Kärnten: Kraxeln zwischen sanften Kuppen

    10. August 2018, 15:00
    12 Postings

    In den Nockbergen gibt’s allerdings auch rasse Kletterwände.

    Felsklettern in den Kärntner Nockbergen? Das klingt so vielversprechend, wie einen Pudding an die Wand zu nageln. Schließlich dominieren dort sanfte Wiesenkuppen, "Nocke" eben. Der Inbegriff der Harmlosigkeit.

    Wer aufmerksam sucht, findet allerdings auch in den Nockbergen Felsgrate und -wände. Zum Beispiel an der Zunderwand im hintersten Langalmtal, oberhalb von Radenthein. Durch diese schroffe Kalkwand verlaufen sogar etliche Sportkletterrouten.

    Trittsicher und schwindelfrei

    Wer es in punkto Nockberge-Klettern gemäßigter angehen will, verbindet die Zunderwand mit der Überschreitung der beiden Rosennocke. Das ergibt eine großteils einfache Wanderrunde mit gut 1.000 Höhenmetern. Kurz zeigt sie aber die Zähne: Zwischen Großem und Kleinem Rosennock sind – im Auf- und Abstieg – Kletterstellen im ersten Schwierigkeitsgrad zu bewältigen. Klettergurt und Seil werden geübte Berggeher dazu nicht brauchen. Vorsicht, Trittsicherheit und Schwindelfreiheit aber schon.

    Weitere Highlights der Rosennock-Runde: die ungehinderte Aussicht vom Großen Rosennock. Kein Wunder, schließlich ist nur ein Nockberge-Gipfel höher, der Eisenhut im steirischen Anteil der Nockberge – um genau einen Meter. Und so reicht das Rosennock-Panorama von der Hochalmspitze im Norden bis zu den Julischen Alpen in Italien und Slowenien.

    Schweinsbraten und Kaiserschmarren

    Auch der idyllische Nassbodensee, samt Seeungeheuer-Attrappe aus Holz und das futuristische Gipfelkreuz am Predigerstuhl, dem Gipfel der Zunderwand, sind etwas Besonderes, wenngleich nicht jedermanns Geschmack. Und die Hütten am Weg – das Erlacherhaus am Ausgangspunkt und die Erlacher Bockhütte beim Abstieg – lohnen allesamt eine Einkehr.

    Besonders empfehlenswert ist aber ein Stopp beim Heimfahren durchs Langalmtal in der gemütlichen Petodnighütte. Dort werden Almspezialitäten recht unkonventionell serviert: Der Schweinsbraten kommt in der Kehrrichtschaufel daher, der Kaiserschmarren im Einmachglas. (Uwe Grinzinger, 10.8.2018)

    Weitere Outdoor-Tipps:

    Google Maps: Wandern, Radfahren, Schneeschuh- und Skitouren in Österreich

    Service

    karte: der standard

    Ausgangspunkt ist das Erlacherhaus im hintersten Langalmtal. Von hier folgen wir den Wegweisern "Rosennock, Nassbodensee" und wandern auf einer Schotterstraße bis knapp vor die Feldhütte (1.758 m). Nun geht es steiler nach links über die Almböden hinauf, auf einem groben Karrenweg (zwei Mal Abkürzer entlang der rot-weißen Markierung möglich). Auf 1.940 m erreichen wir eine Weggabelung. Schon hier könnte man nach links zum Gr. Rosennock aufsteigen. Wir nehmen aber an der Gabelung den Steig nach rechts und erreichen in Kürze den Nassbodensee (2.029 m). Unmittelbar vor dem See wenden wir uns nach links (Wegweiser "Rosennock") und steigen hinauf zum den breiten Südostrücken. Über ihn gelangen wir zum Gipfelkreuz am Gr. Rosennock (2.440 m).

    Vom Gr. Rosennock steigen wir auf recht guten, aber unmarkierten Steigspuren am Nordrücken ab. Dann klettern wir über kurze Felsstufen, tw. in die linke Flanke ausweichend, hinunter in den Sattel zwischen Gr. und Kl. Rosennock (ca. 2.230 m). Jenseits folgen wir schwachen Steigspuren bergauf, und zwar knapp rechts (östlich) des Südwestrückens des Kl. Rosennock. Bei einem auffälligen Steinmann, vor einem markanten Felsaufschwung, wechseln wir über den Rücken in die Westflanke des Kl. Rosennock. Dort verlieren sich die Steigspuren weitgehend, sodass wir gut auf die Steinmänner achtgeben müssen, die den weiteren Wegverlauf anzeigen.

    Zuerst queren wir etwas in die Westflanke hinein, dann biegen wir scharf nach rechts oben ab. Danach folgen wir einer blockigen Rinne nach links oben. Nach ca. 50 Entfernungsmetern, am Ende der Rinne, wieder rechts hinauf, bis unmittelbar unter den Südwestrücken (Steinmann). Nun queren wir, immer noch unterhalb des Südwestrückens, auf einer felsdurchsetzten Grasrampe ansteigend wieder in die Westflanke hinein. Nach ca. 100 Entfernungsmetern verliert sich die Grasrampe. Nun können wir entlang von Steinmännern nach rechts auf den Südwestrücken hinaussteigen. Ihn erreichen wir bei ca. 2.320 m (zwei Steinmänner). Damit haben wir alle Kletterpassagen hinter uns gebracht. Nun am Rücken unschwierig zum Gipfel des Kl. Rosennock (2.361 m).

    Vom dort einfach, aber weiterhin unmarkiert, am Nordostrücken, dann über die breite Ostflanke hinunter. Wir erreichen den Sattel zwischen Kl. Rosennock und Predigerstuhl (ca. 2.090 m). Von dort über die breite Flanke (tw. Steigspuren, Markierungen und Steinmänner), nahe der Abbruchkante zur Zunderwand, rasch zum Gipfelkreuz am Predigerstuhl (ca. 2.160 m). Dieses steht nicht am höchsten Punkt, sondern ist etwas nach Süden vorgeschoben.

    Vom Kreuz noch ca. 20 Höhenmeter bergauf nach Nordosten, über den nächsten Geländehöcker (große Steinmänner). Vor der nächsten kleinen Kuppe queren wir nach rechts in die Ostflanke. Über sie geht es auf einem Steig in Kehren hinunter, dann über Wiesen hinüber zu einer Wegkreuzung. Dort halten wir uns rechts und steigen ab zur Erlacher Bockhütte (ca. 1.925 m). Von ihr wandern wir auf der Schotterstraße hinunter zum Erlacherhaus. Im unteren Teil kann man dabei weite Straßenkehren über einen unmarkierten Wiesensteig abkürzen.

    Anreise: Mit dem PKW: In Radenthein (beim Gasthof Schusser) abzweigen Richtung Kaning – nach Kaning – entlang der "Erlacherhaus"-Wegweiser bis zum Mautautomat – Schotterstraße ins Langalmtal, bis zum Erlacherhaus (Parkplatz unterhalb der Hütte).

    Mit Öffis: Mit dem "Almexpress"-Wanderbus bis zum Erlacherhaus.

    Anforderungen: Bergwanderung mit kurzen Kletterstellen (Schwierigkeitsgrad I). Trittsicherheit, Schwindelfreiheit und etwas Gespür für die Routenfindung nötig. Durchgehend markiert, ausgenommen vom Gr. Rosennock bis zum Sattel nordwestlich des Predigerstuhls.

    Einkehr: Erlacherhaus (www.erlacherhaus.at), Erlacher Bockhütte (www.langalmtal.at/bockhuette.html), Petodnighütte (www.langalmtal.at/petodnighuette.html)

    Karte: ÖK 1:25.000V Nr. 3106-West; freytag & berndt-Wanderkarte WK221 od. WK222

    Weitere Infos: www.langalmtal.at; www.biosphaerenparknockberge.com

    • Der Große Rosennock bietet ein 360-Grad-Panorama.
      foto: uwe grinzinger

      Der Große Rosennock bietet ein 360-Grad-Panorama.

    • Nicht jedem gefällt das Kreuz am Predigerstuhl.
      foto: uwe grinzinger

      Nicht jedem gefällt das Kreuz am Predigerstuhl.

    • Die Kuh hat keinen Blick für die schroffe Zunderwand im Hintergrund
      foto: uwe grinzinger

      Die Kuh hat keinen Blick für die schroffe Zunderwand im Hintergrund

    • Der Nassbodensee auf halber Höhe zum Großen Rosennock ist der ideale Rastplatz.
      foto: uwe grinzinger

      Der Nassbodensee auf halber Höhe zum Großen Rosennock ist der ideale Rastplatz.

    • Fernsicht bis zum Anschlag am Predigerstuhl; ganz hinten die Julischen Alpen
      foto: uwe grinzinger

      Fernsicht bis zum Anschlag am Predigerstuhl; ganz hinten die Julischen Alpen

    • Am Kleinen Rosennock ist die Kletterei vorbei.
      foto: uwe grinzinger

      Am Kleinen Rosennock ist die Kletterei vorbei.

    • Wer an der Petodnighütte vorbeifährt, ist selbst schuld.
      foto: uwe grinzinger

      Wer an der Petodnighütte vorbeifährt, ist selbst schuld.

    Share if you care.