Mann stahl in Seattle Flugzeug und stürzte ab

    12. August 2018, 15:42
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    Er war Mitarbeiter des Bodenpersonals einer US-Airline

    Seattle – Ein Mitarbeiter des Bodenpersonals hat am Flughafen in der US-Westküstenmetropole Seattle ein leeres Passagierflugzeug gestohlen und ist damit ohne Erlaubnis abgehoben. Der 29-jährige Mitarbeiter der regionalen Fluggesellschaft Horizon Air vollführte Loopings mit der zweimotorigen Maschine und führte einen wirren Dialog mit einem Fluglotsen, der ihn zur Landung bewegen wollte. Nach rund einer Stunde stürzte das Propellerflugzeug vom Typ Bombardier Q400 auf eine Insel und ging in Flammen auf.

    Der Geschäftsführer der Muttergesellschaft Alaska Airlines, Brad Tilden, sagte am Samstag in Seattle, der Mitarbeiter von Horizon Air, der das 76-sitzige Flugzeug gestohlen hatte, sei ums Leben gekommen. "Wir arbeiten eng mit den Behörden zusammen, um dabei zu helfen, viele offene Fragen über seine Handlungen zu beantworten." Der Mann sei am Freitagabend ohne Genehmigung abgehoben.

    Zugang zu Sicherheitsbereich

    "Das war kein autorisierter Flug", sagte Tilden. Der Mitarbeiter habe seit dreieinhalb Jahren im Bodenpersonal von Horizon Air gearbeitet. Es habe Sicherheitsüberprüfungen gegeben. Seine Aufgabe sei unter anderem gewesen, Flugzeuge zu ihren Positionen zu schleppen. Er habe somit auch Zugang zum Sicherheitsbereich gehabt. Am Freitag sei er zu einer regulären Schicht eingeteilt gewesen. "Wir gehen davon aus, dass er eine Uniform trug."

    Das Büro des Sheriffs im Bezirk Pierce teilte über Twitter mit, es gebe keinen terroristischen Hintergrund. Es habe sich um einen einzelnen suizidgefährdeten Mann gehandelt. "Niemand anderes ist beteiligt." Nach dem Absturz übernahm die Bundespolizei FBI die Ermittlungen. Diese bat die Öffentlichkeit um Geduld.

    "Schiefgelaufene" Spritztour

    Zwei F-15-Kampfjets seien aufgestiegen, aber nicht in den Absturz verwickelt gewesen, teilte der Sheriff weiter mit. Der Crash sei entweder auf die "Stunts in der Luft" oder auf mangelnde Flugkenntnisse des 29-Jährigen zurückzuführen. Sheriff Paul Pastor sprach bei einer Pressekonferenz nach einem Bericht der "Seattle Times" von "einer Spritztour, die furchtbar schiefgelaufen ist". Alaska Airlines teilte mit, das Flugzeug hätte gewartet werden sollen und sei nicht für einen Passagierflug vorgesehen gewesen.

    Pastor sagte dem Bericht zufolge, am Boden sei niemand verletzt worden. Auf der bewaldeten Insel namens Ketron, auf der nur rund 20 Menschen lebten, sei ein Feuer ausgebrochen. Das Weiße Haus teilte am Samstag mit, Präsident Donald Trump sei über den Vorfall unterrichtet worden. Die Bundesbehörden unterstützten örtliche Kräfte bei der Untersuchung. Der Flughafen in Seattle wurde vorübergehend geschlossen, nach dem Absturz aber wieder geöffnet.

    Machte Loopings mit Maschine

    In dem Funkdialog mit dem Fluglotsen sagt der Mann, der im Gespräch Rich genannt wird, er sei "nur ein kaputter Typ, habe ein paar Schrauben locker, nehme ich an. Wusste ich bis jetzt gar nicht wirklich." Es gebe viele Leute, die ihn gern hätten. "Ich würde mich gerne bei jedem einzelnen von ihnen entschuldigen." Dann sagt der Mann, dass er mehr Treibstoff verbrauche als erwartet. Der Fluglotse weist ihn auf eine Landebahn in rund eineinhalb Kilometern Entfernung hin und fordert ihn auf, dorthin zu steuern – vergeblich.

    In der Umgebung sorgte das Flugzeug mit den Stunts für ungläubiges Staunen. Auf einem der zahlreichen Videos auf sozialen Medien ist zu sehen, wie die Maschine einen Looping macht, der nicht weit über der Meeresoberfläche endet. "Was macht der Typ?", fragt ein verwunderter Mann, der auf dem Video zu hören ist.

    Auf einem anderen Video sind Anwohner in einer Siedlung zu hören, die das Flugzeug über ihnen ebenfalls filmen. "Oh mein Gott", sagt eine Frau, "Was passiert jetzt?" Auf einer anderen Aufnahme ist zu sehen, wie eine Rauchwolke über einer Insel aufsteigt. Ein Mann sagt: "Ich glaube, gerade ist ein Flugzeug auf diese Insel gestürzt." (APA, 12.8.2018)

    Hilfe in Krisen

    Für Menschen in Krisensituationen und deren Angehörige gibt es eine Reihe von Anlaufstellen. Unter www.suizid-praevention.gv.at findet man Notrufnummern und Erste Hilfe bei Suizidgedanken.

    Telefonische Hilfe im Krisenfall gibt es auch bei:

    ● Telefonseelsorge 142, täglich, von 0 bis 24 Uhr.

    ● Kriseninterventionszentrum 01/406 95 95 (Montag bis Freitag, 10–17 Uhr); auch persönliche und E-Mail-Beratung: www.kriseninterventionszentrum.at.

    ● Sozialpsychiatrischer Notdienst / PSD Täglich, 0 bis 24 Uhr, Tel.: 01/31330

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