Einstiegsgehalt einer Flugbegleiterin: 1.200 Euro netto

    28. Juli 2018, 11:00
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    Dazu kommen Spesen von durchschnittlich 300 Euro, berichtet unsere Gesprächspartnerin

    "Gepäck verstauen, Getränke servieren: Passagiere sehen immer nur diese eine Seite unseres Jobs. Es gehört aber noch viel mehr dazu. Vor allem sind wir nämlich für die Sicherheit an Bord zuständig. Wenn es brennt, müssen wir Feuer löschen. Bei einer Notlandung müssen wir über die Kommandos Bescheid wissen und darüber, wie man die Rutsche aufbläst oder eine Türe öffnet. Die Aufgabe von uns Flugbegleiterinnen und Flugbegleitern ist es, Gäste mit Flugangst zu beruhigen, über etwaige Krankheiten informiert zu sein, im Notfall Erste Hilfe zu leisten.

    Mittlerweile arbeite ich seit über vier Jahren in diesem Job. Ursprünglich habe ich Volksschullehramt studiert. Relativ bald ist mir aber klar geworden, dass ich das nicht machen will. Ich habe das Studium noch abgeschlossen, mich dann aber zur Flugbegleiterin ausbilden lassen. Die Ausbildung dauert sieben Wochen.

    Auf Blockteilzeit umgestiegen

    Zuerst habe ich Vollzeit gearbeitet. Ich habe damals rund 1.200 Euro netto (Grundgehalt) verdient, dazu kamen Reisespesen von durchschnittlich 300 Euro. Nach drei Jahren ist mein Gehalt um 300 Euro netto gestiegen – so bin ich auf 1.800 Euro netto gekommen. Vor etwa einem Jahr bin ich auf Blockteilzeit umgestiegen. Das bedeutet, dass ich im Sommer Vollzeit arbeite und dann fünf Monate frei habe. Bezahlt bekomme ich durchgängig ein Teilzeitgehalt, aktuell sind das 1.000 Euro pro Monat.

    Damit komme ich gut aus. Ich habe mein Auto aufgegeben, für mein WG-Zimmer in Wien bezahle ich nur 300 Euro warm. Es gäbe die Möglichkeit für einen weiteren Karriereschritt: Derzeit bin ich 'Junior' und könnte mich zur 'Senior' weiterqualifizieren und Chefin der Kabine werden. Daran bin ich aber nicht interessiert, die Anreize sind zu gering. Als Senior verdient man lediglich 200 bis 300 Euro mehr. Außerdem verschlechtert sich auch die sogenannte Seniorität. Damit ist im Flugbetrieb das Dienstalter gemeint. Davon hängt ab, ob man Wunschdienste auch bekommt oder Urlaub zu der Zeit machen kann, zu der man ihn machen will. Wird man Senior, wechselt man auch die Senioritätsliste und steigt dann natürlich gegenüber den älteren Kolleginnen erstmal schlechter aus.

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    Eine junge Flugbegleiterin, mit der wir für diese Serie gesprochen haben, mag ihre unregelmäßigen Arbeitszeiten. "Ich bin niemand, der gerne früh aufsteht – und unser Beruf erlaubt es oft, dass man ausschlafen kann und erst am Nachmittag oder am Abend losmuss."

    Was mir an meinem Job besonders gefällt, ist der Kontakt mit Menschen. Ich treffe auf ganz unterschiedliche Nationalitäten und Persönlichkeiten. Ich mag auch das viele Reisen, die Welt zu entdecken, in Hotels zu leben.

    Die Arbeitszeiten stören mich nicht. Ich bin niemand, der gerne früh aufsteht – und unser Beruf erlaubt es oft, dass man ausschlafen kann und erst am Nachmittag oder am Abend losmuss. Für ältere Kolleginnen wiederum sind die wechselnden Arbeitszeiten oft ein Problem. Die meisten, die Kinder haben, haben sich ein sehr gutes Netz aufgebaut, da helfen Familie und Freunde. Oder sie haben einen Partner mit fixen Arbeitszeiten, der zu Hause ist, wenn sie arbeiten.

    Fluktuation hoch

    Ob ich eine gute Work-Life-Balance habe? Das kommt ganz auf den jeweiligen Dienstplan an. In manchen Monaten, wie auch jetzt wieder im August, habe ich sehr viel frei, genug Zeit für mich. In anderen habe ich das Gefühl, nur zu arbeiten und kaum Freizeit zu haben. Manchmal habe ich Tage mit vielen kurzen Flügen am Stück, das ist anstrengend. Wenn das besser aufgeteilt ist, mit kürzeren und längeren Flügen, ist es gleich deutlich angenehmer. Ich bin der Meinung, dass die Firma mehr Ressourcen in die Planung stecken sollte. Wenn alle einen schönen Dienstplan haben, ist die Motivation zu arbeiten viel höher.

    Neue Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter werden laufend gesucht. Die Fluktuation ist hoch. Von den Leuten, die mit mir angefangen haben, ist nur noch die Hälfte da. Ein Grund ist, dass der Job körperlich anstrengend ist, gleichzeitig geistig aber nicht sehr fordernd. Es ist für viele ein Job, den man für ein paar Jahre macht, um sich dann nach etwas Neuem umzusehen. Oder vielleicht das weiterzumachen, was man davor begonnen hat. Vielleicht werde ich in ein paar Jahren doch Lehrerin oder suche nach etwas 'Standfesterem'." (Gehaltsprotokoll: Lisa Breit, 28.7.2018)

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    Weitere Teile der Serie:
    * Ein Marketing-Mitarbeiter verdient 2.300 Euro netto
    * Gelernter Holzwirt: 2.300 Euro netto plus Zulagen
    * Physiotherapeut: "Erhalte lieber Trinkgeld als Schokolade"
    * Bankmitarbeiter: "Mit 3.000 Euro netto komme ich gut aus"
    * Uni-Mitarbeiterin: 1.650 Euro für 30 Stunden

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