BMW M550d Touring: In der Truhe liegt die Kraft

    27. Juli 2018, 05:57
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    Der M550d mit Kombiheck ist wohl der Traumwagen jeder sportwagenaffinen Familie. Er ist praktisch wie eine Bauerntruhe, pfeilschnell, und er reagiert als Gestenleser auf jeden Wink

    Bei dem Lastenheft, das sich BMW für diesen Kombi selbst auferlegt hat, wäre es ein Leichtes gewesen, sich komplett zu verzetteln. Schon die Kombination aus Sparsamkeit und Sportlichkeit ist eine Aufgabe, an der andere auch ohne Anlauf bravourös gescheitert sind.

    foto: guido gluschitsch
    BMW M550d Touring: im Heck ein Liefer-, unter der Haube ein Sport- und dazwischen ein Luxuswagen mit viel dunklem Leder.

    Wir haben schon in Kleinwagen mit Downsizing-Turbo-Benzinern auf 100 Kilometern doppelt so viel Sprit verbrannt wie mit dem 6-Zylinder-Diesel, der von vier Ladern auf zwei Stufen beatmet wird. Und glauben Sie es ruhig, wenn wir dabei für den Sprint auf 100 km/h doppelt so lange gebraucht haben wie mit dem drei Liter großen, 400 PS starken Dieselkombi.

    foto: guido gluschitsch
    Man muss nicht die ganze Heckklappe öffnen, man kann auch nur die Scheibe liften.

    Bis zu 1700 Liter passen in den 5er Touring. Mehr als in eine große Truhe. Die Menge Klumpat wird der BMW M550d Touring aber ohnedies nicht öfter befördern, als ein durchschnittlicher SUV ins Gelände ausreiten darf.

    foto: guido gluschitsch
    Am liebsten würde man bloßhappert einsteigen, so weich ist der Teppich.

    Wie jeder andere 5er Touring auch kann man statt der Heckklappe auch nur das Heckfenster öffnen, hat alle technischen Neuerungen wie das Infotainmentsystem, das man mit Gesten, über Berührung des Displays oder den Dreh-Drück-Schalter, sogar allein mit Sprache steuern kann. Genauso fährt er auf Level 2 autonom – bahnt sich also seinen Weg fast selbstständig durch den Stau.

    foto: guido gluschitsch
    Insignien eines gewissen Selbstbewusstseins.

    Wer so viel Engagement in die digitale Zukunft legt, vergisst dabei gerne einmal auf die alten Tugenden wie etwa gescheit lenken, fahrwerken und fesch sein. Beispiele fallen Ihnen da bestimmt selber ein.

    foto: guido gluschitsch
    Da spielt die Musik.

    BMW hat dem kleinen Diesel-M einen feschen Bodykit spendiert, der den eh schon schnittigen 5er noch einmal aufwertet. Kleiner M heißt der M550d bei Propellerheads – ja, der dauert ein bisserl -, weil es darüber den echten M5 gibt, der weit bedingungsloser ist.

    foto: guido gluschitsch
    Die Engerlaugen lenken ganz gut von den dezenten Öffnungen für die Sensoren ab.

    Der M550d ist zwar auch auf Sportwagenniveau, schafft aber die Spreizung hin zu einer Nobelkarosse. Möglich ist das mit der Fahrdynamikregelung, wobei Eco für Eleganz steht und Sport plus für Hochachtung – wie es zu dem Übersetzungsfehler kam, entzieht sich aber unserem Wissen. Vielleicht wollten sie Sportpuls ...

    foto: guido gluschitsch
    Zur Not könnte man hier auch ein Tunkerl machen.

    Jedenfalls, egal in welchem Modus: Wer das Gaspedal länger als sechs Sekunden durchtritt, steht mit diesem Fuß auch schon im Kriminal. Das vergisst man leicht in dieser Umgebung aus Leder und Klavierlack. Man nimmt die Geschwindigkeit nicht so wahr wie in dem eingangs erwähnten Kleinwagen. Von diesen kann man übrigens derer zehn kaufen um den Preis unseres M. Und da haben wir auch den Nachteil des Testwagens. Den Preis. 150.000 Euro. Das kann man sich nicht einmal mit dem in Relation zur Leistung geringen Verbrauch von unter neun Litern billigreden. (Guido Gluschitsch, 27.7.2018)

    foto: guido gluschitsch

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    BMW

    Hinweis im Sinne der redaktionellen Leitlinien: Die Teilnahme an internationalen Fahrzeug- und Technikpräsentationen erfolgt großteils auf Basis von Einladungen seitens der Automobilimporteure oder Hersteller. Diese stellen auch die hier zur Besprechung kommenden Testfahrzeuge zur Verfügung.

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