"Vienna Murals": Erster Onlineguide für Street-Art in Wien

    5. September 2018, 10:23
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    Das Projekt möchte Street-Art-Werke vor ihrer eigenen Vergänglichkeit bewahren

    Hinter dem Projekt "Vienna Murals" steht der 28-Jährige Thomas Grötschnig, der seit mittlerweile zwei Jahren Street-Art-Werke in Wien dokumentiert und einem breiten Publikum online zugänglich macht. Dafür hat Grötschnig einen eigenen Internetblog mit einer Onlinekarte gegründet, auf der Interessierte die Standorte der jeweiligen Street-Art-Werke in Wien aufrufen können und zudem Informationen über den jeweiligen Künstler erhalten.

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    Zum Hotspot für Street-Art in Wien zählt der Wiener Donaukanal.

    In der Regel handelt es sich bei diesen Street-Art-Werken um aufwendig gestaltete Wandmalereien, im Englischen auch "murals" genannt, die oft ganze Häuserflächen zieren. Im Gegensatz zur Graffiti-Szene entstehen diese Werke meist auf legalen Flächen und nach Absprache mit den jeweiligen Eigentümern.

    Mit "Vienna Murals" verfolge man bewusst das Ziel, der heimischen Street-Art-Szene und den Künstlern, die oftmals mehrere Tage an einem Mural arbeiten, mehr Aufmerksamkeit zu schenken, so Grötschnig.

    Die Idee hinter "Vienna Murals"

    Die Idee zu "Vienna Murals" kam Grötschnig nach einem längeren Auslandsaufenthalt. "Ich war mehrere Jahre im Ausland, und als ich nach Wien zurückgekommen bin, habe ich gesehen, wie viel sich in Wien im Street-Art-Bereich getan hat."

    foto: martin pacher
    Nach unzähligen Spaziergängen durch Wien hatte Grötschnig ein großes Fotoarchiv an Street-Art-Werken, welches er mit der Allgemeinheit teilen wollte.

    Mit seiner Freundin ist er bei unzähligen Spaziergängen durch Wien auf eine Vielzahl an Street-Art-Werken gestoßen, fotografierte diese und dokumentierte zudem deren Standorte. "Wir haben ein großes Fotoarchiv gehabt, beziehungsweise wussten wir, wo es diese Werke zu sehen gibt, und haben dann gesagt, warum teilen wir das Ganze nicht einfach mit der Allgemeinheit?", so Grötschnig. Nach kurzer Zeit sind immer mehr Künstler aus der Street-Art-Szene auf "Vienna Murals" aufmerksam geworden und haben das Projekt auch unterstützt.

    "Vienna Murals'" Social-Media-Channels

    Neben dem Internetblog betreibt Grötschnig für "Vienna Murals" auch einen eigenen Instagram-Account und eine Facebook-Seite, auf der mehrmals wöchentlich neue Werke gepostet werden. Mittlerweile sind über die Onlinekarte und die Social-Media-Channels von "Vienna Murals" über 100 Street-Art-Werke in ganz Wien abrufbar. Der Instagram-Account und die Facebook-Seite zählen mittlerweile mehrere Tausend Abonnenten.

    foto: martin pacher
    Auf der Onlinekarte sind mittlerweile mehr als 100 Werke eingetragen.

    Die Bedeutung und Akzeptanz von Street-Art in Wien

    Wien müsse sich mittlerweile nicht mehr hinter anderen Städten verstecken, da die Street-Art-Szene in den letzten Jahren sehr dynamisch geworden sei, so Grötschnig. Wie er weiters betont, zieht es mittlerweile auch immer mehr internationale Künstler nach Wien, um sich auf Häuserfassaden zu verewigen.

    foto: martin pacher
    Murals sind in den letzten Jahren komplexer und größer geworden. Oftmals kommen für deren Gestaltung Hebebühnen zum Einsatz.

    Grötschnig erläutert, dass die heimische Bevölkerung Murals mittlerweile nicht mehr "nur" als Vandalismus wahrnimmt, sondern als Kunst im öffentlichen Raum. Die Gestaltung von Murals erfolge meist in Absprache mit einem Kurator und dem jeweiligen Eigentümer, so Grötschnig. "Vienna Murals" möchte auch hier ansetzen und zwischen Kuratoren und Street-Art-Künstlern eine Art Vermittlerrolle einnehmen.

    Kooperation mit internationalen Künstlern

    Ein Anliegen von "Vienna Murals" sei es auch, dass man verstärkt international bekannte Street-Art-Künstler nach Wien holt und sie an interessierte Kuratoren weitervermittelt. So hat "Vienna Murals" im Dezember 2017 beispielsweise den belgischen Künstler Mehsos nach Wien geholt und eine Wand für ihn "organisiert".

    foto: thomas grötschnig
    Vienna Murals arbeitet auch mit internationalen Stars der Street-Art-Szene wie Mehsos zusammen und organisiert für sie eigene Wände in Wien.

    Gegen die Vergänglichkeit ankämpfen

    Wie Grötschnig betont, seien jedoch auch kuratierte Murals nicht für die Ewigkeit bestimmt. Genau hier möchte er mit seinem Projekt ansetzen und erläutert: "Wir verfolgen mit 'Vienna Murals' nicht nur das Ziel, Street-Art einem breiteren Publikum zugänglich zu machen, sondern Street-Art-Werke auch vor ihrer Vergänglichkeit zu schützen." Manchmal werden aufwendig gestaltete Murals leider schon nach kurzer Zeit übermalt, so Grötschnig. (Martin Pacher, 05.9.2018)

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