Ein erster Blick auf Googles Maßnahmen gegen Smartphone-Sucht

    7. August 2018, 12:42
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    Pixel-Besitzer können Beta ab sofort testen – Zeitlimits, Dashboard und Graustufen-Modus

    Als Google vor einigen Monaten die erste Beta von Android 9 präsentierte, rückte man dabei ein Thema besonders in den Mittelpunkt: "Digital Wellbeing". Mit einer Reihe von Maßnahmen will Google künftig die Smartphone-Sucht bekämpfen. Umso enttäuschender ist, dass all dies in der jetzt veröffentlichten, fertigen Version von "Pie" noch nicht enthalten ist. Google vertröstet auf "später dieses Jahr".

    Beta-Test

    Zumindest Besitzer von Googles eigenen Smartphones der Pixel-Reihe müssen sich aber nicht mehr so lange gedulden. Hat doch Google jetzt auch das Beta-Programm für die "Digital Wellbeing"-Funktionen gestartet. Auf einer Webseite können sich Interessierte anmelden, anschließend erhalten sie ein Mail mit einem Link, über den die entsprechende App heruntergeladen werden kann. Voraussetzung ist zusätzlich, dass bereits Android 9 auf dem betreffenden Gerät installiert ist.

    Erster Eindruck

    Auf den ersten Blick präsentiert sich das Ganze bereits überraschend ausgereift, all die von Google versprochenen Features sind also vorhanden und voll funktionstüchtig. Nach der Installation der betreffenden App gibt es eine neue Kategorie in den Systemeinstellungen, über die ein Dashboard aufgerufen werden kann. Dieses bietet einen Überblick über die Zahl der aktuell erhaltenen Benachrichtigungen und der getätigten Entsperrvorgänge. Vor allem aber wird hier aufgeschlüsselt, welche App im Verlaufe des Tages wie lange genutzt wurde.

    screenshots: andreas proschofsky / der standard
    Das Digital Wellbeing Dashboard gibt detaillierten Einblick in die eigene Smartphone-Nutzung.

    Ein Touch auf einen der betreffenden Einträge, liefert dann noch weitere Details: Hier können sich die Nutzer dann haarklein anzeigen lassen, wie viel Zeit sie mit der betreffenden App im Stunden- oder Tagesverlauf verbracht haben. Auch ist es möglich wochenweise in die Vergangenheit zurückzuschauen, um einen direkten Vergleich zu ziehen All das geht übrigens auch, um herauszufinden, wie oft man die App an welchem Tag geöffnet hat, oder wie viel Benachrichtigungen hereingekommen sind.

    Derzeit reicht das diesbezügliche Datenmaterial natürlich noch nicht allzu weit zurück, Google scheint die dafür eingesetzte Infrastruktur erst nach der letzten Beta von Android 9 aktiviert zu haben – am Testgerät finden sich die ersten Einträge jedenfalls am 30. Juli. Und wer am Beta-Prozess nicht teilgenommen hat, beginnt ohnehin erst mit dem Update auf Android 9 bei Null.

    App Timer

    Während das Bisherige unter den Begriff "Transparenz" fällt, bietet Google auch konkrete Handlungsmöglichkeiten. Unter dem Begriff "App Timer" kann für jede App ein beliebiges Tageszeitlimit festgelegt werden. Knapp vor dessen Erreichen gibt es noch eine warnende Benachrichtigung, beim Überschreiten der selbst gesetzten Grenze wird die App hingegen schlicht beendet. Mit einem Hinweisdialog informiert Android dann über den Grund für diese Maßnahme, damit die User nicht glauben, ihre App wäre einfach abgestürzt. Zudem wird anschließend das Icon im Launcher ausgegraut, und das Programm lässt sich für den restlichen Tag nicht mehr starten. Wer die App dann trotzdem dringend braucht, dem bleibt die Möglichkeit, den App Timer einfach zu deaktivieren oder seine Laufzeit zu verlängern.

    screenshots: andreas proschofsky / der standard
    Mit App Timern lässt sich ein zeitliches Limit für einzelne Programme festlegen. Vor deren Ablauf wird zunächst gewarnt, dann ganz blockiert. Auch wird das Icon ausgegraut, um die Sperre zu signalisieren.

    Wind Down

    Der dritte große Bereich nennt sich "Wind Down". Die Nutzer können einen fixen Zeitraum definieren, in dem die Bildschirmdarstellung auf Graustufen beschränkt wird. Grund dafür ist, dass aktuelle Forschung zeigt, dass die bunten Farben von Smartphone-Displays eine Art Suchtfaktor entwickeln, der es schwieriger macht, das Gerät wieder wegzulegen, wenn man es in der Nacht einmal in der Hand hat. Im Test funktioniert dies an sich hervorragend, allerdings mit einem spezifischen Defizit: So lässt sich hier zwar definieren, dass während der "Wind Down"-Periode auch der "Do not Disturb"-Modus aktiviert werden kann. Eine fixe Verschränkung in die andere Richtung – also dass "Wind Down" automatisch mit "Do Not Disturb" aktiviert wird – gibt es hingegen nicht. Dies ist deswegen schade, da "Do not Disturb" über eine Reihe von Regeln automatisch aktiviert und deaktiviert werden kann, während "Wind Down" derzeit nur die Festlegung eines fixen Zeitraums gestattet. Eine Verschränkung dieser Features scheint da langfristig wesentlich logischer, etwa in dem "Wind Down" einfach zu einer Option für "Do Not Disturb" wird.

    All diese Features gibt es derzeit wie gesagt nur für Pixel-Smartphones mit Android 9 – und auch hier nur als Beta. Eine stabile Version davon soll dann in den kommenden Monaten folgen, wobei dann als erstes wieder nur Pixel-Geräte an der Reihe sind, gefolgt von Smartphones mit Android One. Ob andere Hersteller dieses Feature ebenfalls übernehmen – oder Google es diesen überhaupt anbietet – ist derzeit hingegen noch unklar. (Andreas Proschofsky, 7.8.2018)

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