Suchtmittelbericht: Mehr Kontrollen, mehr Anzeigen, mehr Darknet

    29. Juli 2018, 13:03
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    Bei Ecstasy gab es 2017 einen enormen Anstieg – das Resultat eines Großaufgriffs in Wels. Innenminister Kickl sieht die Deliktzahlen als "alarmierend", Kontrollen seien daher dringend nötig

    Wien – Die Zahl der Anzeigen nach dem Suchtmittelgesetz (SMG) ist 2017 um mehr als 6.300 Anzeigen auf 42.610 gestiegen. Das gab das Bundeskriminalamt (BKA) am Sonntag in einer Aussendung bekannt. Zurückzuführen ist die Zunahme demnach durch neuerlich verstärkte Kontrollen sowie durch steigende Umsätze im Darknet. Die am häufigsten konsumierte illegale Droge ist nach wie vor Cannabis.

    Die Polizei stellte im vergangenen Jahr 1.659 Kilo Cannabisprodukte, rund 70 Kilogramm Heroin, 71,4 Kilo Kokain, 446.465 Stück Ecstasy, 50,3 Kilo Amphetamine und fünf Kilo Methamphetamin sowie 633,5 Kilo Kath sicher. Zum Vergleich: 2016 waren 87 Kilo Kokain, 69 Kilo Heroin, mehr als eine Tonne Cannabisprodukte, 30.000 Stück Ecstasy und 88 Kilo Amphetamine beschlagnahmt worden. Der enorme Anstieg bei Ecstasy resultiert aus einem Großaufgriff im Herbst 2017: In einem Lkw, der von den Niederlanden mit Ziel Türkei unterwegs war, wurden am Terminal Wels 404.900 Ecstasy-Tabletten gefunden.

    Kickl: Kontrollschwerpunkt nötig

    "Die Deliktzahlen sind alarmierend und der Ermittlungs- und Kontrollschwerpunkt der Polizei in diesem Bereich ist daher dringend nötig", wurde Innenminister Herbert Kickl (FPÖ) in der Aussendung des BKA zitiert. Mit der am 1. Juni 2016 in Kraft getretenen Novelle zum SMG wurde das polizeiliche Vorgehen gegen Dealen im öffentlichen Raum erleichtert. Schwerpunktaktionen gegen Drogenhändler in Graz, Bregenz und Innsbruck werden laut BKA heuer fortgesetzt.

    Ungefähr die Hälfte der nach dem SMG angezeigten schweren Delikte wurden den Angaben zufolge von nicht-österreichischen Verdächtigen begangen, hieß es in der Aussendung. Einen massiven Anstieg bei den Verdächtigen gab es laut BKA bei Afghanen: Deren Anzahl erhöhte sich im Jahresvergleich von 1.103 auf 2.025 Personen. 2017 erfolgten 25.043 Anzeigen gegen inländische und 14.612 Anzeigen gegen fremde Tatverdächtige wegen strafbarer Handlungen nach dem SMG. Der Österreicher-Anteil entspricht damit 63,2 Prozent, wie aus dem Suchtmittelbericht hervorgeht.

    Herausforderung Darknet

    Als große Herausforderung sieht die Polizei einen starken Anstieg von im Darknet verkauften und mittels Briefen sowie Paketen zugestellten illegalen Suchtmitteln. Bestellt und verschickt würden vor allem synthetische Suchtgifte. "Besonders gefordert ist somit eine verstärkte, koordinierte und international abgestimmte Ermittlungsarbeit, die derzeit im Büro für Suchtmittelkriminalität im Bundeskriminalamt in enger Kooperation mit den Zollbehörden und der Polizei am Flughafen Wien-Schwechat umgesetzt wird", hieß es in der Aussendung.

    Die Ermittlungen seien schwierig, da von der Kontaktaufnahme über die Verkaufsverhandlungen bis zur Bezahlung der gesamte Ein- und Verkauf über verschlüsselte Netzwerke abgewickelt wird. Dennoch zeige sich, dass der Online-Drogenhandel den Straßenhandel nicht verdrängt. Vielmehr werde der Handel auf Online-Plattformen genützt, um illegale Suchtmittel höherer Qualität zu erwerben und auf der Straße weiter zu verkaufen. Somit erfolgt durch den Internethandel eine Ergänzung des klassischen Straßenhandels. (APA, 29.7.2018)

    • Am Zoll in Köln sichergestellte Ecstasy-Tabletten. In Österreich sorgte ein großer Fund solcher Tabletten in Wels für einen enormen Anstieg von sichergestelltem Ecstasy, steht im Suchtmittelbericht 2017.
      foto: apa/dpa/oliver berg

      Am Zoll in Köln sichergestellte Ecstasy-Tabletten. In Österreich sorgte ein großer Fund solcher Tabletten in Wels für einen enormen Anstieg von sichergestelltem Ecstasy, steht im Suchtmittelbericht 2017.

    • Cannabis liegt bei den sichergestellten illegalen Suchtmitteln nach wie vor ganz vorne.
      grafik: apa

      Cannabis liegt bei den sichergestellten illegalen Suchtmitteln nach wie vor ganz vorne.

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