Nach FPÖ-Kritik: Hubert von Goisern solidarisiert sich mit Ambros

    14. August 2018, 11:00
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    "Aber wir sind Freigeister", kontert der Musiker den Angriff des FP-Generalsekretärs

    "Das hätte der Generalsekretär gerne: Künstler mit Zaumzeug, damit er sie zur Tränke führen kann. Aber wir sind Freigeister", schreibt Musiker Hubert von Goisern in einem Brief an den STANDARD als Reaktion auf die Anfeindungen gegen Wolfgang Ambros, seit jener sich in einem Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" kritisch über die türkis-blaue Regierung geäußert hat.

    foto: apa/georg hochmuth
    Hubert von Goisern hat dem STANDARD einen Brief geschrieben.

    Das Interview hat in den vergangenen Tagen die Wogen hochgehen lassen und bereits Künstlerkollegen wie Rainhard Fendrich, Ernst Molden oder Stefanie Sargnagel sich zu Wort melden lassen.

    foto: screenshot/facebook

    Gerade weil Ambros "beim besten Willen nicht dem klassischen Feindbild der selbsternannten Heimatpartei" entspreche, sei die Aufregung um seine Aussage bei jener nun so groß, meint nun Hubert von Goisern. Und er attestiert der FPÖ weiters "rhetorischen Durchfall" sowie "scham- und rücksichtslose Verwendung von Unwahrheiten". Lesen Sie den ganzen Brief nachfolgend:

    Ambros – abgehalftert, was sonst?
    Von verbalen Feindseligkeiten ist es nurmehr ein kleiner Schritt zur Gewalttätigkeit. Alle, die sich mit Weltgeschichte beschäftigen, wissen das. Bei der FPÖ ist da die Hemmschwelle traditionell wenig ausgeprägt. 1993 haben die Freiheitlichen mit ihrem Österreich-zuerst-Volksbegehren die Spaltung der Gesellschaft vorangetrieben, indem sie einen Kreuzzug gegen Ausländer im Allgemeinen und Zuwanderer im Besonderen führten. Heide Schmidt mahnte in einer Klubsitzung den damaligen Parteiobmann Jörg Haider, seine Scharfmacherei könne zu Gewaltausschreitungen führen. Seine Antwort: "Ich rechne sogar damit, dass etwas passieren wird, aber da müssen wir durch."
    An dieser Einstellung hat sich trotz neuer Gesichter nichts geändert. FPÖ-Politiker leiden immer wieder unter rhetorischem Durchfall. Kein Wunder bei der giftigen Kost, die sie uns und sich selber auftischen. Schlagbäume werden aufgestellt, um nationale Grenzen dichtzumachen, aber die Grenzen des sprachlichen Anstandes und der Ehrenhaftigkeit werden aufgehoben. Bei der FPÖ, die seit Jahren unter scham- und rücksichtsloser Verwendung von Unwahrheiten an einer eigenen (inkongruenten) Interpretation der Wirklichkeit bastelt, ist dann die Aufregung verständlicherweise groß, wenn einer wie Wolfgang Ambros kommt und die Dinge beim Namen nennt.
    Denn Ambros entspricht beim besten Willen nicht dem klassischen Feindbild der selbsternannten Heimatpartei. Er hat keinen Migrationshintergrund, er ist kein Steuerflüchtling, er geht weder regelmäßig in die Synagoge noch in eine Moschee. Er ist eigentlich genau so, wie sie's gern hätten. Allerdings ist der Woiferl undiplomatisch, unbequem, unkäuflich, aufrichtig und dabei trotz alledem in seiner Wortwahl niveauvoller als der übliche blaue Funktionärssprech. Da fühlt sich dann ein Parteisoldat, der selber am Tropf hängt, bemüßigt, ihn als abgehalfterten Systemgünstling zu beschimpfen. Geht's noch?

    Abgehalftert. Das hätte der Generalsekretär gerne: Künstler mit Zaumzeug, damit er sie zur Tränke führen kann. Aber wir sind Freigeister. Pferdeäpfel auf das Haupt all jener, die uns an die Kandare nehmen wollen. (Hubert von Goisern, 13.8.2018)


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