Die Pferde des Malers Franz Marc: Bunte teure Seelenwesen

    13. August 2018, 09:55
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    Der deutsche Maler visualisierte vielfach den inneren Seelenzustand der Fauna. Am häufigsten malte er Pferde – das "blaue" wurde sein Markenzeichen

    Gemessen an den ursprünglichen Erwartungen überraschte das Ergebnis dann doch: Mit einer Taxe von umgerechnet knapp drei bis vier Millionen Euro hatte Christie's im Juni in London eine Gouache von Franz Marc (1880-1916) in der Sektion Impressionist & Modern Art ins Rennen geschickt. Die Ziellinie passierte das Werk erst bei 17,48 Millionen Euro und an dritter Position der Tageswertung. Ein stattlicher Wert für das auf Karton gemalte Sujet Drei Pferde (1912), um das sich mehrere Bieter rangelten.

    Warum es derart starkes Interesse hervorrief? Wegen des Motivs. Marc hatte auch andere Protagonisten aus der Welt der Fauna gemalt, darunter die legendäre gelbe Kuh, Rehe, Füchse oder Katzen, die er harmonisch in ihre natürliche Umgebung einbettete. Das Pferd ist jedoch jenes Tier, das wie kein anderes derart eng mit dem Schaffen des Künstlers verknüpft wird. Von 1905 an begleitete es ihn bis zu seinem frühen Tod an der Front des Ersten Weltkriegs. Dokumentiert ist dies in unzähligen Skizzen und Bewegungsstudien, über die er detaillierte anatomische Kenntnisse entwickelte, die in einer abstrahierten, wesenhaften Darstellungsweise mündeten.

    foto: heidi horten collection
    Franz Marcs "Zwei Pferde" ersteigerte die Milliardärin Heidi Horten 2003 bei Christie’s. Derzeit gastiert das Werk in der Ausstellung ihrer Sammlung im Leopold Museum. Laut Experten könnte es sich dabei um ein Doppelporträt von Franz Marc und seiner zweiten Ehefrau Marie handeln.

    Theorie: Doppelporträt

    Ihrem inneren Seelenzustand folgend malte Marc sie mal in Gelb, mal in Rot und vor allem in Blau. Letzteres wurde zu seinem Markenzeichen und indirekt namensgebend für die von ihm und Wassily Kandinsky 1912 gegründete Vereinigung "Blauer Reiter". Die erste Fassung Blaues Pferd I, im Lenbachhaus (München) beheimatet, gilt als Ikone der deutschen Kunstgeschichte. Kein anderes Werk des Künstlers wurde derart oft reproduziert. Laut Kunsthistorikern symbolisiert das im OEuvre mehrfach vertretene blaue Ross zudem das spirituelle Alter Ego, ein idealisiertes Selbstporträt Franz Marcs.

    Auf dem Kunstmarkt sind "Pferde" aus der Zucht des deutschen Expressionisten Marc stark gefragt. Fünf der zehn höchsten bislang erteilten Zuschläge entfielen auf dieses Motiv. Zu dieser Gruppe gehört auch die Mischtechnik (Tempera, Gouache) Zwei Pferde aus der Sammlung Heidi Hortens, die derzeit im Leopold-Museum gastiert (noch bis 3. September). Im Jahr 2002 hatte sie die Milliardärin für 2,15 Millionen Euro bei Christie's in London ersteigert.

    foto: christie’
    Neuer Auktionsrekord: Im Juni versteigerte Christie’s in London Franz Marcs "Drei Pferde" (1912) und erzielte 17,48 Millionen Euro. Ein stattlicher Wert für eine Gouache.

    Zwei Pferde

    Ein Schnäppchen, angesichts der seither für Pferdedarstellungen von Franz Marc erzielten Preise. Das Besondere an diesem Werk: Es könnte sich dabei tatsächlich um ein Porträt von Franz Marc (blaues Pferd) und seiner zweiten Ehefrau Marie, geborene Franck, handeln, wie auch Marc-Expertin Annegret Hoberg auf Standard-Anfrage für möglich hält. Den Hinweis liefert die Provenienz in Kombination mit der privaten Lebenssituation des Künstlers.

    1908 war er von seiner ersten Ehefrau geschieden worden, und eine neuerliche Verehelichung wurde von Gesetzes wegen damals nicht erlaubt. Konkret, weil er den "Scheidungsgrund" heiraten wollte und dies einer expliziten gerichtlichen Erlaubnis bedurft hätte. Ein solcher staatlicher Dispens blieb ihm verwehrt. Vorerst. 1910 nahm sich der Anwalt Heinrich Fromm der Sache an. Zwei Pferde datiert aus dem Jahr 1913, und Marc hatte das Blatt "Dr. Fromm" gewidmet und geschenkt – als Dank für dessen Engagement. Denn Fromm hatte im Frühsommer des Jahres endlich den Dispens erwirkt. Dem gemeinsamen Eheleben stand nun nichts mehr im Wege. Am 3. Juni 1913 holten sich Franz und Maria den lang ersehnten rechtlichen Segen am Standesamt in München. (Olga Kronsteiner, 11.8.2018)

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