich bemerkbar. Wenn die Wähler eine dumme Wahlentscheidung treffen, bei der sie Leute wählen, die sich auf dem Niveau von ihresgleichen bewegen, dann bekommt man eine Elite, die genauso aussieht wie jene, die nunmehr die FPÖ repräsentiert. Wenn die Wählerschaft Suderanten wählt, die kein Alzerl mehr Reflexionsvermögen als ebendiese Wähler haben, wie will man da kluge Köpfe auf die Regierungsbank hieven?

    "Fake-News-Schleudern"

    Jeder blaue Kopf steckt hinter einem blauen Brett. Leute wie Hofer und Strache oder die unvergleichliche "Niemand hungert bei 150 Euro"-Hartinger-Klein sind nicht zynisch. Nein, sie glauben den Mist, den Unsinn oder die Ungeheuerlichkeiten, die sie jeweils gerade verzapfen.

    Die Lektüre von Qualitätszeitungen als Korrektiv wäre zu empfehlen, anstatt dauernd den Journalismus zu verunglimpfen. Frau Hartinger-Klein übernimmt von einem rechten Blatt die Bezeichnung "Fake-News-Schleudern" – das ist sprachlich dürftig und intellektuell nicht satisfaktionsfähig. Wie soll so jemand eine der schwierigsten Materien der Politik – Sozialpolitik in all ihren Facetten – meistern? Da fehlt es einfach am Horizont. Und mit der Erdung ist es auch nicht weit her: Der 150-Euro-Sager kann jemandem, der wirklich weiß, was sich an den finanziellen Rändern der Republik tut, nicht unterlaufen.

    Braunes Fleckerl

    Wo hätten die FPler denn das politische Handwerk lernen sollen? Beim Absingen deutschnationaler Lieder oder bei diversen "Festsalamandern" der Burschenschaften? Auch die Kampfsportübungen sind wohl kein taugliches Auswahlverfahren für zukünftige Politiker in verantwortlichen Positionen eines demokratischen Staates. Ohne braunes Fleckerl am Jackerl wirst nix bei der FPÖ. Also sitzen in den Ministerbüros der FPÖ keine erstklassigen Experten, sondern Leute, die den Anschein erwecken, beim Hantieren mit Messer und Gabel verunglückt zu sein.

    Die Dreistigkeit, mit der Herr Kickl allem Anschein nach versucht hat, in einem Aufwasch den Verfassungsschutz zu übertölpeln und für die FPÖ vermutlich unangenehme Unterlagen über rechtsradikale Umtriebe in Österreich zu ergattern, spricht Bände. Man hielt ihn für den gewieften Taktiker der FPÖ, er selbst sich wohl für einen genialen Strategen. Er entpuppt sich als bloß bauernschlau und reichlich selbstherrlich.

    Es hat einen guten Grund, war um im Wirtshaus der Wirt und nicht der Stammtisch das Sagen hat. In der FPÖ hat der Wirt möglicherweise das Hangerl geworfen. Wahrscheinlicher ist aber, dass es dort nie einen gab. Ein kluger Wirt achtet nämlich darauf, dass auch am Stammtisch ein gewisses Maß an Promillehaltigkeit nicht überstiegen wird. Sonst bleiben die guten Gäste aus. Wie beim Personal der FPÖ. (Michael Amon, 16.8.2018)

    Michael Amon (Jahrgang 1954) lebt als freier Autor in Gmunden und Wien. Der Romancier und Essayist ist außerdem geschäftsführender Gesellschafter einer kleinen Steuerberatungskanzlei. In den nächsten Tagen erscheint die Neuauflage seines Buches über den Mai 1968 unter dem Titel "Ein kurzes Lächeln im langen Mai".

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    • Ein Gruselkabinett? Natürlich nicht. Fesch sind sie, die Spitzen der Republik. Nur bestehen bei manchen Zweifel an der Kompetenz.
      foto: karl schöndorfer toppress

      Ein Gruselkabinett? Natürlich nicht. Fesch sind sie, die Spitzen der Republik. Nur bestehen bei manchen Zweifel an der Kompetenz.

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