Nicaragua: Bruder des Präsidenten fordert Entwaffnung der Paramilitärs

    28. Juli 2018, 13:39
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    Laut Umberto Ortega könne die Regierung irregulär Bewaffnete nicht zulassen oder sogar für rechtmäßig erklären

    Mangua – In der politischen Krise in Nicaragua hat der Bruder von Präsident Daniel Ortega eine Entwaffnung der paramilitärischen Gruppen verlangt. Diese hätten "Terror und Tod" in dem mittelamerikanischen Land verursacht, sagte Humberto Ortega am Freitagabend (Ortszeit) dem US-Fernsehsender CNN.

    Bei den seit April andauernden Protesten gegen Präsident Ortega kamen nach Angaben einer Menschenrechtsorganisation bisher 448 Menschen ums Leben, die meisten von ihnen Zivilisten. Die Krise werde sich nur mit Dialog lösen, sagte Ortega weiter. Mit seinem Bruder Daniel war er 1979 am Sturz des damaligen Diktators Anastasio Somoza beteiligt gewesen.

    UN-Kritik an Gruppen

    Auch Vertreter der US-Regierung sowie der Vereinten Nationen hatten kürzlich die tödlichen Zusammenstöße zwischen Regierungskräften und Demonstranten scharf kritisiert und dabei auch den Einsatz regierungsnaher, paramilitärischer Gruppen verurteilt. "Die Regierung kann irregulär Bewaffnete nicht zulassen oder gar für rechtmäßig erklären", sagte Ortega, der von 1979 bis 1995 Chef der Streitkräfte gewesen war. Nur das Militär und die nationale Polizei seien von der Verfassung her als bewaffnete Institutionen erlaubt.

    Die Proteste ausgelöst hatte eine umstrittene Sozialreform Mitte April, die die Regierung schließlich zurückzog. Doch die Demonstranten fordern längst ein Ende von Repressionen und einen Rücktritt des einstigen Revolutionärs, der als Präsident das Land zusammen mit seiner ebenfalls kritisierten Frau, Vizepräsidentin Rosario Murillo, autoritär regiert. Dass sein Bruder mit Diktator Somoza verglichen werde, störe ihn nicht und tue ihm auch nicht weh, sagte Humberto Ortega weiter. "Daniel stellt nicht zwangsläufig die revolutionäre Bewegung dar, die wir in den 1980er-Jahren waren." (APA, 28.7.2018)

    • Mehr als 448 Menschen kamen bei Zusammenstößen mit der Polizei und Paramilitärs bisher ums Leben.
      foto: apa/afp/marvin recinos

      Mehr als 448 Menschen kamen bei Zusammenstößen mit der Polizei und Paramilitärs bisher ums Leben.

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