Ein Fanloblied auf Ed Sheeran: Weniger ist mehr

Video7. August 2018, 15:21
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Der Schmusesänger, der am Dienstag und Mittwoch ausverkaufte Stadionkonzerte gibt, erregt die Gemüter. STANDARD-Wirtschaftsredakteur Jakob Pallinger findet ihn toll

Viel ist es nicht: Ein Mann mit rotem T-Shirt und grauer Jean, nichts anderes als eine Gitarre in der Hand, zwei Mikrofone und ein paar Pedale auf dem Boden. Ed Sheeran braucht keine Band, um tausende seiner Fans in Ekstase zu versetzen, sie zum Lachen oder gleich darauf zum Weinen zu bringen. Eine Gitarre und seine Stimme reichen, um ebenso fetzige wie gefühlsbeladene Nummern zu spielen.

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Ed Sheeran live in Dublin.

Mit einem hochinszenierten Popkonzert einer Helene Fischer oder Taylor Swift hat das wenig zu tun. Muss und soll es auch nicht. Denn ein Konzert definiert sich in seiner Größe nicht durch Lichtershows, Feuerwerke oder eine fünfzehnköpfige Band. Weniger ist bei Ed Sheeran tatsächlich mehr. Nämlich dann, wenn es in der Halle plötzlich ganz ruhig wird. Wenn Ed Sheeran die Gitarre ganz leicht anzuschlagen beginnt und die ersten Sätze von "Give Me Love" durch die Halle schwingen. Viel Text braucht es auch da nicht: "My, my, my, my, oh give me love", singt er, ganz leise, dann immer lauter bis zum Schreien, auf jeden Fall mit viel Gefühl, sodass die Leute in der Halle die Augen schließen, einige Tränen in den Augen haben und mindestens die Hälfte mitsingt.

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Fans finden ihn authentisch

Schon das allein zeigt: Ed Sheerans Musik bewegt die Menschen, bringt viele zum Schmusen, Tanzen oder einfach nur Entspannen. Kein Wunder: Seine Musik begleitet viele seiner Fans seit Jugendtagen. Mit Ed sind sie durchs Leben gegangen, haben mit "The A-Team" die ersten Erfahrungen mit seinen gefühlsstarken Lieder gemacht – ein Lied, in dem er über ein obdachloses Mädchen singt, das als Prostituierte arbeitet, um Geld zu verdienen, und sich in Drogen flüchtet. Der Singer-Songwriter traf das Mädchen in einem Obdachlosenheim und schrieb den Song über sie.

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Ed Sheeran mit "Photograph".

Nicht zuletzt deshalb finden ihn seine Fans authentisch. Es stimmt, Ed Sheeran ist selbst nicht in der Gosse aufgewachsen, macht Musik, seit er sich mit seiner Gitarre für ein paar Münzen auf die Straße gestellt hat. Aber er macht das, weil das sein größtes Talent ist. Und neben so manchem Möchtegern-Gangsterraper von der Straße enthalten seine Lieder weder Hass noch Gewalt, sondern handeln von Jugenderinnerungen, Beziehungen und gescheiterter Liebe. Dass er dabei nicht rein für die Karriere lebt, zeigte sich 2016: Da reiste Ed Sheeran mit seiner Freundin ein Jahr lang um die Welt, fern von dem Trubel des Musikeralltags. Daneben arbeitete er an neuen Songs und kam bald darauf mit Megahits zurück. Das ist Musikmachen. (Jakob Pallinger, 7.8.2018)

  • Bewegt die Gemüter: Ed Sheeran.
    foto: apa/afp/angela weiss

    Bewegt die Gemüter: Ed Sheeran.

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