Achtung: Elektroradler riskieren ihren Kopf

    19. Juli 2018, 10:12
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    Wer mit dem e-Bike einen Unfall hat, riskiert Kopfverletzungen, vor allem Senioren sollten sich auf Gehirnerschütterungen oder kleine Hirnblutungen untersuchen lassen

    Mehr als 700.000 E-Bikes wurden im Jahr 2017 in Detuschland verkauft – das sind fast 25 Prozent mehr als im Vorjahr. Damit steigt auch die Zahl der Unfälle: Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes sind 2017 bis September 55 Pedelec-Fahrer ums Leben gekommen, die meisten Opfer waren älter als 65 Jahre.

    In Österreich ergibt sich ein ähnliches Bild. 3700 Unfälle mit E-Bikes gab es 2016, das entspricht zehn Prozent der Radunfälle im ganzen Land – Verkehrs- und Freizeitunfälle zusammengezählt. Laut Kuratorium für Verkehrssicherheit ist jeder dritte E-Bike-Fahrer über 45 Jahre alt. Während nur mehr 14 Prozent der über 65-Jährigen ein Rad benutzen, liegt der Anteil der E-Bike-Nutzer bei 40 Prozent.

    E-Bikes ermöglichen schnelles Fahrradfahren ohne große Anstrengung – das ist besonders für Senioren interessant, die beim Radfahren mit ihren Kräften haushalten müssen. Allerdings unterschätzen ältere Elektroradler oft die Geschwindigkeit der motorisierten Fahrräder und sind deshalb häufiger in schwere Unfälle verwickelt. Aber auch scheinbar leichte Stürze können zu gefährlichen Kopfverletzungen führen. Die Deutsche Gesellschaft für Klinische Neurophysiologie und Funktionelle Bildgebung (DGKN) erklärt, warum Senioren nach einem Sturz auf den Kopf zum Arzt gehen sollten.

    Geschwindigkeit unterschätzen

    "Senioren bauen körperlich ab und rüsten technisch auf. Gerade ältere Menschen unterschätzen die 25 km/h, die ein Pedelec erreicht", erklärt Stefan Knecht, Chefarzt der Klinik für Neurologie, St. Mauritius Therapieklinik, Meerbusch. "Und wer körperlich nicht mehr ganz fit ist, traut sich dank motorisierter Unterstützung eher schwierige und anstrengende Strecken zu – das kann zu Kontrollverlust und Stürzen führen." Pedelecs haben ein anderes Antriebs- und Bremsverhalten als ein normales Fahrrad, wer damit nicht vertraut ist, sollte in jedem Fall ein paar Übungsrunden drehen.

    Kommt es zu einem Unfall, müssen auch bei einem leichten Sturz auf den Kopf eine Gehirnerschütterung und vor allem eine schwere Kopfverletzung wie ein Schädelbruch oder eine Hirnblutung ausgeschlossen werden. "Bewusstlosigkeit, Schwindel, Übelkeit, Erbrechen und Sehstörungen sind klassische Symptome einer Gehirnerschütterung", erklärt Knecht. "Aber auch wenn der Betroffene keine dieser Beschwerden feststellt, kann eine Hirnverletzung vorliegen." Knecht rät, im Zweifel immer einen Arzt aufzusuchen. "Der Arzt kann einschätzen, wie schwer eine Gehirnerschütterung ist und mit einer Bilduntersuchung wie einer Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) kann er eine schwere Gehirnverletzung ausschließen."

    Gefahren ausschließen

    Die Autoren einer amerikanischen Studie aus dem Jahr 2017 fordern sogar, bei Patienten über 65 Jahren nach einem Sturz auf den Kopf grundsätzlich ein CT-Scan durchzuführen – auch dann, wenn der Patient nicht das Bewusstsein verloren hat und stabil scheint. Grund dafür seien strukturelle Veränderungen im alternden Gehirn: Die Blutgefäße sind weniger elastisch und damit anfälliger für Verletzungen. Zudem schwindet im Alter die Gehirnmasse insgesamt. Dadurch könnten untypische neurologische Befunde auftreten, die es erschweren, das Ausmaß der Verletzung ohne CT korrekt einzuschätzen.

    Nach dem CT-Befund entscheidet der Arzt über eine weitere Therapie: Bei einer leichten Gehirnerschütterung reichen ein paar Tage Schonung – am besten ohne langes Lesen oder Fernsehen. Operiert werden nur schwere Verletzungen, trotzdem ist der Bild-Befund wichtig: Senioren nehmen häufig Medikamente wie zum Beispiel Gerinnungshemmer ein und diese müssen im Fall einer Gehirnblutung vorübergehend abgesetzt werden.

    "Am besten ist es natürlich, wenn es gar nicht erst zu einer Verletzung kommt. Neben umsichtigem Fahren ist der Fahrradhelm wichtig", sagt Knecht. Im Falle eines Sturzes kann der aber über Leben und Tod entscheiden. In Österreich veranstaltet der ÖAMTC an einigen Stützpunkten kostenlose E-Bike Kurse für Anfänger und Fortgeschrittene. Trainer stehen dabei mit Tipps & Tricks zu Fahrtechnik und Sicherheit zur Seite. (red, 19.7.2018)

    • Treten und viel schneller fahren als mit der Muskelkraft alleine: Das ist verführerisch, steigert aber das Unfallrisiko enorm.
      foto: tobias hase / dpa / picturedesk

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