Professoren sehen Bologna-Prozess an Unis kritisch

    3. August 2018, 15:00
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    Mehr Bürokratie statt kürzerer Studiendauer und rascherem Eintritt in Arbeitsmarkt – Zumindest Mobilität erleichtert

    Wien – Überwiegend kritisch bewerten die Uni-Professoren den Bologna-Prozess. Knapp drei Viertel bemängelten in einer Umfrage eine Zunahme der Bürokratie, knapp zwei Drittel orteten eine erhöhte Prüfungsbelastung für Studenten und Uni-Lehrer. Dagegen sahen nur 37 Prozent eine Verringerung der durchschnittlichen Studiendauer und 31 Prozent einen früheren Eintritt der Studenten in den Arbeitsmarkt.

    An der Studie des Verbands der Professorinnen und Professoren (UPV) haben Ende Dezember 645 der knapp 2.100 Professoren an den wissenschaftlichen Unis teilgenommen. Der 1999 gestartete "Bologna-Prozess" hat die Schaffung eines europäischen Hochschulraums zum Ziel. Festgehalten wurde etwa zunächst die Schaffung eines zunächst zweistufigen Systems von Studienabschlüssen (Bachelor/Master), später wurde auch die Doktorandenausbildung (Doktor/PhD) mit einbezogen. Ebenfalls festgeschrieben wurde die Einführung eines Leistungspunktesystems nach dem European Credit Transfer System (ECTS) als einheitliches Anrechnungssystem für Leistungen von Studenten.

    Skeptische Bewertung

    Lediglich zehn Prozent der Professoren sind der Ansicht, dass die Studenten durch den Bologna-Prozess selbstständiger wurden. Nur 15 Prozent sahen dadurch eine Vertiefung und Vernetzung von Lehrinhalten, rund ein Drittel eine Erweiterung des Lehrangebots. Besser bewerteten die Professoren dagegen die Auswirkungen auf die Mobilität der Studenten: Für 52 Prozent wurde durch Bologna die Vergleichbarkeit und Anerkennung von Studiengängen an anderen Hochschulen verbessert, jeweils 57 Prozent sahen Erleichterungen beim Wechsel des Studienortes sowie bei Auslandsaufenthalten.

    "Die Ziele und Intentionen des Bologna-Prozesses sind ohne Zweifel zu unterstützen", betonten UPV-Vorsitzender Bernhard Keppler und seine Stellvertreterin Christiane Spiel in einer Aussendung. "Aber die Umsetzung, bei der Geschwindigkeit und Kostenneutralität zulasten der Qualität im Vordergrund standen, ist nicht ausreichend gelungen. (APA, 3.8.2018)

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