Kunst über das liebe Geld: Geil wie ein Bock, scheu wie ein Reh

    14. August 2018, 10:12
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    Dem Monetären ist im Salzburger Traklhaus eine Ausstellung gewidmet. Die künstlerischen Betrachtungen reichen von böse bis witzig

    Salzburg – Nur in Dagobert Ducks Tresor muss es schöner gewesen sein: Da klimperten zwischen all den Scheinen auch noch die Golddukaten, dass es dem millionenschweren Geizkragen eine Wonne war. Nachdem 2015 schubkarrenweise die Millionen in die Salzburger Galerie im Traklhaus geleert wurden, war dem lustvollen Geldbaden aber auch keine Grenze gesetzt.

    kurt fleckenstein
    Video zu Kurt Fleckensteins Installation "300 Millionen", 2015

    Mit den 350 Millionen 100-Euro-Kunstnoten konnte man aber auch alternativ andere Schweinereien, inspiriert von der Salzburger Landesregierung, aufführen: Statt das Steuergeld zu verzocken, in geheimen Aktien- und Anleihenportfolios zu verspekulieren, bot Künstler Kurt Fleckenstein einen Reißwolf zur wesentlich simpleren Geldvernichtung an.

    foto: carlos aires, courtesy mam mario mauroner contemporary art vienna
    Dem Erfinder des Darwinismus affig die Zunge rausstrecken? Der Spanier Carlos Aires lädt Geldscheine mit sozialkritischen und politischen Botschaften auf: "Disaster CXII (UK)", 2016.

    Eine perfide Arbeit, die nun in der Ausstellung Geld in der Kunst freilich nicht fehlen darf. Versammelt sind Werke aus und über weltbeherrschende bunte Papierscheinchen. Oft wird dabei an der Eindeutigkeit des nüchternen Geldwertes gekratzt. Wer sollte das auch besser können als Kunst? Schließlich ist ihr Erfolg der monetären Materialisierung ideeller und kultureller Werte geschuldet. Andererseits: Der Wert der Kunst ist – im Grunde so wie der Tauschwert des Geldes – eine gesellschaftliche Übereinkunft.

    videostill: michail michailov
    Michail Michailov: "Butterfly", 2007, Video-Still

    Reibungslos lässt sich die Präsentation in die berühmt-berüchtigte Serie der Traklhaus-Schauen zu Schuhen, Essen, Tieren, Musik oder Stühlen "in der Kunst" einreihen. Trotzdem bildet sie unter diesen im STANDARD oft kritisierten Motivkollektionen eine angenehme Ausnahme. Das liegt nicht am kuratorischen Konzept, sondern an der Natur der Sache. Denn Geld ist wegen seines Symbolgehalts stets mehr als nur Motiv, sondern oft mit ähnlichen, vielfach kapitalismuskritischen Fragen aufgeladen. Nicht immer ist das so eindeutig wie in den Plakaten Klaus Staecks. 1997 legte er dem selbstgerechten Geldverwalter eine Axt in den Koffer und titelte: "Wir machen mit Ihrem Geld was wir wollen, German Bankers Club".

    foto: klaus staeck
    Klaus Staeck: "Am Anfang war das Geld", 1973

    "Geld ist geil wie ein Bock, scheu wie ein Reh", definierte Politiker Franz Josef Strauß. Dem schnöden Mammon wird in Salzburg zur Festspielzeit nicht nur im Jedermann gefrönt. Geld wird angebetet wie religiöse Ikonen, das hat Andy Warhol 1981 mit seinem "Porträt" eines Dollarzeichens sichtbar gemacht. Zum Ausgleich erinnert Robert Zahornicky mit seinen Fotos der grünen George Washingtons daran, dass die Indigenen "Froschhäute" zu den Papierkapitalien sagten.

    foto: sammlung spallart, salzburg
    Robert Zahornicky: "Froschhäute", 1992

    Mit Millionen und Trillionen lassen sich tolle Headlines machen, wie Gilbert & George vorführen. Manchem lassen die Summen aber auch die Potenz schwellen, was Daniel Spoerri zu spöttischen, mit Geldschnipseln bestreuten afrikanischen Fruchtbarkeitsphalli verleitete. Um die Macht des Geldes zu brechen, eignet sich nicht nur das Schreddern (Timm Ulrichs). Man kann die Noten auch besticken (Carla Degenhardt) oder in Museumswände einmauern (auch Ulrichs). Das so dem ewigen Kreislauf Entzogene liegt dort obendrein so sicher wie in Dagoberts Depot. (Anne Katrin Feßler, 15.8.2018)

    foto: hans-peter feldmann
    Regenten unter sich: Hans-Peter Feldmann lässt Queen Elizabeth II aus der Fünf-Pfund-Note hervortreten. Aber Geld ist im Vergleich zu "Miss Pound" der mächtigere Monarch.

    Geld in der Kunst", Galerie im Traklhaus, Salzburg, bis 15. 9.


    foto: matthias krinzinger
    Bis Ende August ist Matthias Krinzingers Litfaßsäulen-Objekt in der Salzburger Franz-Josef-Straße mit ca. 40.000 1-Eurocentmünzen zu sehen: "Kleinvieh macht auch Glanz", 2018
    foto: galerie neugerriemschneider, berlin
    Rirkrit Tiravanija: untitled (10 Euro, Freiheit kann man nicht simulieren), 2012
    foto: matthias herrmann
    Matthias Herrmann, "Untitled Film Still, Traklhaus", 2018
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