Ausschluss bei Liste Pilz: Wilde Zeiten

Kommentar19. Juli 2018, 17:37
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Wenn Sturheit auf Selbstüberschätzung trifft, fehlt die Grundlage für eine produktive Zusammenarbeit

Aus welchen Motiven sie auch gehandelt haben mag: Dass Martha Bißmann sich über Wochen beharrlich weigerte, ihren Parlamentssitz für Listengründer Peter Pilz freizumachen, zeugte von Standhaftigkeit – und hatte gewissen Unterhaltungswert. Leicht kann es für sie nicht gewesen sein, den Druck von Pilz und Konsorten auszuhalten. Dass es auch in Zukunft nicht gemütlich werden würde, war Bißmann bei allem öffentlich geäußerten Zweckoptimismus wohl klar.

Aus der Partei ist sie bereits vor Wochen ausgetreten, ihr Ausschluss aus dem Klub scheiterte allein daran, dass die dafür nötige Einstimmigkeit damals fehlte. Das ist jetzt anders. Die verbliebenen sieben Parlamentarier erklären, Bißmann habe durch die Weitergabe sensibler Informationen erneut Vertrauensbruch begangen. Diese argumentative Krücke hätte es gar nicht gebraucht. Ehrlicher wäre es, das Offensichtliche auszusprechen: dass, wenn Sturheit (bei Bißmann) auf Selbstüberschätzung (bei Pilz) trifft, die Grundlage für eine produktive Zusammenarbeit fehlt.

Mit Inhaltlichem ist das Team der schwierigen Charaktere bisher ohnehin kaum aufgefallen. Zuletzt sorgte der Ausschluss von Tierschutzsprecher Sebastian Bohrn Mena für Aufregung. Aber eigene Themensetzung? Fehlanzeige. Das wird sich mit Beginn der beiden U-Ausschüsse nur für einen ändern: Peter Pilz. Für Bißmann hingegen macht es kaum einen Unterschied, ob sie als "wilde Abgeordnete" außer- oder innerhalb des Klubs isoliert ist. (Karin Riss, 19.7.2018)

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