Notschlafstelle muss nach Klage ihr Quartier räumen

    10. August 2018, 17:54
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    Die Obdachlosenunterkunft VinziBett muss ausziehen, weil Miteigentümer sich belästigt fühlen

    Wien – Seit zehn Jahren bietet die Notschlafstelle VinziBett im 17. Wiener Gemeindebezirk obdachlosen Menschen eine Nächtigungsmöglichkeit. Nun steht die soziale Einrichtung vor dem Auszug, wie orf.at berichtet: Miteigentümer des Hauses haben den Vermieter erfolgreich auf Unterlassung der Vermietung an die karitative Einrichtung geklagt.

    "Wir befinden uns in einem Kündigungsverfahren, und ich gehe nicht davon aus, dass es zu unseren Gunsten ausgeht", sagt Regine Gaber, Sprecherin der VinziWerke, die für VinziBett zuständig sind, zum STANDARD. Wie ist es überhaupt so weit gekommen?

    Zu enger Raum

    "Prinzipiell machen soziale Vereine tolle Arbeit", sagt eine Miteigentümerin, die an der Klage beteiligt war, zum STANDARD. "Aber die Wohnsituation bei uns ist einfach schwierig." Man habe kein Mitspracherecht eingeräumt bekommen, wer im vorderen Teil des Hauses – wo jetzt die Obdachlosenunterkunft ist – einziehen soll.

    Wenn man zum hinteren Teil des Hauses gelangen möchte, müsse man zu nah an der Unterkunft vorbei, sagt die Klägerin. "Wenn die Gäste zum Teil alkoholisiert am frühen Abend vor dem Eingang stehen, müssen meine Kinder nach der Schule dort vorbei." Nachdem Haustiere in der Unterkunft erlaubt sind, komme es vor, dass sich neben Obdachlosen auch Hunde im hinteren Teil des Gebäudes aufhalten. "Das Gebäude ist dafür einfach nicht geeignet, der Raum zu eng."

    Keine Einigung

    Gaber weiß, dass sich Bewohner belästigt fühlten. "Vorwürfe, dass es so arg zugehen würde, habe ich aber nie verstanden." Der letzte Polizeieinsatz sei mehr als ein Jahr her. "Wir sind mitten auf der Ottakringer Straße, dass sich da Betrunkene aufhalten und auch manche von uns sind – ja, das kann ich nicht ausschließen." Betrunkene gebe es auch auf "jedem Bahnhof". Sie verweist außerdem auf die zwei getrennten Eingänge.

    Ganz kampflos will man sich nicht geschlagen geben. Seit März steht fest, dass sich VinziBett eine neue Bleibe suchen muss. Die Obdachlosenunterkunft hat angeboten, bis Ende 2019 auszuziehen. Die Kläger wünschen sich, dass diese bis Ende September das Gebäude verlässt. "Nachdem wir noch keine neue Unterkunft gefunden haben, können wir dem aber nicht zustimmen", sagt Gaber, "wir setzen unsere Leute sicher nicht auf die Straße." Man habe auch versucht, im Vorfeld eine einvernehmliche Einigung zu erzielen. Das ist aber nicht geglückt.

    Für 47 Menschen bietet VinziBett Platz. Es werden sowohl Männer als auch Frauen aufgenommen, die Nationalität spielt keine Rolle. Schwierig ist die Suche nach einer Bleibe, weil man nicht an den äußersten Stadtrand ziehen möchte, eine gewisse Anzahl an Quadratmetern benötigt und nicht allzu viele finanzielle Mittel zur Verfügung hat.

    "Wir brauchen eine gute Anbindung an das Öffi-Netz, damit uns die Leute auch finden", sagt Gaber. Hinzu kommt, dass man für eine zweite Unterkunft im dritten Wiener Gemeindebezirk neue Räumlichkeiten finden muss, da ein Mietvertrag ausläuft.

    Passende Anrainersituation

    Auch die Anrainersituation müsse passen, sagt Gaber. Viele lehnen Obdachlose in der Nachbarschaft kategorisch ab. VinziBett befindet sich nicht unweit des aufstrebenden Brunnenmarktviertels. Gaber beobachtet eine Gentrifizierung, die auf die Umgebung ausstrahle.

    "Jeder, der ein Objekt in einer aufstrebenden Gegend hat, will das Beste rausschlagen." Soll heißen: Obdachlose in der Nachbarschaft machen sich meist nicht gut. "Aber irgendwo müssen die auch sein dürfen." (Vanessa Gaigg, 10.8.2018)

    • Platz für knapp 50 obdach- und wohnungslose Menschen bietet die Unterkunft "VinziBett" im 17. Bezirk. Sie müssen ein neues Quartier finden.
      foto: apa/roland schlager

      Platz für knapp 50 obdach- und wohnungslose Menschen bietet die Unterkunft "VinziBett" im 17. Bezirk. Sie müssen ein neues Quartier finden.

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