Nur jeder Dritte hält sich an Gebot des "lebenslangen Lernens"

18. Juli 2018, 14:22
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Es gilt als Binsenweisheit: Man muss sich das ganze Leben lang weiterbilden. Mehr als neun von zehn Österreichern glauben das. Aber viele tun es nicht.

Linz – 93 Prozent der Österreicher erachten lebenslanges Lernen als wichtig, aber nur knapp ein Drittel setzt es tatsächlich "sehr" um, 58 Prozent setzen "einigermaßen" auf Weiterbildung. Das zeigt eine am Mittwoch präsentierte IMAS-Studie im Auftrag des Wirtschaftsförderungsinstituts (Wifi) der Wirtschaftskammer.

Wichtiger als lebenslanges Lernen werden Familie, Sicherheit und gutes Einkommen erachtet.

Deutlich mehr Weiterbildung seit 2015

Das Meinungsforschungsinstitut hat zwischen März und April 1.027 Personen ab 16 Jahren in persönlichen Interviews befragt. Ziel des "Weiterbildungsbarometers 2018" war es, die Entwicklung der Einstellung der Bevölkerung zum Thema lebenslanges Lernen seit der letzten Erhebung 2015 darzustellen. Demzufolge haben 31 Prozent das Motto lebenslanges Lernen "sehr" umgesetzt, sieben Prozentpunkte mehr als 2015. Die Anzahl der Personen, die angaben, es "einigermaßen" zu realisieren, ist mit 58 Prozent beinahe gleich geblieben (2015: 57 Prozent).

Gleich geblieben sind auch die Lebensziele, die Österreicher als wichtig erachten. Die Prioritätenliste wird angeführt von einem harmonischen Familienleben, einem freien Leben und sozialer Sicherheit. Nur in der unteren Hälfte sehen die Befragten, wie schon 2015, Bildungsziele, etwa viel zu wissen, zu lernen und sich beruflich weiterzubilden – wobei bei diesen Fragen ein Aufwärtstrend gegenüber der letzten Erhebung zu verzeichnen sei.

Lernwillige Beschäftigte der Gesundheitsbranche

Wachsende Bereitschaft zeigten die Befragten, für eine einmalige Weiterbildungen zu reisen. Rund die Hälfte (48 Prozent) ist bereit, mehr als eine Stunde Anfahrtsweg auf sich zu nehmen, ein Viertel sogar mehr als zwei Stunden. Die Österreicher haben durchaus Erfahrung mit Weiterbildung. Vier von fünf Berufstätigen haben 2018 bereits einmal an einer beruflichen Weiterbildung teilgenommen – zehn Prozentpunkte mehr als 2015. Stark auf Weiterbildung setzen laut Wifi-Leiter Michael Landertshammer vor allem die Gesundheitsbranche, technische Betriebe, der Handel sowie der Tourismus.

Veränderung in den Lebenszielen gab es bei der sozialen Sicherheit, war diese 2015 noch 62 Prozent wichtig, ist der Anteil 2018 auf 50 Prozent gesunken. Markus Raml, Kurator des Wifi Österreich, erklärt den Trend durch die stabile Wirtschaftslage in Österreich. Für den Wirtschaftsstandort gebe es aber noch Verbesserungspotenzial, so Raml. Konkret nannte er bei einer Pressekonferenz die Durchlässigkeit des Bildungssystems und die individuelle Beschäftigungsfähigkeit.

Mehr Spaß im Beruf

Mehr Weiterbildungsmöglichkeiten nach der Lehre forderte Paul Eiselsberg von IMAS angesichts der derzeitigen scheinbaren Perspektivlosigkeit nach dem Lehrabschluss. Nur dann würden sich mehr Jugendliche dafür entscheiden. "Wenn die Menschen gut ausgebildet sind, am Puls der Zeit, dann macht der Beruf mehr Spaß", meinte Raml. Dann wäre auch die Bereitschaft höher, das Wissen "regelmäßig upzugraden".

Positiv wird vom Wifi der Plan der Regierung bewertet, statt der bisher neunjährigen Schulpflicht eine an bestimmte Kompetenzen geknüpften Bildungspflicht einzuführen. Jugendliche wären besser für den Alltag in Betrieben gewappnet, wenn sichergestellt wird, dass sie österreichische Mindeststandards erfüllt haben. Kritik üben die Verantwortlichen daran, dass im Zuge der Steuerreform 2015 die Bildungsprämie eingestellt wurde. (APA, 18.7.2017)

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