Donald Trump, Stichwortgeber für die Rassisten

Kommentar12. August 2018, 16:04
18 Postings

Sogar aus dem Jahrestag der rassistisch motivierten Unruhen in Charlottesville will der US-Präsident politisches Kapital schlagen

Donald Trump hat die Geister gerufen – und nun wird er sie nicht wieder los. Wobei es korrekter heißen müsste, dass er sie gar nicht wieder loswerden will. Dass Rechtsextreme, weiße Nationalisten und Antisemiten bei einer genehmigten Kundgebung vor dem Weißen Haus Flagge zeigen dürfen, hat natürlich mit dem Mann zu tun, der in diesem Haus residiert.

Seit Trump antrat, um Präsident der Vereinigten Staaten zu werden, sind die Ratten aus ihren Löchern gekrochen. Sie fühlen sich ermuntert durch ihn. Als sich Tausende vor exakt einem Jahr in der hübschen Kleinstadt Charlottesville im Bundesstaat Virginia versammelten, hielten sie es nicht einmal mehr für nötig, sich hinter Masken zu tarnen. Da marschierten sie mit brennenden Fackeln über den Campus der örtlichen Universität, skandierten "Juden werden uns nicht ersetzen!", um tags darauf eine Orgie der Gewalt zu provozieren.

"Beide Seiten verantwortlich"

Damals wirkte es wie ein Schock, dass Trump allen Ernstes sagte, "beide Seiten" seien "verantwortlich" – die Alt-Right-Bewegung wie ihre linken Gegner. Auf beiden Seiten gebe es "sehr gute Leute". Doch längst ist klar, dass es kein Ausrutscher war. Dieser Präsident kann gar nicht anders, als rassistischem Dünkel die Stichworte zu liefern.

Der Kandidat Donald Trump hetzte gegen den damaligen Präsidenten Barack Obama, dem er Jahre zuvor unterstellt hatte, gar nicht auf amerikanischem Boden geboren zu sein und somit zu Unrecht im Oval Office zu sitzen.

Der Präsident Trump beschimpft schwarze Sportler als geistig beschränkt und nennt einen schwarzen Moderator den dümmsten Mann des Fernsehens. Er klagt über zu viele Migranten aus "shithole countries", Dreckslöchern – wie er Länder in Afrika und der Karibik charakterisiert –, während er sich lieber Neubürger aus Norwegen wünscht. Spricht er über illegale Einwanderer aus Lateinamerika, redet er schon mal von "Tieren".

Populistische Methode

Das alles hat Methode. Es ist die Strategie eines Populisten, der glaubt, auf Dauer einen Keil zwischen weiße Amerikaner und jene ethnischen Minderheiten treiben zu können, die in absehbarer Zeit die Mehrheit im Land bilden werden.

Der Spalter im Weißen Haus: Er schürt Ressentiments, er schürt die Angst vor dem "Anderen", weil er hofft, mit Hilfe von Stereotypen auch die Wahl 2020 zu gewinnen. Kein Wunder, dass die rechtsextreme Szene glaubt, Trump habe ihr die Tore geöffnet, durch die sie nun mit wehenden Fahnen hindurchmarschieren könne. (Frank Herrmann, 12.8.2018)

Share if you care.