Studie zeigt: Blutspuren auf dem Turiner Leichentuch sind unrealistisch verteilt

17. Juli 2018, 18:38
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Aktuelle Untersuchung untermauert erneut, dass das Tuch eine Fälschung aus dem 14. Jahrhundert ist

Liverpool – Dass das weltberühmte Grabtuch von Turin alles andere als das Leichentuch Jesu Christi ist, haben mittlerweile bereits einige Untersuchungen bewiesen. So ergaben etwa Radiokarbon-Analysen im Jahr 1988, dass das Gewebematerial aus dem 13. oder 14. Jahrhundert stammt. Unter der Fülle von Hypothesen zur Entstehung des Turiner Grabtuchs befindet sich auch diejenige, wonach Leonardo da Vinci seinen eigenen Körper als Modell verwendet und damit ein Selbstporträt geschaffen habe.

Vor einigen Jahren gelang es sogar einem Forscherteam von der italienischen Universität von Pavia ein "Grabtuch" zu reproduzieren, das alle Eigenschaften der in Turin aufbewahrten "la Santa Sindone" aufweist. Damit sei nach Meinung der Forscher bewiesen, dass die Herstellung des Leintuches mit im Mittelalter vorhandenen Mitteln möglich gewesen wäre.

Neue Belege für eine Fälschung

Nun untermauern Wissenschafter um Matteo Borrini von der John Moores University in Liverpool die Fälschungshypothese: Die Forscher berichten im "Journal of Forensic Sciences", dass das Abbild auf dem Tuch keinesfalls das Ergebnis einer natürlichen Blutung sein könnte. Die Experten sehen demnach keine plausible Möglichkeit, dass die Blutspuren von einem Körper stammen, der einst flach auf dem Leinentuch lag.

"Für die für den Leichnam angenommenen Positionen stimmen die Blutspuren nicht mit den entsprechen Wunden auf dem Körper und der Art und Weise überein, wie Blut dort normalerweise austritt und sich über den Körper verteilt", erklären die Wissenschafter. "Die Unstimmigkeiten sprechen nicht nur gegen die Echtheit der Blutspuren, sondern auch gegen die des Leinens. Sie legen vielmehr nahe, dass es sich um eine künstlerische oder didaktische Darstellung aus dem 14. Jahrhundert handelt."

Rätselhafter Ursprung

Das Grabtuch wird seit 1578 im Turiner Dom in einer eigenen Kapelle aufbewahrt. Es wurde zuletzt 2015 öffentlich gezeigt. Die Herkunftsgeschichte der "Sindone" ist geheimnisumwittert. Die frühesten belegten Schriften, die das Grabtuch erwähnen, stammen aus der Mitte des 14. Jahrhunderts. Bereits damals wurde die "Santa Sindone" als Fälschung beschrieben. Das 4,36 mal 1,10 Meter große Leinentuch zeigt den Abdruck eines kräftig gebauten, 1,81 Meter großen Mannes mit Bart und langem Haar. (red, 17.7.2018)

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