Ryanair-Streik führt nächste Woche zu 600 Flugausfällen

19. Juli 2018, 09:45
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Es handelt sich um den bisher größten Streik bei dem irischen Billigflieger, das Kabinenpersonal fordert faire Löhne und höheres Krankengeld

Dublin – Ryanair streicht wegen des größten Streiks in der Geschichte des irischen Billigfliegers in der kommenden Woche hunderte Flüge. Am Mittwoch und Donnerstag werden wegen Arbeitsniederlegungen des Kabinenpersonals bis zu 300 von täglich 2.400 Verbindungen annulliert, teilte der Konzern am Mittwoch mit.

Davon betroffen seien fast 50.000 Kunden, die von und nach Belgien, Portugal und Spanien reisen wollten. Das Ryanair-Kabinenpersonal aus ganz Europa will mit dem Ausstand unter anderem höhere Löhne und Krankengelder durchsetzen. "Der Streik ist völlig ungerechtfertigt und bringt nur die Urlaubspläne von Familien durcheinander", erklärte die nach Passagierzahlen größte europäische Fluggesellschaft Europas.

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Ryanair sagt die Flüge nach eigenen Angaben eine Woche im Voraus ab, damit die Passagiere noch umbuchen können. Es gebe wenig Hoffnung, dass die Gewerkschaften den Ausstand noch absagen, sagte Marketing-Chef Kenny Jacobs zu Reuters.

Mit insgesamt 600 annullierten Flügen hat der Streik in der kommenden Woche noch deutlich stärkere Auswirkungen als der bisher größte Ausstand bei Ryanair. In Irland hatten vergangenen Donnerstag etwa 100 Ryanair-Piloten gestreikt, 30 Verbindungen wurden gestrichen. Wegen des zweiten von drei geplanten Ausständen der Flugkapitäne annulliert Ryanair am Freitag 24 Verbindungen. Den Piloten geht es vor allem um ein transparenteres Lohn-, Beförderungs- und Versetzungssystem.

Laudamotion nicht betroffen

Laudamotion, an der Ryanair 75 Prozent hält, ist von den Streiks nicht betroffen. Dort wird derzeit ein Kollektivvertrag verhandelt. Laut Geschäftsführer Andreas Gruber soll es für die Belegschaft in Österreich noch diesen Sommer zu einer Lösung mit Gewerkschaft und Betriebsrat kommen.

Bei Ryanair haben die Flugbegleiter unter anderem darüber geklagt, dass sie während ihrer Arbeit für Getränke an Bord zahlen müssen. Zudem müssen sie nach eigenen Angaben bei Krankheit zunächst zur Arbeit erscheinen, um schriftlich Auskunft über ihre Symptome zu geben. Ryanair hält dem entgegen, dass ihre Flugbegleiter mit die besten Arbeitsbedingungen in der europäischen Billigflieger-Branche hätten. Der Easyjet-Rivale veröffentlichte eine Liste von Leistungen, die dem Ryanair-Kabinenpersonal zuteilwerden – darunter Jahresgehälter von bis zu 40.000 Euro.

In Deutschland erkannte Ryanair am Mittwoch Verdi als gewerkschaftliche Vertretung aller hierzulande beschäftigten Flugbegleiter an. Es handle sich um eine der ersten Vereinbarungen, die alle Kabinenbeschäftigten, auch die zahlreichen Leiharbeitnehmer bei Ryanair, unter gleichen Bedingungen umfasse, teilte Verdi mit.

Tiefgreifender Wandel

Ryanair steckt in einem tiefgreifenden Wandel, seit sich Piloten und Flugbegleiter zunehmend in Gewerkschaften organisieren und europaweit vernetzen. Sie setzen sich für höhere Löhne, gegen Leiharbeit und für bessere Arbeitsbedingungen ein. Die einstmals strikt anti-gewerkschaftliche Airline hat sich schon im vergangenen Jahr zu einem Kurswechsel entschlossen und erste Verhandlungen mit den Arbeitnehmern aufgenommen. Jährliche Mehrkosten von bis zu 100 Mio. Pfund (112,2 Mio. Euro) haben die Iren für das laufende Geschäftsjahr schon eingerechnet. Für den etwas sanfteren Kurs steht der von Malaysia Airlines geholte Organisationschef Peter Bellew, der manchen bereits als Nachfolger des Hardliners und Ryanair-Chefs Michael O'Leary gilt.

"Der Ryanair droht ein Dauerkonflikt, in dem irgendwo immer gestreikt wird", sagt Christoph Drescher, Präsident des europäischen Kabinenbeschäftigtenverbandes Eurecca, der einen Teil der Flugbegleiter-Gewerkschaften vereinigt. Er glaube daher, dass die Gesellschaft schon aus eigenem Interesse diese offene Flanke ihres Geschäftsmodells schließen wird. (APA, 19.7.2018)

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