Von der Anwältin zur Tortendesignerin

    6. August 2018, 11:58
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    Nach der Anwaltsprüfung machte Andrea Streitwieser den Konditormeister. Nun ist sie als Cake-Designerin selbstständig

    Andrea Streitwieser ist ein Energiebündel, wirkt immer gutgelaunt und spricht schnell und voller Begeisterung von ihren Sweet Tables, Torten und Cake-Pops. Die Konditormeisterin hat sich mit ihrem Unternehmen Cake Couture über Salzburg hinaus einen Namen in der Branche gemacht. Drei Preise bei den Austrian Wedding Awards in Folge und Buchungen für Hochzeitstorten bis ins Jahr 2020 zeugen davon. Ihre Spezialität sind sogenannte Sweet Tables, in Amerika auch Candy-Bars genannt. Eine Torte und einige dazupassende und farblich abgestimmte Süßigkeiten wie kleine Eclairs, Cupcakes oder Macarons werden zusammen mit Dekoration auf einem Tisch drapiert.

    Seit vier Jahren ist Andrea Streitwieser selbstständige Cake-Designerin. Sie ist Quereinsteigerin, zuvor war sie Anwältin. "Ich bin da absolut hineingerutscht", sagt die 36-Jährige. Nach dem Gymnasium hat sie fünf Jahre Jus studiert, arbeitete ein Jahr bei einem Steuerberater, bevor sie das Gerichtsjahr absolvierte. Vier Jahre war sie als Konzipientin in einer Anwaltskanzlei mit Schwerpunkt Wirtschafts- und Strafrecht tätig. "Ich habe richtig gern verhandelt und war mit Leib uns Seele Anwältin", sagt Streitwieser. Die Anwaltsprüfung bestand die Salzburgerin mit Auszeichnung.

    Gerne Kuchen gebacken

    Nebenbei habe sie immer schon Geburtstagskuchen und Hochzeitstorten für Freunde und Verwandte gebacken. "Seit ich sechs Jahre alt bin, habe ich wahnsinnig gern Kuchen gebacken", sagt die Jungunternehmerin. Nach der Anwaltsprüfung hat sie beschlossen, die Konditorprüfung zu machen. "Das habe ich in vier Monaten durchgezogen. Die Anwaltsprüfung war echt ein Klacks dagegen." Besonders die Praxis sei eine Herausforderung gewesen. "Die Leute, die dort zur Prüfung antreten, machen das normal schon fünf Jahre beruflich." Sie hat sich die Fertigkeiten selbst beigebracht und die Prüfung bestanden.

    Der Schritt in die Selbstständigkeit war ein bewusster. "Da muss man sich einfach hineinhängen und hackeln", betont Streitwieser. Danach ging es Schlag auf Schlag. Bereits im ersten Jahr ihrer Selbstständigkeit gewann die Salzburgerin ihren ersten Hochzeitsaward für einen Sweet Table. Das Jahr darauf erhielt sie den Salzburger Handwerkspreis. Mittlerweile hat die Konditormeisterin zwei fix angestellte Mitarbeiterinnen. Dieser Weg war harte Arbeit. "Ich bin immer fröhlich, deshalb glaubt keiner, wie hart ich zu mir selbst sein kann", sagt Streitwieser. Sie hat keine Scheu, Neues auszuprobieren. "Ich mache Dinge so lange, bis ich sie perfekt kann, dann bring ich es anderen bei."

    Dementsprechend gibt sie ihre Backkenntnisse auch weiter. In Kursen zeigt sie Interessierten, wie man ihre süßen Kreationen zu Hause nachbacken kann. Vor zwei Jahren ist ein Verlag an die Konditormeisterin herangetreten. 2017 hat sie ihr erstes Kochbuch veröffentlicht, ein zweites ist in Arbeit.

    Kleine Konditorei

    Die quirlige Zuckerbäckerin hat bereits einen neuen Plan für ihr Unternehmen. Noch dieses Jahr will wie zusammen mit einer Partnerin, die im Dekorationsbereich tätig ist, eine kleine Konditorei mit Shop im Salzburger Andräviertel eröffnen. Neben kleinen, süßen Leckereien wie bunten Macarons, Cake-Pops und Torteletts zum Dort-Essen sollen damit kombiniert auch Dekorationen angeboten werden. "Es hat sich herauskristallisiert, dass es dafür einen Bedarf gibt", sagt die Unternehmerin. (Stefanie Ruep, 6.8.2018)

    • Andrea Streitwieser (36) gestaltet nun Torten, anstatt bei Gericht zu verhandeln.
      foto: peachesandmint

      Andrea Streitwieser (36) gestaltet nun Torten, anstatt bei Gericht zu verhandeln.

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