Bogner-Strauß verteidigt Förderkürzungen für Frauenvereine

    28. Juli 2018, 21:06
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    ÖVP-Ministerin verweist auf Fokus auf Gewaltschutz

    Wien – Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) verteidigte die zuletzt von Frauenorganisationen und SPÖ heftig kritisierten Förderkürzungen (Der Standard berichtete). Es gebe einen Fokus auf den Gewaltschutz, verwies sie im Ö1-"Mittagsjournal" auf entsprechende Umschichtungen in Höhe von 200.000 Euro.

    Die Ressortchefin wehrte sich gegen Kritik an ihrem Budget. Dieses sei seit 2009 unverändert und auch ihre SPÖ-Vorgängerin habe es nicht geschafft, es anzuheben, stellte Bogner-Strauß fest. Fördergelder sollten außerdem in Relation zur Leistung vergeben werden, betonte sie mit Verweis auf den Klagsverband. Dieser unterstütze Diskriminierungsopfer rechtlich und habe in den vergangenen Jahren immer an die 150.000 Euro vom Sozialministerium und dem Frauenressort bekommen – unabhängig von der Zahl der Prozessbegleitungen, merkte Bogner-Strauß an: "Im letzten Jahr waren es sage und schreibe drei Prozessbegleitungen und in etwa alle vier Tage eine Rechtsauskunft."

    Nun habe es eine "geringfügige" Umschichtung in Richtung Gewaltschutz gegeben, erklärte die Ministerin.

    Kritik von Liste Pilz und SPÖ

    Maria Stern von der Liste Pilz erklärte gegenüber dem Standard, die Frauenministerin beweise mit dieser Aussage, dass sie "wenig Ahnung von Frauenpolitik" habe und bot ihr einen "kleinen Crashkurs" an: "2012 initiierte die New Yorker Künstlerin Eve Ensler erstmals die Kampagne "One Billion Rising" – eine Milliarde erhebt sich. Seither gehen am Valentinstag auf jedem Kontinent Millionen Menschen auf die Straße, um tanzend auf genderbasierte Gewalt aufmerksam zu machen, von der weltweit jede dritte Frau betroffen ist, und dagegen zu protestieren.

    Häusliche Gewalt ist unsichtbar und, wie jedes Tabuthema, körperbezogen. Missachtung und Verletzung des Körpers bis hin zu seiner Zerstörung sind ebenso akut wie die Verdrängung der Übergriffe, um zu überleben. Tanzen ist der Kontrapunkt. Tanzen macht sichtbar, gibt Kraft, zentriert, erinnert. Tanzen befreit aus der Isolation und kann kulturellen Wandel bewirken. Das ist hoch politisch. Darum ist "One Billion Rising" so stark und kann als globale, tanzende Revolution mindestens so viel bewirken, wie eine Taskforce, die in zwei Jahren erste Ergebnisse liefern wird", so Stern.

    SPÖ-Bundesfrauengeschäftsführerin Andrea Brunner erklärte, Ministerin Bogner-Strauß sei "nur zynisch. Sie verunglimpft Vereine, die für Information und Aufklärung zu Gewaltschutz stehen als 'nur getanzter Protest´. Und vor allem nimmt sie Frauenorganisationen ihre Existenzgrundlage", teilte sie in einer Aussendung mit. (red, APA, 28. 07. 2018)

    • Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) spricht von einer "geringfügigen" Umschichtung.
      foto: apa/hochmuth

      Frauenministerin Juliane Bogner-Strauß (ÖVP) spricht von einer "geringfügigen" Umschichtung.

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