90 Jahre Gorki-Park: Moskau feiert seine Oase

    8. August 2018, 06:00
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    Der weltbekannte Park ist die bunte Oase der stressigen Hauptstadt. Zum Jubiläum wird mit einem aufwendigen Festival gefeiert.

    Moskau – Einmal am Fluss Moskwa entlang, schon ist man im Gorki-Park. Wer den Liedzeilen des Scorpions-Klassikers "Wind of Change" in der russischen Hauptstadt Moskau folgt, muss sich heutzutage an vielen Hipstern, Sportlern und Touristen vorbeidrängen. Dem einst verrosteten Park im Zentrum der Metropole ist in den vergangenen Jahren selbst ein ordentlicher Wind der Veränderung eingehaucht worden.

    Seitdem gilt die weltbekannte Erholungsoase den Moskauern fast als ein Heiligtum, vor allem am Wochenende. Grün ist mitten in der Stadt spärlich gesät. Auch den Gorki-Park begrenzt eine mehrspurige Autobahn, am anderen Flussufer steht der klobige Sowjetbau des Verteidigungsministeriums. Doch jährlich entspannen hier 26 Millionen Menschen – seit 90 Jahren ist das schon möglich. Die Grünanlage wurde am 12. August 1928 für das Volk geöffnet, kurz darauf nach dem sowjetischen Schriftsteller Maxim Gorki benannt.

    Sozialistischer Vergnügungspark

    Doch als grüne Lunge für die von stundenlangen Staus geplagte Stadt war der 1,2 Quadratkilometer große "Kultur- und Erholungspark" nie in erster Linie vorgesehen. Zu Zeiten des Sowjet-Diktators Josef Stalin war der Gorki-Park ein sozialistischer Vergnügungspark. 1955 baute man ein markantes, riesiges Eingangsportal, das an das Brandenburger Tor in Berlin erinnert. In den 1990er-Jahren fiel die Entspannung im Gorki-Park immer schwerer: laute Musik, lärmende Vergnügungseinrichtungen und eine veraltete Geisterbahn dominierten das Bild.

    Der Park habe aber in den vergangenen Jahren eine Metamorphose durchgemacht, sagt die Parkdirektorin, Marina Ljultschuk. 2012 wurde der zum Teil staatlich finanzierte Park von altem Rost befreit. Der damals neue Bürgermeister Sergej Sobjanin ordnete einen Entwicklungsschub an.

    Alter Charme, neues Gewand

    Heute prägen übergroße Sitzkissen im Gras, Sportaktionen und kostenfreies W-LAN das Bild. Der Park ist zum Treffpunkt der schicken Moskauer Mittelschicht geworden. Das Museum Garage lockt Freunde internationaler moderner Kunst an.

    "Alles ist inzwischen modern. Wir machen aber auch viel, damit der alte Charme nicht verloren geht", sagt Ljultschuk. Alte Gebäude und eine Tanzfläche direkt am Flussufer sind erhalten geblieben. Meterhohe Fontänen tanzen manchmal zu Sowjetklängen, die aus einem Lautsprecher kommen. Denkmäler zieren die Kreuzungen im Park, Eisbuden bieten das typisch sozialistische Milcheis "Plombir" an.

    Modernes Image

    "Wir haben uns damals darauf geeinigt, dass der Park auf keinen Fall zu kommerziell werden soll", sagt die Direktorin. "Sauber und gemütlich – das ist unsere Maxime." Die Parkleitung wolle ein modernes Image transportieren, ohne die Geschichte des Parks außer Acht zu lassen. "Das macht den Park einzigartig."

    Dabei war die Modernisierung der Anlage nur Ausgangspunkt eines Renovierungsreigens, der seitdem die ganze Stadt erfassen sollte – aber nur zum Teil umgesetzt wurde. Hunderte Kilometer Fahrradwege versprach Sobjanin seinen Bürgern, bisher gibt es nur einige wenige. Millionen wurden hingegen 2017 in das Prestigeprojekt des Kremls gepumpt, den idyllischen und modernen Park Sarjadje nahe dem Roten Platz. Gleichzeitig kalkuliert Moskau knapp bei Sozialem, Gesundheit und Wohnungsbau.

    Spielball der Politik

    In rund einem Monat findet in Moskau die nächste Bürgermeisterwahl statt. Knapp 7,4 Millionen Bewohner sind zur Stimmabgabe aufgerufen. Wahlhilfe bekommt Sobjanin, der sein Amt wohl behalten wird, von Staatschef Wladimir Putin. "Heute sehen wir, dass Moskau die Mode vorgibt: in Qualität und Komfort. Die Stadt setzt Standards für die Entwicklung moderner Metropolen", lobte er vor kurzen seinen Statthalter.

    Sobjanins Aushängeschild bekommt deshalb zum 90-jährigen Jubiläum auch ein aufwendiges, mehrtägiges Festival inklusive einer Parade und eigener Ausstellung. Der Gorki-Park ist zwar ein moderner Freizeitort geworden, aber er ist auch Spielball der großen Politik. (APA, dpa, Claudia Thaler, 8.8.2018)

    • Gorki-Park: Die Grünanlage wurde am 12. August 1928 für das Volk geöffnet, kurz darauf nach dem sowjetischen Schriftsteller Maxim Gorki benannt. Die weltbekannte Erholungsoase gilt den Moskauern heute fast als ein Heiligtum, vor allem am Wochenende.
      foto: apa/afp/mladen antonov

      Gorki-Park: Die Grünanlage wurde am 12. August 1928 für das Volk geöffnet, kurz darauf nach dem sowjetischen Schriftsteller Maxim Gorki benannt. Die weltbekannte Erholungsoase gilt den Moskauern heute fast als ein Heiligtum, vor allem am Wochenende.

    • 1955 baute man ein markantes, riesiges Eingangsportal, das an das Brandenburger Tor in Berlin erinnert. Auf diesem Foto im Hintergrund zu sehen.
      foto: ap/thanassis stavrakis

      1955 baute man ein markantes, riesiges Eingangsportal, das an das Brandenburger Tor in Berlin erinnert. Auf diesem Foto im Hintergrund zu sehen.

    • Jährlich entspannen sich hier 26 Millionen Menschen – seit 90 Jahren ist das schon möglich.
      foto: reuters/marcos brindicci

      Jährlich entspannen sich hier 26 Millionen Menschen – seit 90 Jahren ist das schon möglich.

    • Übergroße Sitzkissen im Gras, Sportaktionen und kostenfreies W-LAN prägen das Bild. Der Park ist zum Treffpunkt der schicken Moskauer Mittelschicht geworden.
      foto: apa/afp/mladen antonov

      Übergroße Sitzkissen im Gras, Sportaktionen und kostenfreies W-LAN prägen das Bild. Der Park ist zum Treffpunkt der schicken Moskauer Mittelschicht geworden.

    • Den Gorki-Park begrenzt eine mehrspurige Autobahn, am anderen Flussufer steht der klobige Sowjetbau des Verteidigungsministeriums (im Hintergrund).
      foto: ap/rebecca blackwell

      Den Gorki-Park begrenzt eine mehrspurige Autobahn, am anderen Flussufer steht der klobige Sowjetbau des Verteidigungsministeriums (im Hintergrund).

    • Meterhohe Wasserfontänen tanzen manchmal zu Sowjetklängen, die aus einem Lautsprecher kommen.
      foto: ap/frank augstein

      Meterhohe Wasserfontänen tanzen manchmal zu Sowjetklängen, die aus einem Lautsprecher kommen.

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