Wien: Neuer E-Carsharing-Anbieter "Caroo" wird im November starten

    9. August 2018, 12:14
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    Caroo setzt rein auf Elektroautos, die aktuell über eine Crowdfunding-Kampagne finanziert werden

    Das Wiener Carsharing-Start-up Caroo wird in Wien ab kommenden November mit einem neuen Carsharing-Angebot starten. Das Start-up wird zu Beginn mit rund 30 E-Autos an den Start gehen, wobei Caroo, ähnlich wie Car2Go und Drive Now, auf ein sogenanntes "Free-Floating"-Konzept setzt. Wie Leroy Hofer, CEO und Gründer von Caroo, gegenüber dem STANDARD erläutert, wolle man im Gegensatz zu den bestehenden Carsharing-Unternehmen auch Transporter anbieten.

    Finanzierung mit Crowdfunding

    Die Finanzierung der ersten 30 E-Autos sei mit Hilfe einer erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne erfolgt, so Hofer. Dafür sammelte das vierköpfige Gründerteam auf ihrer eigenen Webseite rund 230.000 Euro. Kleininvestoren konnten mit Beträgen zwischen 500 und 10.000 Euro Unternehmensanteile erwerben. Als Benefit bietet Caroo den Investoren zusätzlich einen speziellen "Investor-Tarif" an, mit dem sie in Zukunft vergünstigt E-Autos anmieten können. Wie Hofer erläutert, laufe die Crowdfunding-Kampagne aufgrund ihres Erfolges noch bis zum 16. August.

    Als zusätzliches Finanzierungs-Standbein setzt das Unternehmen auf Förderungen für die "Verbreitung von E-Mobilität". So konnten die Gründer beispielsweise eine Bundesförderung im sechsstelligen Bereich an Land ziehen.

    caroo mobility
    Die Crowdfunding-Kampagne läuft noch bis zum 16. August. Investitionen können auch mit der Krypto-Währung "Bitcoin" getätigt werden

    Reine E-Carsharing-Flotte

    Caroos Fahrzeug-Flotte wird zu 100 Prozent aus E-Autos bestehen. Wie Hofer erläutert, wird der größte Teil der Flotte mit dem Kompaktwagen Renault Zoe abgedeckt werden. Zudem biete man den zweisitzigen und offenen "Ultra-Kleinwagen" Renault Twizy und den Renault Transporter Kangoo Z.E. an. "Mit einer Fuhrpark-Diversifikation und insbesondere den Transportern, wollen wir uns von der Konkurrenz absetzen", so Hofer gegenüber dem STANDARD. Derzeit plane man, dass rund 30 Prozent der Flotte aus Transportern bestehen wird. Je nach Nachfrage könne sich das Verhältnis jedoch noch ändern. Am Beginn sollen zudem der BMWi3 und Nissan e-NV200 Transporter zum Einsatz kommen, um die langen Lieferzeiten von Renault zu kompensieren.

    foto: caroo
    Caroo wird den Renault Twizy, Zoe und Kangoo Z.E. anbieten

    Tarif-Modelle

    Das Tarif-Modell wird sich an den branchenüblichen Minutentarifen für Kurzfahrten orientieren. Allerdings möchte Caroo im Gegensatz zur Konkurrenz einen Fokus auf längere Mieten legen. "Aufgrund der verhältnismäßig kleinen Fahrzeugflotte macht es Sinn längere Zeiträume und andere Preismodelle als Car2go und Drive Now anzubieten", so Hofer.

    foto: caroo
    Für unter 25-jährige soll es einen günstigeren Tarif geben

    Caroo hat die künftigen Tarif-Modelle auf der Webseite bereits veröffentlicht. Mit dem "Caroo-Basic"-Tarif können Kunden einen Renault Zoe für 37 Cent die Minute oder 19 Euro pro Stunde mieten. Der Preis für einen ganzen Tag beläuft sich auf 79 Euro. Der Renault-Transporter Kangoo Z.E. ist für den gleichen Tarif verfügbar. Günstiger ist hingegen der kleinere Twizy, den man schon für 12 Euro pro Stunde mieten kann.

    Vergünstigung für unter 25-Jährige

    Für unter 25-Jährige wolle Caroo zudem vergünstigte Preise anbieten, so Hofer. Einen Renault Twizy bekommt man dann statt 12 Euro die Stunde für 9 Euro die Stunde. Wie es auf der Webseite heißt, können sich die gelisteten Tarife vor dem Launch noch leicht ändern. Ferner plant Caroo auch einen eigenen "Premium-Tarif" anzubieten. Für einen jährlichen Beitrag von 50 Euro soll man dann die gleichen Vergünstigungen wie unter 25-Jährige erhalten.

    Kooperation mit dem Ladenetz von Wien Energie

    Um die Caroo-Flotte mit ausreichend Energie zu versorgen, setzt das Start-up auf E-Ladestellen von Wien Energie. Dafür ist das Sart-up eine Kooperation mit dem Energieversorger eingegangen, der bis 2020 rund 1.000 neue Ladestellen in Wien errichten möchte. Derzeit gibt es pro Bezirk zehn Ladestellen. Wie Hofer versichert, reichen diese für den Beginn des Carsharing-Angebots aus, da die Auslastung der Ladesäulen derzeit noch sehr gering sei. In Zukunft könne die Flotte parallel mit dem Wien-Energie-Ladenetz mitwachsen, so Hofer.

    foto: caroo
    Caroo geht gemeinsam mit Wien Energie eine Kooperation für das Ladenetz ein

    Geschäftsgebiet

    Die Elektroautos können überall im Geschäftsgebiet angemietet und abgestellt werden. Es gibt somit keine fixen Parkplätze an die das E-Auto wieder zurückgebracht werden muss. Wie Hofer erläutert, wolle man aber mit Anreizen, wie zusätzlichen Freiminuten, arbeiten, damit Kunden ihr Auto an einer Ladesäule abstellen. Zudem sollen sich Service-Mitarbeiter um den technisch einwandfreien Zustand der Fahrzeug-Flotte und eine gleichmäßige Verteilung innerhalb des Geschäftsgebietes kümmern. Im Gegensatz zur Konkurrenz wolle man laut Hofer die ersten 20 Minuten Parken gratis anbieten.

    Ziele für die nächsten Jahre

    Wie Hofer betont, verfolge man im ersten Geschäftsjahr das Ziel rund 50 E-Autos auf die Straßen Wiens zu bringen. In fünf Jahren wolle man – nach der Fusion von Car2go mit Drive Now – klare Nummer zwei am Wiener Carsharing-Markt sein. Für den Transporter-Verleih strebe man jedoch die klare Nummer eins an. (Martin Pacher, 09.09.2018)

    • Die Flotte von Caroo besteht komplett aus E-Autos
      foto: caroo

      Die Flotte von Caroo besteht komplett aus E-Autos

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