Wissenschafter stößt auf "Pyjama-Party" hunderter Motten

    Video5. August 2018, 13:50
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    US-Forscher über noch nie beobachtetes Verhalten verblüfft

    Gainesville – Das, worauf der US-amerikanische Schmetterlingsforscher Andrei Sourakov in Florida durch eine Zufallsbeobachtung stieß, schien zunächst ein kurioser Einzelfall zu sein. Inzwischen muss man feststellen, dass es sich wohl um ein regelmäßig vorkommendes Phänomen handelt, das bislang bloß niemand kannte: Nachtaktive Motten – anders als Ameisen oder Bienen eigentlich notorische Einzelgänger – finden sich zum Schlafen offenbar gerne zu großen Gemeinschaften zusammen. Das Florida Museum of Natural History spricht von "Pyjama-Partys".

    florida museum

    2010 entdeckte Sourakov eine kleine Gruppe von Motten aus der Gattung Idia, die den Tag im ausgehöhlten Stamm eines Amberbaums verschliefen. Lange Zeit fand der Forscher nichts Vergleichbares – bis er vor einem Jahr im Stamm einer Sichelblättrigen Eiche eine Versammlung von etwa 100 Motten vorfand. Als er diesen Stamm heuer wieder besuchte, fand er darin eine etwa 400-köpfige Mottenschar. Und vor kurzem machte er auf dem Campus seiner Universität einen weiteren Baum voller Schläfer ausfindig.

    Die Motten hatten in der Aushöhlung allesamt die gleiche Ausrichtung: hin zum Wipfel des Baums, weg vom Licht. Sie ruhten mit leichtem Abstand zueinander, Männchen und Weibchen bunt gemischt – Larven waren nirgendwo zu sehen. "Das ist völlig neu", kommentierte Sourakov seinen Fund. Unter Schmetterlingen und Motten gibt es nur wenige Beispiele für Gruppenbildung – das bekannteste und am besten dokumentierte sind die riesigen Ansammlungen, die Monarchfalter bilden können. Das Verhalten der Idia-Motten ist hingegen noch nie beobachtet worden.

    Mögliche Gründe

    Sourakov vermutet, dass die Tiere durch Pheromone zusammenfinden, auch wenn diese anscheinend nicht zu Fortpflanzungszwecken abgesondert werden: Wie bei einer wohlgesitteten Pyjama-Party konnte der Biologe in der gemischtgeschlechtlichen Schar der Schlafenden nämlich nirgendwo eine Paarung feststellen.

    Ursache für das Verhalten der Motten dürfte laut dem Forscher das in der Natur vielfach angewandte "Safety in numbers"-Konzept sein: Große Kongregationen bieten Schutz gegen Räuber – im konkreten Fall Spinnen, die ihre Netze in den Baumhöhlen bauen. Sicherheit bedeutet freilich nicht Schutz jedes Individuums; die Spinnen machen sehr wohl Beute, auch wenn sie ihre Netze ständig reparieren müssen, weil diese von den Aktivitäten so vieler Motten immer wieder zerrissen werden. Aber als Spezies sind die Motten auf diese Weise tatsächlich sicher, weil die Verluste durch Spinnen nur eine minimale Delle in der Gesamtpopulation ausmachen. (red, 5. 8. 2018)

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