Wie die Hitze auf die Wirtschaft drückt

    9. August 2018, 15:31
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    Unter der Hitze leiden der Schiffsverkehr ebenso wie Landwirte und Bauarbeiter. Aber es gibt auch einige, die von den hohen Temperaturen profitieren

    An der Donau lassen sich dieser Tage die Auswirkungen der Hitze gut ausmachen: An den Ufern kommen die Felsen und die trockene und aufgerissene Erde zum Vorschein, an einigen Stellen hat sich der Fluss um mehrere Meter zurückgezogen – besonders in Bayern, wo der Wasserstand teilweise nur noch rund 1,50 Meter beträgt.

    Zwar ist es nichts Ungewöhnliches, dass der Wasserstand in den Sommermonaten Juli und August sinkt, so prekär wie heuer ist die Lage aber eher selten. Das kann besonders für die Schifffahrt zum Problem werden.

    Bei der derzeitigen Niedrigwassersituation werde die Donau für Güterschiffe zwar nicht gesperrt, allerdings können die Frachter aufgrund der geringen Wassertiefen deutlich weniger Ladung aufnehmen, heißt es von der Wasserstraßen-Gesellschaft Viadonau. Auf bis zu dreißig Prozent ihrer Ladung müssen die Schiffe demnach verzichten, um nicht zu tief einzusinken oder aufzulaufen. Das wiederum beeinträchtigt die Wirtschaftlichkeit der Transporte.

    Wasserkraftwerke erzeugen weniger Strom

    Der Schiffsverkehr ist ein gutes Beispiel für eine Branche, der die Hitze zu schaffen macht. Von dort ist es nicht weit bis zu den Kraftwerken, die vom Wasser abhängig sind. "Wir haben heuer seit langem einen der trockensten Sommer. In der Donau befindet sich fast um die Hälfte weniger Wasser als noch zur Schneeschmelze im Frühjahr", sagt Florian Seidl, Sprecher beim Verbund.

    Für die Wasserkraftwerke bedeute das zwar nicht eins zu eins um die Hälfte weniger Strom, weil durch das steilere Gefälle ein Teil des Verlustes ausgeglichen werden kann. Trotzdem produziere man in den Kraftwerken im August rund ein Drittel weniger Strom als zu dieser Jahreszeit üblich, so Seidl. Der fehlende Strom müsse mit Pumpspeicherkraftwerken und Gaskraftwerken ausgeglichen werden.

    Mineralwasserproduzenten profitieren

    Wo die Schiffe und Kraftwerke mit weniger Wasser auskommen müssen, erfreuen sich die Getränkehersteller in Zeiten der Hitze an steigenden Umsätzen. Vöslauer plane an den heißen Tagen gar mit einer Verdoppelung des Umsatzes, aber auch bei Waldquelle und Römerquelle registriere man einen starken Anstieg des Mineralwasserkonsums.

    Beim Bier dagegen sind die Österreicher während der Hitze sparsamer. Die optimale Temperatur zum Biertrinken liege laut Brauereiverband bei 28 Grad. Steigen die Temperaturen, würden die Österreicher indes lieber zum Wasser oder zu alkoholfreien Getränken greifen.

    Landwirte stöhnen auf

    So richtig unter Druck gerieten bisher vor allem die Landwirte. Wochenlang habe es keinen Niederschlag gegeben, vor allem beim Getreide gebe es in einigen Regionen Ertragsausfälle, beklagen viele. Durch die Dürre seien auch großflächig die Grünflächen geschädigt, wodurch es an Futter für die Nutztiere fehle. Einige Landwirte seien demnach gezwungen, mehr Getreide zu importieren oder Tiere zu verkaufen.

    Insgesamt belaufen sich die Schäden in der österreichischen Landwirtschaft laut Schätzungen der Hagelversicherung heuer auf rund 210 Millionen Euro, von denen 80 Millionen Euro auf Getreide und 130 Millionen Euro auf Grünland entfallen. Im Norden und Westen von Österreich gab es von März bis August teilweise über 85 Prozent weniger Regen als im zehnjährigen Durchschnitt. Zudem macht den Forstwirten der Borkenkäfer zu schaffen, der sich bei warmen Temperaturen besonders ausbreitet.

    Bauarbeiter müssen schwitzen

    Mit der Hitze zu kämpfen hatten bisher auch die Bauarbeiter. "Die Hitzewellen werden immer mehr. Besonders in den Baugruben hat es teilweise weit über 40 Grad", sagt der Sprecher der Gewerkschaft Bau-Holz, Thomas Trabi.

    Seit 2013 besteht die Regelung, dass bei Temperaturen über 35 Grad der Arbeitgeber das Arbeiten im Freien einstellen kann. In der Ausfallszeit muss den Arbeitnehmern 60 Prozent des Stundenlohns ausbezahlt werden. Laut Gewerkschaft habe es in den letzten fünf Jahren 44 Tage gegeben, an denen Bauarbeiter "hitzefrei" bekamen. Eine weitere Lösung sei, schon um sechs Uhr früh mit den Bauarbeiten zu beginnen, um die Nachmittagshitze zu vermeiden, so Trabi.

    Der Elektrohandel freut sich

    Nur wenige schlendern in diesen Tagen gemütlich durch die aufgeheizten Einkaufsstraßen der Städte. "Seit einigen Wochen fällt uns insbesondere die Laufkundschaft weg", sagt Iris Thalbauer, Geschäftsführerin der Bundessparte Handel bei der Wirtschaftskammer (WKO). Dagegen können Einkaufszentren mit Klimatisierung punkten.

    Und auch eine andere Branche profitiert: der Elektrohandel. Denn seit Juli rennen die Kunden den Unternehmern auf der Suche nach Klimageräten die Geschäfte ein. "Bei uns herrscht derzeit mehr Trubel als zu Weihnachten", meint Wolfgang Krejcik, Obmann des Elektrohandels bei der WKO. Mobile Klimaanlagen seien in beinahe allen Elektrogeschäften mittlerweile ausverkauft, Nachbestellungen oft nicht mehr möglich. "Wir sehnen uns deswegen aber nicht den Klimawandel herbei." (Jakob Pallinger, 9.8.2018)

    • Auf den Almen ist Wasser derzeit oft Mangelware. Grünflächen sind bereits großflächig geschädigt.
      foto: apa/dietmar stiplovsek

      Auf den Almen ist Wasser derzeit oft Mangelware. Grünflächen sind bereits großflächig geschädigt.

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