Neuauszählung irakischer Wahl bestätigt Sieg von Prediger al-Sadr

    10. August 2018, 07:16
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    Überprüfung wegen Beschwerden der unterlegenen Parteien – UN bezeichnet neues Ergebnis als glaubhaft

    Bagdad – Nach einer Neuauszählung der Stimmzettel der Parlamentswahl im Irak ist das Bündnis des populistischen schiitischen Predigers Moktada al-Sadr als stärkste Kraft hervorgegangen. Die Ergebnisse bestätigten damit weitgehend die schon bisher bekannten Zahlen. Wie die Wahlkommission in der Nacht zum Freitag mitteilte, bleibt es im Falle Sadrs sogar exakt bei jenen 54 Sitzen seines Bündnisses im 329 Sitze zählenden Parlament, die ihm schon nach der Wahl im Mai zugesprochen worden waren.

    Als einzige Veränderung ergab die Neuauszählung einen zusätzlichen Sitz für die Eroberungsallianz des proiranischen Ex-Milizenführers Hadi al-Ameri: Statt 47 kam das Bündnis nunmehr auf 48 Sitze und bleibt damit zweitstärkste Kraft. Die Liste des scheidenden Regierungschefs Haider al-Abadi bleibt demnach mit 42 Sitzen drittstärkste Kraft. Vor allem seine Partei, die wesentlich unter den Erwartungen abgeschnitten hatte, hatte die Neuauszählung der Wahlen gefordert.

    Weg zur Regierungsbildung

    Iraks Oberstes Bundesgericht hatte im Juni eine manuelle Neuauszählung sämtlicher elf Millionen Stimmzettel der Wahl vom 12. Mai angeordnet, einschließlich der Stimmzettel der Auslandswähler, der Vertriebenen und der Sicherheitskräfte. Die Vereinten Nationen hatten die Neuauszählung zuletzt als "glaubwürdig" gelobt.

    Mit der Neuauszählung ist nun der Weg theoretisch frei für eine Regierungsbildung. In der Praxis werden allerdings noch langwierige Koalitionsverhandlungen erwartet. Außerdem muss das endgültige Ergebnis noch vom Obersten Gericht offiziell verkündet werden. Anschließend hat der scheidende Staatschef 15 Tage Zeit, das Parlament einzuberufen, welches dann einen neuen Präsidenten wählt und den Prozess der Regierungsbildung einleitet. (APA, 10.8.2018)

    • An der relativen Mehrheit des populistischen schiitischen Predigers Moktada al-Sadr (li.) hat sich auch nach der Neuauszählung der irakischen Stimmen nichts geändert, Premier Haidar al Abadi (re.) unterlag. Die Suche nach einer Regierung gestaltet sich aber schwierig.
      foto: reuters / alaa al marjani

      An der relativen Mehrheit des populistischen schiitischen Predigers Moktada al-Sadr (li.) hat sich auch nach der Neuauszählung der irakischen Stimmen nichts geändert, Premier Haidar al Abadi (re.) unterlag. Die Suche nach einer Regierung gestaltet sich aber schwierig.

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