Nicaraguas Staatschef: "Satanisten", Bischöfe und USA hinter Unruhen

    20. Juli 2018, 05:34
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    Die Bischöfe seien keine guten Vermittler, kritisiert der nicaraguanische Präsident. Seit Mitte April sind 300 Menschen bei Unruhen ums Leben gekommen

    Managua – Nicaraguas Staatschef Daniel Ortega hat "satanische Kriminelle", katholische Bischöfe und die USA für die Unruhen in seinem Land verantwortlich gemacht.

    Die Demonstranten würden vom "nordamerikanischen Imperium" und Geschäftsleuten im eigenen Land finanziert und planten einen Staatsstreich, sagte Ortega am Donnerstag vor tausenden Anhängern in der Hauptstadt Managua anlässlich des 39. Jahrestags der linksgerichteten Revolution, die ihn einst an die Macht brachte.

    Ortega warf außerdem der katholischen Kirche des Landes vor, Teil eines Staatsstreichs gegen seine Regierung zu sein. Die Bischöfe seien keine Vermittler in der politischen Krise, sondern Teil eines Putschplans. Das disqualifiziere die Geistlichen dafür, einen Dialog zwischen der Regierung und der zivilen Opposition zu leiten.

    Rede auf allen TV-Sendern übertragen

    Die Rede des Präsidenten wurde auf Anweisung der Regierung auf allen TV- und Radiosendern des Landes übertragen. Tausende öffentlich Bedienstete sollten sich in Arbeitszentren zu den offiziellen Feierakten der Regierungspartei Sandinistische Nationale Befreiungsfront versammeln. In der Hauptstadt richtete die Polizei Sicherheitszonen ein.

    "Die Satanisten müssen exorziert werden", forderte der Staatschef, der auf der Bühne an der Seite der Außenminister Kubas und Venezuelas sowie mit seiner Ehefrau und Vizepräsidentin Rosario Murillo auftrat. "Es war ein schmerzhafter Kampf", sagte er im Hinblick auf die Niederschlagung der Proteste durch seine Sicherheitskräfte.

    Vorwürfe Costa Ricas

    Währenddessen warf das Nachbarland Costa Rica Ortega vor, in Nicaragua ein Massaker zu begehen. "Jeden Tag stirbt in Nicaragua ein Mensch wegen der Krise", sagte Außenministerin Epsy Campbell. Davor könne die Regierung Ortegas nicht die Augen verschließen. Nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen sind seit Mitte April mehr als 300 Menschen bei gewalttätigen Auseinandersetzungen in Nicaragua ums Leben gekommen. Die Regierung spricht offiziell von rund 50 Toten.

    Der Konflikt hatte sich an einer geplanten Sozialreform entfacht. Obwohl Ortega diese zurückzog, hielten die Proteste an. Regierungsnahe Schlägertrupps und die Polizei griffen Demonstranten an. Die katholische Kirche hatte einen Dialog zwischen den beiden Seiten vermittelt, die Gespräche wurden jedoch zweimal abgebrochen. (APA, dpa, red, 20.7.2018)

    • Laut offiziellen Quellen soll es bisher rund 300 Tote nach den Protesten in Nicaragua geben, die große Mehrzahl davon Demonstranten. Die Gegner von Präsident Ortega sprechen sogar von 350 Toten und Vermissten.
      foto: apa / afp / johan ordonez

      Laut offiziellen Quellen soll es bisher rund 300 Tote nach den Protesten in Nicaragua geben, die große Mehrzahl davon Demonstranten. Die Gegner von Präsident Ortega sprechen sogar von 350 Toten und Vermissten.

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