Waldbrände machten Yosemite zu Geisterpark

12. August 2018, 16:46
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Das Tal ist normalerweise eine Touristenattraktion

Los Angeles – August ist Hochsaison im Yosemite Valley. Bis zu 20.000 Besucher aus aller Welt strömen dann täglich in das von riesigen Granitwänden umgebene Tal. Doch seit Wochen ist das Herzstück des kalifornischen Yosemite-Naturparks eine Geisterlandschaft. "Ich konnte nicht weiter als gut fünf Meter sehen. Es war eine weiß-graue Wolke, statt Felswände und Wasserfälle, mehr als drei Wochen kein Stück blauer Himmel", erzählt die Park-Rangerin Jamie Richards.

Einer der beliebtesten Naturparks der USA – mit rund fünf Millionen Besuchern im Jahr – ist Opfer der verheerenden Waldbrände in Kalifornien geworden. Das sogenannte Ferguson-Feuer westlich des Parks hat seit Mitte Juli eine Fläche von knapp 400 Quadratkilometern verkohlt. Das Kernstück des Tals blieb von den Flammen verschont, doch sämtliche Zufahrtsstraßen sind blockiert, der Park ist in dichten Rauch gehüllt.

Zehntausende Feuerwehrleute im Einsatz

So gefährlich war die Luftbelastung, schlimmer als im für Luftverschmutzung bekannten Peking, dass die Parkverwaltung am 25. Juli alle Besucher aus dem Tal verbannte. Auch Hunderte Naturpark-Mitarbeiter mussten das Yosemite Valley räumen.

Das Flammeninferno in der Sierra Nevada ist kein Einzelfall: Mehr als ein Dutzend Flächenbrände wüten derzeit in dem Westküstenstaat, Zehntausende Feuerwehrleute sind im Einsatz. Das sogenannte Mendocino-Komplex-Feuer nördlich von San Francisco hat eine Fläche von über 1.300 Quadratkilometer erfasst, damit ist es das größte Feuer in der Geschichte des US-Staates.

Ascheflocken und verhangene Bergluft

Ein kleiner Lichtblick in dem Katastrophen-Szenario: Am Dienstag (14.8.) soll das Yosemite-Tal nach knapp dreiwöchiger Schließung wieder öffnen, wie die Parkverwaltung am Freitag mitteilte. Zu diesem Zeitpunkt schwirrten immer noch kleine Ascheflocken durch die grau verhangene Bergluft. Nur Parkmitarbeiter durften erstmals in die schaurig-schöne Natur zurückkehren.

"Hier wären sonst Hunderte Touristen unterwegs", erklärt Rangerin Jamie Richards. Sie steht mit einer Handvoll Kollegen und Feuerwehrleuten an einem Aussichtsplateau am Fuße der berühmtem Yosemite-Fälle, die aus über 700 Meter Höhe an einer steilen Granitwand ins Tal stürzen.

Noch nie so lange geschlossen

Die Wanderpfade sind menschenleer, Stille auf den Parkplätzen und an den Bushaltestellen. Noch nie war das Yosemite-Valley wegen Bränden so lange geschlossen. 1997 richteten katastrophale Überflutungen nach heftigen Regenfällen schwere Schäden an. Zwei Monate lang – allerdings in der Nebensaison von Jänner bis März – machte das Tal damals dicht.

Jetzt sind es die Folgen einer langjährigen Dürre, die extreme Sommerhitze und heftige Winde, die das Feuerinferno an der Westküste anfachen. "Dazu kommen noch Millionen von geschwächten und toten Bäumen durch starken Borkenkäferbefall", erklärt Feuerwehr-Chef Mark von Tillow. Nach einer Ende 2017 veröffentlichten Studie der Forstbehörde hat das Baumsterben in Kalifornien unter anderem durch Trockenheit und einen starken Borkenkäferbefall eine Rekordzahl von 129 Millionen toten Bäumen erreicht.

Fünf Menschen gestorben

Fünf Feuerwehrleute sind in den vergangenen Wochen bei der Bekämpfung der Buschfeuer ums Leben gekommen. Es ist damit die tödlichste Feuersaison für Helfer in Kalifornien seit 2008. Es könnte auch eines der teuersten Katastrophenjahre werden. Allein die Kosten für den Einsatz von zeitweise über 3.000 Feuerwehrleuten nahe Yosemite werden mit über 100 Millionen Dollar (etwa 87 Millionen Euro) beziffert.

Auch die umliegenden Ortschaften, wie das ehemalige Goldgräberdorf Mariposa, sind von dem Feuer und der Sperrung des Yosemite-Tals schwer betroffen. Auf dem Weg in den Naturpark steigen dort gewöhnlich Touristen aus aller Welt ab. Jetzt sind die Gehsteige vor den historischen Holzfassaden ausgestorben, die Flammen und der Rauch schrecken die Besucher ab.

Mit jeder Katastrophe ist in den USA allerdings auch ein Geschäft zu machen. Ein Stand am Straßenrand verkauft knallige T-Shirts mit der Aufschrift "Ferguson Fire", dazu Szenen von Flammen und Feuerwehrleuten. Im Yosemite-Park bereitet man sich auf den Ansturm der Besucher vor. Im Dorfgeschäft für Souvenirs und Lebensmittel wurden am Freitag die Regale aufgefüllt. (APA/dpa, 12.8.2018)

  • Bis zu 20.000 Besucher aus aller Welt strömen normalerweise jeden Tag den Yosemite Nationalpark.
    foto: imago/nasa

    Bis zu 20.000 Besucher aus aller Welt strömen normalerweise jeden Tag den Yosemite Nationalpark.

  • Doch statt Touristen, waren in den vergangenen Wochen Feuerwehrleute vor Ort und kämpften gegen die Waldbrände.
    foto: reuters/usfs/yosemite national park

    Doch statt Touristen, waren in den vergangenen Wochen Feuerwehrleute vor Ort und kämpften gegen die Waldbrände.

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