Netflix-Serie "Insatiable": Unersättlich danebengegangen

    13. August 2018, 07:00
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    Kein Gag funktioniert. Wahrscheinlich wussten das die Macher, noch bevor die Serie zu sehen war. Also was tun? Einen Shitstorm im Internet lostreten!

    Ein dickes Highschool-Mädchen wird gemobbt. Todunglückliche Einsamkeit. Doch plötzlich wird auf wundersame Weise aus dem hässlichen Entlein ein stolzer Schwan, und der nimmt Rache an den Peinigern. Zwar brutal, aber bitteschön dennoch lustig. Und schon ist das Konzept der Netflix-Serie Insatiable (sprechen Sie nach: "insääähschäbbbl") fertig.

    Ein reichlich krudes Konzept, dessen Ideen die magere Beute eines Ideenraubzugs bei Hans Christian Andersen, Sylvester Stallone und Quentin Tarantino gewesen sein dürfte.

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    Produzentin und Drehbuchautorin Lauren Gussis dürfte ihr Pulver schon bei der bitterböse-großartigen Serie Dexter (2006 bis 2013) verschossen haben. Für Patty, den Racheschwan (Zack & Cody-Star Debby Ryan), blieb da nichts übrig. Kein Gag funktioniert. Nicht nur die fiesen Protagonisten der Serie, auch die streamenden Menschen vor den Flatscreens werden systematisch gequält.

    Wahrscheinlich wussten die Macher der Serie spätestens bei Abschluss der Dreharbeiten, dass das Konzept nicht funktioniert hat. Da konnten auch Charmed-Hexe Alyssa Milano und Good Wife-Bruder Dallas Roberts nichts mehr ausrichten. Also was tun?

    foto: netflix

    Einen Shitstorm im Internet lostreten! Und zwar noch bevor die Serie zu sehen ist. So tun, als ob man mit dieser flachen Groteske tatsächlich tiefgründige Gesellschaftskritik zu Mobbing und Fatshaming habe üben wollen. Provokation pur!

    Ja, das funktioniert. Aber nur eine Folge lang. Okay, zwei, um ganz sicher zu sein. Spätestens dann ist die Trauer um verlorene Lebenszeit vorm Bildschirm zu groß, man schaltet um auf ... egal auf was. Zur WG verhaltensauffälliger Wissenschafter in Pasadena, zum Beispiel. (Gianluca Wallisch, 13.8.2018)

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