Geschlechtsreif in Weltrekordzeit

Video8. August 2018, 08:56
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Vom Schlüpfen bis zur Adoleszenz in 14 Tagen: Türkise Prachtgrundkärpflinge reifen schneller als jedes andere Wirbeltier. Das hat einen guten Grund

foto: r. blazek
Ein Leben im Schnelldurchlauf: Von der "Geburt" bis zum ersten Sex dauert es beim Türkisen Prachtgrundkärpfling nur zwei Wochen.

Prag/Wien – Der Wissenschaft sind diese winzigen Süßwasserfische erst seit genau 50 Jahren bekannt. Seitdem haben die Türkisen Prachtgrundkärpflinge mit ihrer eigentümlichen Lebensweise bei Forschern für einiges Aufsehen gesorgt. (Nur falls Sie sich fragen sollten: Die wissenschaftliche Bezeichnung der kleinen Wirbeltiere klingt für deutschsprachige Personen deshalb nicht ganz so anmutig wie ihre deutsche Bezeichnung, weil einer der Entdecker der US-Aquarianer Richard Furzer war.)

Türkise Prachtgrundkärpflinge, die Tümpeln der afrikanischen Savanne leben, sind eine in mehrerlei Hinsicht extreme Fischart. Lange hielt man sie für die Spezies mit der kürzesten Lebenserwartung. Diesen Rekord sind sie in der Zwischenzeit wieder los. Doch nun berichten tschechische Forscher von einer anderen Bestleistung, die nicht nur für Fische, sondern Wirbeltiere insgesamt gilt: Keine andere Spezies wird schneller geschlechtsreif.

Feldforschung in Mosambik

Martin Reichard (Institut für Wirbeltierbiologie der Tschechischen Akademie der Wissenschaften) hat mit seinem Team die ungewöhnlichen Fische in deren Habitaten in Mosambik untersucht, um zu eruieren, wie schnell die Reifung in natürlicher Umgebung erfolgt.

"Wir haben vermutet, dass einige Populationen dieser Art unter bestimmten Bedingungen sehr schnell wachsen und sexuell reifen können", so der Forscher. Dass es so schnell geht, kam dann doch überraschend, denn im Labor der Reifungsprozess drei bis vier Wochen, was auch flott ist. In freier Wildbahn seien 14 oder 15 Tage aber die Regel und nicht die Ausnahme, berichten die Forscher im Fachblatt "Current Biology".

Fische im Trockenen

Das hat vor allem mit der volatilen Umgebung zu tun, in der die Fische leben müssen.

Die meiste Zeit des Jahres verbringen die Fische im Eistadium in den Sedimenten ausgetrockneter Lacken. Sie überleben, weil sich die Eier mit einer schützenden Hülle umgeben. Entwicklung ist darin nicht möglich, dafür kann ihnen Trockenheit nichts anhaben. Fällt dann im Jänner Regen, muss es schnell gehen: Die Lacken füllen sich mit Wasser, doch sie trocknen auch schnell wieder aus, wie die folgende Bilderserie zeigt.

fotos: r. blazek
Die kurze Phase des Regens muss zur Fortpflanzung genützt werden.

Entsprechend schnell reifen die Tiere, um vor dem Vertrocknen der Lacken für Nachwuchs zu sorgen und Eier im immer trüberen Wasser abzulegen:

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Solche Strategien einer langen Embryonalzeit gefolgt von einer extrem kurzen Erwachsenenzeit kennt die Wissenschaft sonst eigentlich nur von Insekten, die mitunter nur ein paar Stunden Zeit haben, sich zu vermehren. Das macht die Süßwasserfische aber natürlich auch als Modellorganismen für die Forschung interessant: Kein anderes Wirbeltier sorgt im Labor in so kurzer Zeit für so viele neue Generationen. (tasch, 8.8.2018)

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