Was, wenn sich Sebastian Kurz in Neuwahlen flüchtet?

    Video22. Juli 2018, 12:18
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    Jetzt also auch noch das offene Spiel mit dem Antisemitismus

    der standard

    Als der amerikanische Historiker Robert Conquest nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion eine Neuauflage seines Buches über den autoritären Kommandokommunismus vorbereitete, wurde er gefragt, ob er seinem Buch nicht einen neuen Titel verpassen wolle. Conquest dachte kurz nach und schlug daraufhin vor: "I told you so, you fucking idiots."

    Ich bin ja auch versucht, jeden Kommentar über jede neuerliche demagogische Verschärfung der österreichischen Rechtsregierung mit diesem Satz zu überschreiben: "I told you so, you fucking idiots", nur meine sprichwörtliche und stadtbekannte Höflichkeit verhindert das.

    Jetzt also auch noch offener Antisemitismus, nachdem unlängst die Gerüchte umgingen, die Regierung würde Razzien in Redaktionen überlegen.

    Ist ja schön, dass mir jetzt alle recht geben. Aber es ist nicht immer schön, recht zu behalten. Und, ganz ehrlich, unter uns: Wirklich recht gibt mir die Entwicklung ja nicht. Denn eigentlich ist ja alles noch viel ärger, als selbst ich angenommen habe.

    Jedenfalls ist klar: Sieben Monate nach Amtsantritt hat Sebastian Kurz die Kontrolle über seine Regierung völlig verloren, sein Koalitionspartner radikalisiert sich von Woche zu Woche und tut nur mehr, was er will. Stellt sich die Frage, ob Kurz demnächst vielleicht die Reißleine zieht. Denn eines ist klar: Wenn die Koalition explodiert, wird die FPÖ als regierungsunfähige Radaupartei allgemein als Schuldige dastehen. Kurz käme dann locker auf 40 Prozent. Wäre eigentlich verwunderlich, wenn ihn das nicht langsam verlocken würde ...

    Wahrscheinlicher ist freilich, dass wir auch in sechs Monaten wieder dasitzen und alle sagen: Eigentlich ist es ja noch viel ärger gekommen, als es selbst der Misik vorausgesehen hat. (Robert Misik, 22.8.2018)

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