Pilotenstreik bei Ryanair trifft 55.000 Passagiere und endet am Samstag

10. August 2018, 10:52
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Europaweit 400 Flüge abgesagt – 20 Flüge ab Deutschland, die Ryanair für Laudamotion durchführt, werden auch am Freitag gestrichen

Frankfurt/Dublin – Beim irischen Billigflieger Ryanair hat der bisher härteste Pilotenstreik in der Geschichte des Unternehmens begonnen. Das bestätigte am Freitagmorgen ein Sprecher der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit (VC).

Die irische Fluggesellschaft hat wegen der angekündigten Streiks in Deutschland, Belgien, Schweden, Irland und den Niederlanden jeden sechsten ihrer 2.400 geplanten Europaflüge abgesagt. Schwerpunkt ist Deutschland, wo wegen des auf 24 Stunden beschränkten Streiks der Vereinigung Cockpit 250 Flüge gestrichen wurden.

Vor allem am frühen Morgen wird dem Plan zufolge kaum ein Ryanair-Flieger von einem deutschen Flughafen abheben. Im Laufe des Tages finden dann einige Flüge statt mit Maschinen, die aus anderen, nicht bestreikten Ländern landen und auch wieder starten.

Der Streik trifft am rund 55.000 Passagiere – davon 42.000 allein in Deutschland. Die irische Gesellschaft hat jeden sechsten ihrer rund 2.400 geplanten Europaflüge abgesagt. Und er hat auch schwere Folgen für die österreichische Tochter Laudamotion: Mehr als 20 Flüge ab Deutschland, die Ryanair für Laudamotion durchführt, werden am Freitag gestrichen. Österreich-Verbindungen seien nicht betroffen, heißt es von Laudamotion zur APA, da die Gesellschaft diese Flüge meist selbst durchführt. Die betroffenen Passagiere seien informiert worden.

Die Aktion soll definitiv am Samstag um 02.59 Uhr enden, wie Cockpit noch einmal bestätigte. Eine Verlängerung sei nicht geplant, so der Sprecher der Gewerkschaft, Janis Schmitt, am Freitag in Frankfurt. "Wir werden uns den heutigen Tag anschauen und bewerten. Wir hoffen, dass Ryanair unser Signal verstanden hat und dann zu ernsthaften Verhandlungen bereit ist."

Ab Samstag Normalbetrieb

Ryanair habe offenbar mit massiven Ausfällen gerechnet und daher lieber gleich das gesamte Programm der deutschen Crews abgesagt, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft am Donnerstag in Frankfurt. Das sei für das Unternehmen offenbar einfacher zu behandeln. Am Samstag soll der Betrieb wieder wie gewohnt laufen, hatte Ryanair angekündigt. Der Streik endet offiziell um 02.59 Uhr. Weitere Arbeitskämpfe hat die VC nicht ausgeschlossen, will sie aber weiterhin mit einem Vorlauf von mindestens 24 Stunden vorher ankündigen.

In den Niederlanden versuchte das Ryanair-Management, den dort geplanten Pilotenstreik mit juristischen Mitteln zu verhindern. Ein Gericht in Haarlem lehnte das zwar ab, allerdings teilte der Billigflieger am Abend mit, alle Flüge aus dem Polderstaat würden dennoch wie geplant abheben.

Größter Pilotenstreik bei Ryanair

Die abgestimmte Aktion ist der bis jetzt größte Pilotenstreik in der Geschichte der größten Billigairline Europas, die erst seit Ende 2017 Gewerkschaften anerkennt. Vor zwei Wochen hatten zudem Flugbegleiter in Portugal, Spanien und Belgien über zwei Tage zusammen rund 600 Flüge mit knapp 100.000 betroffenen Passagieren ausfallen lassen. Unter den europäischen Piloten haben bisher einzig die Iren an vier einzelnen Tagen die Arbeit niedergelegt. Ryanair hatte daraufhin den Abzug von sechs Jets samt 300 Arbeitsplätzen nach Polen angekündigt.

Gewerkschaften und Ryanair beschuldigen sich gegenseitig, die seit rund sechs Monaten laufenden Verhandlungen zu blockieren. Die VC will bei der irischen Gesellschaft erstmals ein System aus Vergütungs- und Manteltarifvertrag etablieren und zieht dafür andere Fluggesellschaften als Muster heran. In den Vorschlägen sind zahlreiche Details etwa zu Dienstzeiten, Versetzungen oder Fixanteilen des Gehalts enthalten. Ryanair verweist auf vergleichsweise hohe Endgehälter ihrer Kapitäne und Copiloten. Das Unternehmen will keine Vereinbarungen treffen, die sein Niedrigkostenkonzept infrage stellen würden. (APA, 9.8.2018)

  • Die Billigfluglinie Ryanair muss sich am Freitag auf einen massiven Streik einstellen.
    foto: reuters/ints kalnins

    Die Billigfluglinie Ryanair muss sich am Freitag auf einen massiven Streik einstellen.

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