Von Strafzöllen zum Währungskrieg: Neue Eskalation droht

22. Juli 2018, 17:52
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Der starke Dollar konterkariert das Ziel von US-Präsident Trump, die Einfuhren zu verringern

Eigentlich hätte Gastgeber Argentinien lieber über Themen wie die Zukunft der Arbeit oder die Verbesserung der Infrastruktur gesprochen. Aber auch das Treffen der G20-Finanzminister und -Notenbankchefs in Buenos Aires am Wochenende wurde vom Dauerbrenner der vergangenen Monate überschattet, dem Handelsstreit. Bereits im Vorfeld hatte US-Präsident Donald Trump zusätzliches Öl ins Feuer gegossen, als er in der vergangenen Woche China mit Einfuhrzöllen auf sämtliche Waren drohte sowie dem Reich der Mitte und der EU Währungsmanipulationen vorhielt.

Zunächst hatte Trump noch die Zinserhöhungen der US-Notenbank Fed kritisiert, bevor er dann doch den Handelspartnern an den Kopf warf, ihre Zinsen und Währungen künstlich tief zu halten. Auslöser war vor allem der zuletzt immer steiler werdende Anstieg des US-Dollars, der seit seinem Tief Anfang Februar gegenüber dem chinesischen Yuan um mehr als acht Prozent aufgewertet hat, sodass nun 6,77 Yuan für einen Greenback hingeblättert werden müssen. Ein tieferer Devisenkurs verschafft im Export relative Vorteile, da Waren und Dienstleistungen im Ausland günstiger angeboten werden können.

In Buenos Aires kündigte US-Finanzminister Steven Mnuchin eine Untersuchung an, ob China den Yuan-Wechselkurs manipuliert habe. Für Oktober wird der nächste halbjährliche Devisenmarktbericht seines Ministeriums erwartet – der formale Kanal der Regierung, um Währungsmanipulationen offiziell anzuprangern. Beim letzten Bericht im April war davon keine Rede, allerdings wurden Peking mangelnde Fortschritte beim Abbau des Handelsüberschusses mit den USA attestiert.

Ende der Zusammenarbeit

"Das wahre Risiko ist, dass wir ein breit angelegtes Auflösen globaler Zusammenarbeit bei Handel und Währungen erleben – und das wird unschön", kommentierte Jens Nordvig von Exante Data, einer der führenden Währungsstrategen der Wall Street, die Entwicklung. US-Ökonom und Wirtschaftsnobelpreisträger Joseph Stiglitz sagte gegenüber Bloomberg hinsichtlich möglicher chinesischer Gegenmaßnahmen: "Der Wechselkurs ist nur eines von vielen Mitteln, die China einsetzen könnte."

"Unser Ziel ist ein freier, offener und ausgeglichener Handel", betonte Mnuchin mehrmals und streckte den europäischen Handelspartnern eine Hand entgegen: "Wir würden ein Handelsabkommen akzeptieren, frei und ohne Zölle." Dafür stellt der US-Finanzminister jedoch drei Bedingungen: die Abschaffung von Zöllen, Handelsbarrieren und Beihilfen. Im Vorfeld des Treffens mit EU-Kommissionschef Jean-Claude Juncker in dieser Woche fügte er hinzu: "Wir freuen uns auf ein Angebot."

Ob dieses tatsächlich kommen wird, bleibt allerdings abzuwarten. Denn in Buenos Aires stand vor allem Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire auf der Bremse, der ohne die Aufhebung der Einfuhrzölle auf Aluminium und Stahl keine Verhandlungsbasis für ein solches Abkommen sieht. Zudem müsste auch die im Raum stehende US-Drohung, künftig auch Importe von Autos mit Zöllen belegen zu wollen, zuvor zurückgenommen werden. "Wir weigern uns, mit einer Pistole auf der Brust zu verhandeln", betonte Bruno Le Maire. "Wir warten darauf, dass die USA die notwendigen Schritte setzen, um aus dem Handelskrieg herauszukommen."

Proteste gegen IWF in Argentinien

Der Internationale Währungsfonds (IWF) warnte unterdessen die G20-Gruppe vor einer weiteren Eskalation des Handelsstreits. Schlimmstenfalls könne das weltweite Wirtschaftswachstum um einen halben Prozentpunkt niedriger ausfallen, sagte IWF-Chefin Christine Lagarde. Laut einer IWF-Analyse könnte just die US-Wirtschaft wegen möglicher Vergeltungszölle zahlreicher Länder der größte Verlierer im Handelsstreit sein. Letztendlich würde aber die ganze Welt leiden.

Zu leiden hatte im Krisenstaat Argentinien die Bevölkerung aus ihrer Sicht bereits zu viel – und protestierte in Hundertschaften gegen das G20-Treffen und den IWF, der dem Land Finanzhilfen von bis zu 50 Milliarden Dollar zugesagt hatte. Dagegen gibt es aber Vorbehalte, da der Währungsfonds mit den harten Sparmaßnahmen nach der Staatspleite in den 2000er-Jahren in Verbindung gebracht wird. (Alexander Hahn, 22.7.2018)

  • IWF-Chefin Christine Lagarde macht gute Miene zum bösen Spiel und küsst US-Finanzminister Steven Mnuchin.  Dessen französischer Amtskollege Bruno Le Maire bereitet sich indes seelisch auf die Begrüßung seiner Landsfrau vor.
    foto: reuters/marcos brindicci

    IWF-Chefin Christine Lagarde macht gute Miene zum bösen Spiel und küsst US-Finanzminister Steven Mnuchin. Dessen französischer Amtskollege Bruno Le Maire bereitet sich indes seelisch auf die Begrüßung seiner Landsfrau vor.

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