"Für meine Tochter": Ein Kommissar zieht in den Krieg nach Syrien

    Ansichtssache8. August 2018, 09:00
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    Dietmar Bär im ZDF-Drama "Für meine Tochter" am Mittwoch, 20.15 Uhr

    Er ist einsam, verzweifelt und verbittert. Seine Frau ist tot, das Verhältnis zu seiner Tochter Emma mehr als unterkühlt. Und dann muss er auch noch allein ins türkisch-syrische Grenzgebiet, um sein Kind zu suchen. Was Dietmar Bär als Kölner Tatort-Kommissar Freddy Schenk bisher erlebte, ist ein Lercherlschas im Vergleich zu dem, was er im ZDF-Drama Für meine Tochter – zu sehen am Mittwoch um 20.15 Uhr – nach dem Drehbuch von Sarah Schnier und Michael Helfrich über sich ergehen lassen muss.

    foto: zdf

    Immer diese Angst

    Regisseur Bär Stephan Lacant inszeniert die Geschichte des Apothekers Benno Winkler. Flüchtlingskrise oder andere weltpolitische Ereignisse interessieren ihn nicht, der Verlust seiner Frau hat ihn voll im Griff. Da ist kein Platz für andere Themen, auch nicht für seine Tochter. Bis Emmas Pass in der Türkei auftaucht, eine Syrerin wollte damit ausreisen. Immer wieder versucht er, sie zu erreichen, vergeblich. Die Ansage "Der gewünschte Gesprächspartner antwortet nicht, versuchen Sie es später noch einmal" zieht sich als schmerzhafter roter Faden durch den Film.

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    foto: zdf

    "Wenn du ein Kind hast, dann hast du immer Angst. Du hast Angst, dass du es irgendwann aus den Augen verlieren könntest. Dass es sich wehtut. Dass ihr jemand was antun könnte", sagt er einmal. Es hilft nichts, er muss sie suchen, im Alleingang reist er los in das türkisch-syrische Grenzgebiet, dorthin, wo täglich Menschen brutal ermordet, Familien auseinandergerissen werden. "Der Krieg kennt keine Grenzen", sagt ein Taxler, die brutale Odyssee beginnt. Von der deutschen Botschaft in Ankara ist keine Hilfe zu erwarten ("Der deutsche Staat ist kein Dienstleistungsunternehmen und schon gar keine Privatmiliz", hört er dort.)

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    Deutschsein hilft nicht

    "I am German, let me in", bettelt er am Eingang eines Flüchtlingslagers, dort hofft er auf Informationen über Emma. Die Erkenntnis, dass ihm sein Deutschsein hier nicht hilft, trifft ihn hart. Später irrt er mehr als zehn lange Filmminuten allein durch die syrische Wüste. Überzeugend Bärs Darstellung eines Mannes, der völlig am Ende ist, sich und die Welt aufgegeben hat. (ae, 8.8.2018)

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