Katalog von fast 72.000 Röntgenquellen im All erstellt

    25. Juli 2018, 13:36
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    Deutsche Forscher werteten Daten des Weltraumobservatoriums XMM-Newton aus

    foto: aip
    Je öfter eine Himmelsregion anvisiert wird, desto mehr gibt sie preis: Links das Ergebnis einer einzelnen Beobachtung, in der Mitte die von zehn übereinandergelegten Beobachtungen, rechts die von 19.

    Potsdam – Seit seinem Start im Dezember 1999 hat das Weltraumobservatorum XMM-Newton der ESA eine Reihe von Himmelsregionen wiederholt im Röntgenbereich beobachtet. Die Überschneidungen, die sich daraus ergaben, haben sich deutsche Forscher zunutze gemacht, um einen ersten Katalog von Röntgenquellen in mehrfach beobachteten Himmelsregionen zu erstellen. Wie das Leibniz-Institut für Astrophysik Potsdam berichtet, konnten mit einer Gesamtzahl von 1.789 Beobachtungen 71.951 Röntgenquellen "gesammelt" werden – darunter tausende Neuentdeckungen und auch exotische Objekte.

    Hintergrund

    Röntgenlicht entsteht in besonders energiereichen Prozessen, beispielsweise bei Temperaturen von Hunderten Millionen Grad. Seit etwa 50 Jahren sind eigene Röntgenteleskope auf der Suche nach Quellen, die solches Licht hervorbringen – wie eben XMM-Newton. Pro Einzelbeobachtung deckt der Satellit einen Himmelsbereich von der Fläche des Vollmonds ab.

    Rund fünfzig bis einhundert Röntgenquellen finden sich darin im Schnitt, etwa besonders heiße oder extrem kompakte ausgebrannte Sterne, massereiche Schwarze Löcher in entfernten Milchstraßen oder Milliarden Lichtjahre entfernte Galaxienhaufen.

    Besserer Blick

    Indem man alle Beobachtungen zusammenfügt und gemeinsam auswertet, erreicht man eine höhere Genauigkeit und findet leuchtschwache Objekte, die in den einzelnen Beobachtungen nicht zu identifizieren wären. "Das funktioniert nach einem ähnlichen Prinzip, wie wenn man mehrere transparente Fensterbilder mit dem gleichen Motiv übereinanderlegt: Je mehr Bilder man verwendet, um so deutlicher kommt das Motiv zum Vorschein", sagt Iris Traulsen von der Arbeitsgruppe Röntgenastrophysik des Leibniz-Instituts.

    Mit den Daten aus dem Katalog lassen sich Helligkeitsänderungen von Röntgenquellen über Zeiträume von bis zu 14,5 Jahren verfolgen. Projektleiter Axel Schwope dazu: "Veränderungen der Röntgenhelligkeit sind ein entscheidendes Merkmal zum Aufspüren besonders exotischer Objekte am Himmel." (red, 25. 7. 2018)

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