Libyens Premier lehnt EU-Flüchtlingszentren im eigenen Land ab

    20. Juli 2018, 05:44
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    "Das wird es bei uns nicht geben", sagt der Chef der international unterstützen Regierung, Fayez al-Sarraj

    Tripolis – Der libysche Regierungschef Fayez al-Sarraj spricht sich entschieden gegen Aufnahmezentren der EU für Flüchtlinge in seinem Land aus. "Nein, das wird es bei uns nicht geben", sagte Sarraj der deutschen "Bild"-Zeitung vom Freitag. "Wir sind absolut dagegen, dass Europa ganz offiziell bei uns illegale Migranten unterbringen will, die man in der EU nicht haben möchte."

    Libyen lehne auch Geldzahlungen für ein solches Vorgehen ab. "Wir werden auch keine Deals mit Geld mit der EU machen, um illegale Migranten aufzunehmen", betont Sarraj. Die EU solle vielmehr "mit den Ländern reden, aus denen die Menschen kommen, und dort auch Druck ausüben". Er wundere sich "schon sehr darüber, dass in Europa mittlerweile niemand mehr Migranten aufnehmen will, aber uns bittet, hier weitere hunderttausende aufzunehmen".

    Wunsch nach mehr Besuchen in Libyen

    Sarraj wünscht sich überdies mehr Besuche von EU-Politikern in Libyen: Um Menschenschmuggler stärker bekämpfen zu können, seien globale Anstrengungen notwendig, weil das Schmugglernetzwerk international sei. Wichtig sei auch, "dass europäische Politiker ein besseres Verständnis dafür bekommen, wie es in Libyen aussieht". Er hoffe in diesem Zusammenhang auch auf einen baldigen Besuch der deutschen Kanzlerin Angela Merkel.

    Die EU hat sich Ende Juni auf eine Verschärfung ihrer Einwanderungspolitik verständigt. Sie will unter anderem Migranten in Aufnahmezentren außerhalb der EU unterbringen.

    Regierungschef verteidigt Küstenwache

    Sarraj verteidigte zudem die libysche Küstenwache gegen Kritik. Zu Vorwürfen, die Küstenwache habe Menschen zurückgelassen, sagte er: "Das sind ungeheure Vorwürfe, die nicht stimmen und von unserer Küstenwache bereits klargestellt wurden. Wir retten jeden Tag hunderte Menschen vor der Küste Libyens." Das Land brauche aber mehr technische und finanzielle Unterstützung. Eine spanische Organisation hatte der libyschen Küstenwache vorgeworfen, bei einem Einsatz zwei Frauen und ein Kind auf hoher See zurückgelassen zu haben.

    Sarraj fordert einen globalen Plan, um die Flüchtlingskrise zu lösen. Libyen sei nur das Transitland, das die Menschen für ihre Flucht nutzten. "Wir haben Flüchtlingsunterkünfte für mehrere zehntausend Menschen geschaffen, aber in unserem Land halten sich mehrere hunderttausend illegale Migranten auf, was die Sicherheitslage massiv verschlechtert. Darunter sind Terroristen, Kriminelle und Menschenschmuggler." (APA, dpa, AFP, 20.7.2018)

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