Nach Messerattacken in Wien-Leopoldstadt: Prozess im September

    10. August 2018, 07:05
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    Psychiatrischer Sachverständiger kommt zum Schluss, dass bei 23-Jährigem keine "psychische Störung" vorliegt – Damit ist von Anklage wegen vierfachen versuchten Mordes auszugehen

    Wien – Am 13. September muss sich ein 23-jährige Afghane vor Geschworenen am Landesgericht verantworten, der am 7. März in Wien-Leopoldstadt eine Familie nach einem Lokal-Besuch mit einem Messer attackiert und schwer verletzt hatte. Die Anklage lautet auf fünffachen Mordversuch. Dem psychiatrischen Sachverständigen Peter Hofmann zufolge ist der Asylwerber zurechnungs- und damit schuldfähig.

    Attacke auf Praterstraße

    Der Afghane hatte auf der Praterstraße einen Arzt, dessen Ehefrau und deren gemeinsame Tochter beim Verlassen eines Restaurants mit zwei Messern angegriffen. Er flüchtete vom Tatort, bedrohte mit einer Klinge einen Zeugen und stach wenig später am Praterstern einen afghanischen Landsmann nieder. Nach seiner Festnahme und Überstellung in die Justizanstalt Josefstadt machte der 23-Jährige wirre Angaben, sprach von inneren Stimmen und "Teufelsmenschen", die ihn verfolgen würden.

    Ende März wurde der Mann mit Verdacht auf paranoide Schizophrenie vorübergehend ins Otto-Wagner-Spital (OWS) verlegt, wo er mehrere Selbstmordversuche unternahm. Der Verdacht auf Vorliegen einer schwerwiegenden psychischen Krankheit bestätigte sich – folgt man dem Tenor des psychiatrischen Gutachtens – nicht. Die Verhandlung ist auf einen Tag anberaumt. Den Prozess wird Richterin Nina Steindl leiten.

    Keine Anhaltspunkte auf Erkrankungen

    Den nunmehrigen fachärztlichen Feststellungen zufolge liegen beim 23-Jährigen allerdings "keinerlei Anhaltspunkt auf schwerwiegende psychische Erkrankungen" vor. Der Psychiater geht vielmehr davon aus, dass der 23-Jährige zum Zeitpunkt der Messerangriffe "über einen völlig geordneten Gedankengang verfügte". Hofmann schließt in seinem 42-seitigen Gutachten "relevante schwerwiegende psychische Symptombildungen" aus, die zu dem gewalttätigen Verhalten geführt hätten.

    Da somit kein Schuldausschließungsgrund vorliegt, ist davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft gegen den Verdächtigen demnächst Anklage wegen vierfachen versuchten Mordes erheben wird. Sein Verteidiger Wolfgang Blaschitz, der den Mann gemeinsam mit der Anwältin Astrid Wagner vertritt, will dessen ungeachtet die psychische Befindlichkeit seines Mandanten "weiter hinterfragen, weil ich schon den Eindruck gehabt habe, als wäre er nicht bei Sinnen", wie er am Freitag der APA erklärte. (APA, 10.8.2018)

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