Warum Vitamin D wichtig ist

    31. Juli 2018, 07:00
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    Grazer Forscher plädiert für Anreicherung von Lebensmittel mit Vitamin D – ein Mangel ist für zahlreiche Gesundheitsrisiken verantwortlich

    Es ist eines jener Vitamine, die der Körper in nur sehr geringem Maße selbst bilden kann. Vitamin D ist im Körper beispielsweise für einen gut funktionierenden Kalziumhaushalt, das Immunsystem oder auch das Hormonsystem verantwortlich. Daher ist ein ausgewogener Vitamin-D Spiegel für die Gesundheit sehr wichtig.

    Da Vitamin-D auf Grund der geringen Konzentration nur in sehr kleinen Teilen über die Nahrung aufgenommen werden kann (ca. 20 Prozent) – hier vor allem in Form von Fettfischen, Milchprodukten und Speisepilzen – spielt die körpereigene Produktion von Vitamin-D über eine chemische Hautreaktion eine sehr wichtige Rolle. "Rund 80 Prozent des Bedarfs an Vitamin-D werden mit Hilfe von UV-B Strahlung vom Körper selbst gebildet", erklärt Stefan Pilz von der Klinischen Abteilung für Endokrinologie und Diabetologie der Med-Uni Graz.

    Breiter Mangel

    Tatsache ist, dass ein Vitamin-D Mangel ein über alle Bevölkerungsgruppen sehr häufig zu beobachtendes Phänomen darstellt. "Unser Lebensstil, der mit einer sehr geringen Sonnenlichtexposition einhergeht, ist hauptverantwortlich für diesen mitunter sehr gefährlichen Mangel", so Stefan Pilz.

    Neben Erkrankungen der Knochen und der Muskulatur auf Grund eines durch Vitamin-D Mangel verursachten Ungleichgewicht im Kalziumhaushalt, können auch vermehrt auftretende Infekte und Schwangerschaftskomplikationen bzw. bei sehr immunschwachen Personen Todesfolgen auf einen Vitamin-D Mangel zurückgeführt werden. "Das Vitamin-D wirkt ähnlich wie Schilddrüsen- und Sexualhormone bzw. Steroidhormone im gesamten Körper und steuert dort viele Gene", beschreibt Stefan Pilz. Daher ist ein ausgewogener Vitamin-D Haushalt auch besonders wichtig.

    Anreicherung von Lebensmitteln

    In einigen Ländern, wie beispielsweise den USA, Kanada, Indien oder Finnland, wurde eine systematische Anreicherung von verschiedenen Lebensmitteln mit Vitamin-D eingeführt, um dem gefährlichen Mangel zu begegnen. Basierend auf neuesten Erkenntnissen zur Wirksamkeit und besonders auch Sicherheit einer Vitamin-D Zufuhr hat Stefan Pilz gemeinsam mit vielen der weltweit führenden Vitamin-D ForscherInnen ein sogenanntes "Guidance Paper" im Journal "Frontiers in Endocrinology" veröffentlicht. In dieser Publikation werden die wissenschaftlich hinterlegten Motive für eine Vitamin-D Anreicherung in der Nahrungsmittelindustrie dargelegt und es werden vor allem konkrete Vorschläge bzw. Szenarien für eine Umsetzung dieser gesundheitspolitischen Maßnahme skizziert.

    Eine Reihe der Publikationen, welche die wissenschaftliche Grundlage für die Anreicherung von Nahrungsmitteln mit Vitamin-D darstellen, sind im Rahmen des EU-Projekts ODIN – Food-based solutions for optimal vitamin D nutrition and health through the life cycle – entstanden.

    Pionier Finnland

    Innerhalb der Europäischen Union hat Finnland bereits vor einigen Jahren begonnen systematisch Milchprodukte mit Vitamin-D anzureichern. "Diese von der Politik initiierte Intervention war nicht nur sicher und gut akzeptiert, sondern führte auch dazu, dass es in der finnischen Bevölkerung nahezu keine Menschen mehr gibt, welche einen Vitamin-D Mangel mit Werten des 25-Hydroxyvitamin D unter 12 ng/mL (30 nmol/L) haben", fasst Stefan Pilz zusammen. "In Ländern wie Österreich und Deutschland ist eine Vitamin-D Anreicherung in Nahrungsmitteln wie in Finnland eine für mich notwendige und geeignete Maßnahme, um vielen Menschen die negativen gesundheitlichen Folgen eins Vitamin-D Mangels zu ersparen", so der Forscher weiter.

    "Länder wie die USA führen eine Vitamin-D Anreicherung in Nahrungsmitteln nicht nur wegen der Verbesserung der Volksgesundheit durch, sondern auch weil sich dadurch im Sinne der Kosteneffektivität Einsparungen im Gesundheitssystem ergeben," so Pilz. Er hofft, dass dies auch in Österreich der Fall sein wird. (red, 31.7.2018)

    • Fetter Fisch, Pilze, Eier und Milch: Nur 20 Prozent des Vitamin D-Bedarfs kann durch die Ernährung gedeckt werden. Nicht genug: Grazer Forscher wollen Lebensmittel anreichern.

      Fetter Fisch, Pilze, Eier und Milch: Nur 20 Prozent des Vitamin D-Bedarfs kann durch die Ernährung gedeckt werden. Nicht genug: Grazer Forscher wollen Lebensmittel anreichern.

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