Die Salami sieht mich so treuherzig an: Neue Ideen für die Gentechnologie

Kolumne10. August 2018, 16:09
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Die leibhaftig existierende eierlegende Wollmilchsau ist nur der Anfang

Seit mehr als einem halben Jahrhundert gibt es im Deutschen den Begriff von der eierlegenden Wollmilchsau. Die eierlegende Wollmilchsau steht für eine vielfach nützliche und vorteilhafte Sache, die nur den Nachteil hat, dass sie so inexistent ist wie das Schlaraffenland, ein warmer Eislutscher oder ein Messer ohne Klinge, dem der Griff fehlt.

Bis jetzt war das so! Jetzt aber sorgt eine Kombination aus sensationellem technologischem Know-how, spektakulärem Erfindergeist und extraordinärer Raffgier dafür, dass in allen Laboren dieser Welt Novitäten zusammengebastelt und -geklont werden, von denen die Deppen aus früheren Zeiten nicht zu träumen gewagt hätten.

Natürlich wird es da und dort ein paar Kollateralschäden geben: Übernahme der Weltherrschaft durch künstliche Intelligenz ("G'schamster Diener, Herr Roboter!"), Transformation des Planeten in einen kosmischen Bratapfel etc. Das aber muss uns der Fortschritt wert sein.

Wiederaufladbare Säue

Die leibhaftig existierende eierlegende Wollmilchsau ist nur der Anfang. Danach werden wir sie mit Bienen und Stören kreuzen und somit zu honigspendenden, Kaviar ablaichenden, eierlegenden Wollmilchsäuen weiterentwickeln. Der Anblick solcher Säue, wie sie an warmen Sommerabenden durch Gärten und Felder fliegen und an unseren hübschen Blüten nippen, wird bald schon zum österreichischen Landschaftsbild gehören. Zudem versehen wir die Saurüssel mit einem Stecker, damit man die Säue mit einem Akku wiederaufladen kann.

Hier ein paar weitere Ideen: einen Igel mit den Genen eines Besenstiels zusammenklonen. Dadurch erhält man eine zweckdienliche und formschöne Rückenbürste. Alle Hunde mit Genen von Rosen, Sandelholz, Zitrusfrüchten und kleinen Glasfläschchen versehen, damit sie uns die Straßen nicht mehr mit ihrem übelriechenden Unrat verpesten, sondern stattdessen kleine Parfumflakons auswerfen.

Am schönsten und ein Traum für jeden Marketingmann ist aber der folgende Plan: Salzstangen, Fischstäbchen, Salami und alle sonstigen Waren, die es im Supermarkt gibt, mit Hundewelpen kreuzen, auf dass die Waren den Käufer mit treuherzigem Blick zum Zugreifen animieren. Eine Tomate, die mit süßem Augenaufschlag ein "Nimm mich mit!" signalisiert: jede Wette, dass sich der Umsatz binnen weniger Tage verzigfacht. (Christoph Winder, 11.8.2018)

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