Google wirft Anti-Zensur-Tool aus dem Chrome Webstore

    12. August 2018, 17:57
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    Erweiterung gegen Netzsperren gedacht – Bisher keine Begründung geliefert

    Über viele Jahre hinweg hat sich Google öffentlich gegen die Zensur von Webinhalten engagiert. Sei es mit dem Ausstieg aus dem chinesischen Markt oder auch der bis zuletzt standhaften Weigerung Bittorrent-Seiten wie The Pirate Bay komplett aus dem eigenen Index zu löschen. Doch diese Prinzipien scheinen aktuell immer stärker zu in den Hintergrund zu geraten: So überlegt etwa Google aktuellen Berichten zufolge, wieder nach China zurückzukehren, und dort die Zensur von Webinhalten zu akzeptieren. Und auch an anderen Stellen zeigen sich Entwicklungen, die Netzaktivisten Sorgen bereiten dürften.

    Ahoy!

    Google hat ein beliebtes Anti-Zensur-Tool aus dem Chrome Web Store geworfen. Die Erweiterung mit dem Namen "Ahoy!" wurde in Portugal entwickelt und ist dazu gedacht, Netzsperren zu umgehen. So sind in Portugal mittlerweile mehr als 1.700 Seite auf staatliches Geheiß blockiert – von Wettseiten bis zu welchen, die den illegalen Download von Filmen oder Musik erleichtern.

    Ahoy! Setzt auf dem Datensatz des Web-Portal SitesBloqueados auf, das von den portugiesischen Netzaktivisten von Revolução dos Bytes betrieben wird. Die Erweiterung leitet dabei sämtliche Anfragen an entsprechende Seiten über die Proxies von SitesBloqueados um, und umschifft so die staatlichen Zensurmethoden. Zudem sammelt Ahoy! auch Informationen über neu blockierte Seiten, und hilft so dabei die Anti-Blockademaßnahmen weiter zu verbessern.

    Stillschweigen

    Ahoy! erfreute sich großer Popularität, und soll zuletzt fast 185.000 Nutzer gehabt haben, wie Torrentfreak berichtet. Eine Begründung für die Löschung gibt es von Seiten Googles bisher nicht, die Entwickler betonen auch, dass es ihnen bisher nicht möglich gewesen sei, überhaupt eine Antwort von Google zu erhalten. Jegliche Versuche die Erweiterung neu einzureichen, seien ebenfalls abgelehnt worden. Dabei betonen die Entwickler von Ahoy!, dass ihre Erweiterung vollständig Open Source sei. Insofern könne jeder überprüfen, dass man keinerlei Überwachung der Nutzer oder andere verbotene Dinge vornehme.

    Wechsel

    Für Ahoy! Ist die Sperre durch Google jedenfalls ein schwerer Schlag, derzeit würden 98 Prozent der eigenen Nutzer Chrome verwenden, heißt es. Durch die Sperre gehe die User-Zahl aber aktuell stark zurück – nachdem sie zuvor ebenso stark gewachsen sei. Interessierten Nutzern rät man zur manuellen Installation der Erweiterung – oder zum Wechsel auf Firefox, wo die Ahoy!-Extension weiterhin zu haben ist. (apo, 12.8.2018)

    • Wer Ahoy! weiter nutzen will, muss nun zur manuellen Installation greifen.
      grafik: ahoy!

      Wer Ahoy! weiter nutzen will, muss nun zur manuellen Installation greifen.

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