Von den Folgen des Sparens bei Frauenprojekten

    27. Juli 2018, 07:00
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    Die Kürzungen haben dramatische Konsequenzen und führen etwa dazu, dass in Frauenhäusern Sekretärinnen vielleicht nicht mehr bezahlt werden können

    Wien – Die Förderkürzungen des Frauenministeriums (DER STANDARD berichtete) erschweren die Arbeit etlicher frauenberatender und feministischer Projekte. Was das im konkreten Fall heißt, zeigt sich anhand der "Ringvorlesung gegen Gewalt": einer seit 2009 von den autonomen Frauenhäusern (AÖF) mit dem Zentrum für Gerichtsmedizin der medizinischen Universität Wien – und seit 2016 zusätzlich von der Volksanwaltschaft – organisierten interdisziplinären Veranstaltungsserie.

    Bis 2017 erhielt der Verein AÖF für die Programmgestaltung der drei Wochen langen Vortragsreihe, die von Med-Uni-Studierenden mit einer Prüfung abgeschlossen werden kann, vom Frauenministerium 6.000 Euro: "Damit haben wir eine Arbeitskraft anteilig für die Organisation und die Referenten bezahlt, pro Vortrag mit 150 Euro", erläutert AÖF-Geschäftsführerin Maria Rösslhumer.

    Dieses Geld gibt es heuer nicht mehr. Ein Antrag sei angesichts der geplanten Einsparungen sinnlos, habe die zuständige Ministerialbeamtin dem AÖF bereits vergangenen Herbst mitgeteilt, sagt Rösslhumer. Bei der heurigen, vom 26. November bis 13. Dezember stattfindenden Ringvorlesung müssen die Vortragenden also auf Bezahlung verzichten – "es sei denn, es gelingt, Geld per Fundraising zusammenzubekommen".

    Anfrage von Maria Stern

    Auf scharfe Kritik stößt dieser Umstand bei Maria Stern, Frauensprecherin und ab 20. August Parteichefin bei der Liste Pilz. In einer dem STANDARD vorliegenden parlamentarischen Anfrage schreibt sie von einem "eindeutig falschen Signal". Die Ringvorlesung löse die Empfehlung für effektiveren Gewaltschutz ein, verstärkt auch mit dem Gesundheitswesen zu kooperieren. Die dort Arbeitenden seien "oftmals die Ersten, die Kontakt mit den Opfern haben und Übergriffe erkennen können". "Welche Initiativen und Maßnahmen im Gesundheitswesen plant die Regierung anstelle der nicht mehr geförderten?", fragt Stern.

    Im Frauen- und Familienministerium erklärt man die Förderabsagen für Frauenorganisationen mit einer "Mittelumschichtung in Richtung Gewaltschutz". Die autonomen Frauenhäuser, die gewaltbetroffenen Frauen ein Obdach bieten, sind damit aber offenbar nicht gemeint.

    Dort bangt man vielmehr um eine weitere 15.000-Euro-Förderung, diese aus dem Familienministerium. Damit wird die AÖF-Sekretärin bezahlt: "Bis dato, Ende Juli, wissen wir nicht, ob wir dieses Geld heuer bekommen", sagt Rösslhumer. Das sei inakzeptabel, meint dazu Stern. Sie fordert eine alljährliche Förderzusagen-Deadline: Die Ministerien sollten Projektbetreiberinnen jeweils bis April mitteilen müssen, ob Geld zu erwarten sei. (Irene Brickner, 27.7.2018)

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