So eng sind FPÖ und Burschenschaften miteinander verknüpft

    Infografik21. Februar 2019, 07:00
    452 Postings

    Ein interaktives Netzwerk zeigt die Verflechtungen zwischen der Freiheitlichen Partei und völkischen Korporationen

    Seit Antritt der schwarz-blauen Bundesregierung haben zahlreiche Mitglieder völkischer (deutschnationaler) Schüler- und Studentenverbindungen – sowie, in deutlich geringerem Ausmaß, einschlägiger Damenverbindungen – Karrieresprünge hingelegt. Im Einzelnen finden diese sich hier dokumentiert. In ihrer Summe illustrieren diese individuellen Laufbahnen die traditionell starke Verflechtung des völkischen Verbindungswesens (nicht zu verwechseln mit seinem katholischen Widerpart rund um Cartellverband/ÖCV und Mittelschüler-Kartellverband/MKV) mit der FPÖ im Allgemeinen und der Strache-FPÖ im Besonderen. So gehören etwa eine absolute Mehrheit der aktuellen Mitglieder des Bundesparteivorstands oder rund 40 Prozent des aktuellen freiheitlichen Nationalratsklubs einer solchen Verbindung an.

    Welche Positionen haben Korporierte inne?

    Zahlen wie diese stehen offenkundig in eklatantem Missverhältnis zum Anteil der völkischen Korporierten an der österreichischen Gesamtbevölkerung, der sich unterhalb der 0,01 Prozent bewegt. Aber von welchen Personen und Netzwerken reden wir dabei konkret? Auf welchen Funktionsebenen (Bund und Länder, politische Mandate und Parteifunktionen, nichtpolitische Funktionen im staatlichen Einflussbereich) trifft man besonders viele Kooperierte an? Welche Korporationen treffen wir dabei häufiger an als andere? Unser interaktives, nach Personen oder Verbindungen durchsuchbares Netzwerk liefert Antworten auf Fragen wie diese und visualisiert die angesprochenen Verflechtungen.

    Legende

    • Verbindungsmitglieder (grün): Personen, die einer völkischen Verbindung angehören
    • Verbindung (rot): völkische Korporation (auf Mittelschul- oder universitärer Ebene)
    • Politisches Mandat (gelb): Abgeordneter auf EU-, Bundes- oder Landesebene
    • Regierungsbeteiligung (braun): Mitglied einer Landes- oder Bundesregierung
    • Parteifunktion (blau): Mitglied des Bundes- oder Landesparteivorstands, Parteiobmannschaft in Bund oder Land, Aufgabe im Parlamentsklub (Bereichssprecher und -sprecherinnen, Klubobmann, Klubdirektor)
    • Sonstige Besetzungen (grau): ministerielle oder parlamentarische Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, Besetzungen in Aufsichtsräten und weitere politisch vergebene Positionen

    Ein Vollständigkeitsanspruch wird dabei nicht erhoben: Während bundespolitische Funktionen umfassend erfasst sind, gilt selbiges für die Landesebene nur ansatzweise, während die kommunale Ebene (mit der Ausnahme Wiens) gar keine Berücksichtigung fand. Auch ist davon auszugehen, dass nicht alle Verbindungsmitgliedschaften von Amtsinhabern und Amtsinhaberinnen auf den erfassten Funktionsebenen bekannt sind. Die Darstellung ist insofern zum einen als Momentaufnahme, zum anderen als eine Annäherung an das tatsächliche Ausmaß des verbindungsstudentischen Einflusses innerhalb der FPÖ und der von ihr beschickten Wirkungsfelder zu verstehen. (Bernhard Weidinger, Fipu, 13.2.2019)

    Bernhard Weidinger ist Rechtsextremismusforscher und Mitglied der Forschungsgruppe Ideologien und Politiken der Ungleichheit (FIPU).

    Hinweise zu den Daten

    Die letzte Aktualisierung der Daten erfolgte am 21.11.2018. Spätere beziehungsweise uns später bekannt gewordene Veränderungen und Postenvergaben sind daher nicht berücksichtigt. Alle verwendeten Daten entstammen öffentlich zugänglichen Quellen. Auch wenn es sich dabei fast ausschließlich um verbindungsstudentische Originalquellen handelt, ist nicht auszuschließen, dass einzelne Angaben (etwa durch nicht bekannt gewordenen Austritt aus einer Verbindung) nicht mehr zutreffend sein könnten. Für die Angabe politischer Funktionen wurden die Websites des österreichischen Parlaments, der Landtage und der FPÖ sowie freiheitliche Presseaussendungen herangezogen. Auch auf Informationen des Portals meineabgeordneten.at wurde in manchen Fällen zurückgegriffen.

    Zum Fipu-Blog auf derStandard.at

    Share if you care.