Das war UPC: Technische Probleme als Markenzeichen

    2. August 2018, 06:00
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    Mit dem Kauf von UPC durch T-Mobile endet ein Stück Internetgeschichte

    Ende der 1990er-Jahre trieb der Internet-Anbieter UPC seine Wiener Kunden regelmäßig zur Weißglut. Ihr Internet lief nicht rund, da UPC sein Netz nur selten unter Kontrolle hatte und es dadurch permanent Ausfälle gab. Dazu kamen völlig überforderte Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen im Callcenter des Unternehmens, die Kunden auch schon mal beschimpften. Obwohl die technischen Probleme legendär waren, blieben viele Kunden UPC treu. Der Grund: Es gab kaum Alternativen.

    590 Schilling

    Telekabel, so der damalige Name von UPC, bot nämlich schon 1998 vergleichsweise schnelles Internet (300 kbit/s) an – ohne lästiges Einwählen per Modem und Telefongebühren. Für eine Monatspauschale von 590 Schilling (rund 43 Euro) konnte man "unbegrenzt und ohne zusätzliche Gebühren im Internet surfen". Zumindest versprach das die Werbung. Dazu gab es noch Kabel-TV und Festnetztelefonie. Die technischen Probleme blieben aber über Jahre ein "Markenzeichen" von UPC.

    Gründungsjahr 1977

    Die Geschichte des Unternehmens begann bereits 1977. Damals wurde Telekabel als Tochter des niederländischen Philips-Konzerns gegründet, die Empfang deutscher Fernsehprogramme in Österreich ermöglichte. An der Gründung war auch die Stadt Wien beteiligt, die auch weiterhin Anteile an UPC hält.

    1997 wurde das Unternehmen an den ebenfalls niederländischen UPC-Konzern verkauft, der jedoch 2002 pleiteging, danach übernahm der US-Medienkonzern Liberty Global das Ruder, der UPC Ende 2017 für 1,9 Milliarden Euro an T-Mobile verkaufte. Zwischenzeitlich nannte sich das Unternehmen "Chello".

    Die Geschichte von UPC:

    - 1977 Gründung Telekabel Festnetz Ges.m.b.H.

    - 1978 Start Analog-TV

    - 1996 Breitband-Internet 300 kbit/s

    - 2001 Start Digital-TV

    - 2007 Breitband-Internet 25 Mbit/s

    - 2009 Launch UPC OnDemand

    - 2014 Einführung UPC Mobile

    - 2014 UPC Austria und UPC Schweiz fusionieren

    - 2017 Analogabschaltung

    - 2017 Breitband-Internet 300 Mbit/s

    - 2017 Bekanntgabe Deal mit T-Mobile

    UPC-Chef Thomas Hintze war über Jahre das Gesicht des Unternehmens.

    2000 kam ernsthafte Konkurrenz

    Im Jahr 2000 bekam Chello ernsthafte Konkurrenz, als die Telekom Austria ihre ADSL-Leitungen auch der Konkurrenz zur Verfügung stellen musste und so weitere Anbieter wie T-Online, UTA oder Inode für Wettbewerb sorgten.

    Inode als größter Mitstreiter

    Besonders erfolgreich war dabei Inode. Der Provider wurde 2005 daraufhin von UPC um rund 95 Millionen Euro gekauft. So verschwand ein lästiger Konkurrent vom Markt, und UPC konnte ADSL-Leitungen fast österreichweit anbieten. Seither hat UPC einige kleinere Kabelanbieter gekauft, von größeren Deals aber die Finger gelassen.

    Angebote von Inode/Chello im Jahr 2006.

    Angriff auf A1

    Nun wurde der Internet-, TV- und Telefonieanbieter selbst übernommen. Mit dem Kauf rüstet sich T-Mobile für die Zukunft. Der Mobilfunker wird dadurch zum zweitgrößten Telekomunternehmen des Landes und kann sich aussichtsreichen neuen Projekten wie etwa dem Aufbau eines 5G-Netzes widmen.

    Nun wird T-Mobile versuchen, dem Platzhirsch A1 Kunden abzujagen. Die Marke UPC darf T-Mobile vorerst noch nutzen. Ende Juli 2018 hatte UPC "über eine halbe Million Kunden", wie das Unternehmen auf STANDARD-Nachfrage erklärte. (Markus Sulzbacher, 26.7. 2017)

    • Ein Chello-Modem.
      foto: standard/cremer

      Ein Chello-Modem.

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