Datierung des Vulkanausbruchs von Santorin bleibt ungewiss

    10. August 2018, 17:33
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    Ein verschütteter Ast eines Olivenbaums schien den Zeitpunkt zu klären – eine neue Studie widerspricht


    foto: apa/dpa
    An diesem Stück Olivenholz wurde die Datierung der Minoischen Eruption festgemacht – vermutlich verfrüht.

    Rehovot – Vor etwa dreieinhalb Jahrtausenden – die Formulierung ist bewusst vage gewählt – brach der Vulkan Thera (heute Santorin) in der Ägäis aus. Die sogenannte Minoische Eruption war ein Ereignis, das sich neben den unmittelbaren Verwüstungen auch über Tsunamis und Klimaveränderungen verheerend ausgewirkt haben soll. Handfeste Belege für eine direkte Verbindung fehlen jedoch – erst recht für einen Zusammenhang mit verschiedenen Mythen wie dem vom Untergang von Atlantis oder den biblischen Plagen.

    Das (vermeintliche) Beweisstück

    Auch die genaue Datierung des bronzezeitlichen Ereignisses ist immer noch unklar. Archäologen veranschlagten dafür lange den Zeitraum um 1500 vor unserer Zeitrechnung. 2006 veröffentlichten dann Forscher der dänischen Universität Aarhus eine Studie zu einem Objekt, das früheren Annahmen widersprach. Es war ein Ast eines Olivenbaums, der unter den vom Vulkanausbruch abgelagerten Gesteinsschichten auf Santorin begraben worden war.

    foto: nasa
    Blick auf die Caldera von Santorin.

    Radiokarbondatierung der äußersten Holzschicht ergab, dass der Ast aus der Zeit von 1627 bis 1600 v. u. Z. stammt: Das wäre der Zeitpunkt des Todes und damit auch der Eruption. Die Folgerung: Die Minoische Eruption fand über ein Jahrhundert früher statt als gedacht. Das ist keine Kleinigkeit, immerhin handelte es sich um ein Ereignis, das in historischer Zeit stattfand, als es bereits in mehreren Kulturen schriftliche Aufzeichnungen gab. Und Historiker haben es gerne genau.

    Nachgeprüft

    Allerdings könnte der Befund der dänischen Forscher ein Irrtum gewesen sein, berichtet nun ein Team um Elizabetta Boaretto vom Weizmann-Institut in Israel. Die Datierung hatte auf der Annahme beruht, dass der äußerste Jahresring des Asts im Jahr des Ausbruchs entstanden ist. Das wäre in den meisten Fällen zwar plausibel, doch Olivenholz ist notorisch unzuverlässig, was das Wachstum betrifft.

    Boaretto führte Radiokarbonmessungen an 20 Proben eines heutigen Olivenbaumstammes sowie an 11 Proben eines Astes, der 2013 abgeschnitten worden war, durch. In beiden Fällen stieß sie auf große Altersunterschiede in der äußersten, also jüngsten Schicht. Die Abweichungen konnten 40 bis 50 Jahre betragen.

    foto: apa/dpa
    Ein unverlässlicher Zeitzeuge.

    Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass Olivenbäume nicht systematisch sichtbare Jahresringe produzieren und dass einzelne Abschnitte lange vor dem Tod das Wachstum einstellen können. Datierungen, die sich auf Olivenholz stützen, seien daher nicht zuverlässig – und das Datum der Minoischen Eruption ist wieder ein Stück ungewisser geworden. (jdo, 10. 8. 2018)

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