100 Millionen schwarze Bälle kosten mehr Wasser, als sie schützen

23. Juli 2018, 07:00
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Forscher kommen auf eine negative Bilanz beim Einsatz schwarzer Kugeln in kalifornischen Wasserreservoirs

Cambridge – Der bereits chronische Wassernotstand in Kalifornien hat die US-Behörden mittlerweile zu ungewöhnlichen Maßnahmen genötigt. In den vergangenen Wintern haben ausbleibende Schneefälle in den Bergen dazu geführt, dass die Wasserspeicher für die Millionenmetropole Los Angeles häufig weitgehend leer geblieben sind. In den vergangenen drei Jahren war es besonders schlimm: Die Speicherbecken konnten teilweise kaum den Bedarf decken, darunter auch das Sylmar-Reservoir rund 40 Kilometer vom Stadtzentrum entfernt.

96 Millionen schwarze Bälle

Damit in den heißen Sommermonaten nicht noch mehr Wasser verschwindet (alljährlich verdunsten mindestens eine Milliarde Liter Wasser) und die verbleibenden Mengen vor den Auswirkungen der Sonneneinstrahlung bewahrt werden, ließen Experten insgesamt 96 Millionen schwarze Plastikbälle in das 70 Hektar große Sylmar-Becken rollen.

Die apfelgroßen Kugeln sollten nicht nur der Wasserverdunstung entgegen wirken, sondern vor allem auch das kostbare Nass gegen Staub und chemische Verunreinigung sowie vor den Folgen der intensiven UV-Bestrahlung schützen. So verhindern die schwarzen Bälle weitgehend die Algenblüte und sorgen gleichzeitig dafür, dass das Sonnenlicht gemeinsam mit dem im Wasser enthaltenen Chlor keine ungewollten chemischen Reaktionen verursacht.

Vorerst bedenkliche Bilanz

Nun aber berichten Forscher um Erfan Haghighi vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Cambridge, dass die auf den ersten Blick hilfreiche Methode bisher unterm Strich mehr Wasser kostete, als sie vor der Verdunstung bewahren konnte. Die Wissenschafter rechnen im Fachjournal "Nature Sustainability" vor, dass für die Herstellung der fast 100 Millionen Plastikbälle mit einer Wandstärke von rund fünf Millimetern gut 2,9 Millionen Kubikmeter Wasser benötigt werden.

Dem stünden nach Angaben der Forscher 1,15 Millionen Kubikmeter Wasser gegenüber, die die Bälle bisher vor der Verdunstung bewahrt haben. Um letztendlich zu einer positiven Wasserbilanz zu gelangen, müssten die Bälle mit der größten Wandstärke demnach mindestens zweieinhalb Jahre auf dem Sylmar-Reservoir bleiben – und auch nur dann, wenn man von einer gleichbleibend hohen Verdunstungsrate ausgeht. In Sommern mit geringerer Trockenheit sinkt die Effektivität der schwarzen Bälle, was die sinnvolle Nutzungsdauer verlängern würde.

Umweltkosten vs. Nutzen

Insgesamt geben die Wissenschafter zu bedenken, dass zusätzlich zum durch sie wahrscheinlich geförderten Bakterienwachstum im Wasser und der Umwelt- und CO2-Belastung, die ihre Produktion verursacht, der Einsatz der Abermillionen Kugeln in kalifornischen Wasserreservoirs zumindest überdacht werden sollte. "Wir sagen nicht, dass diese Kugeln grundsätzlich schlecht sind", meint Kaveh Madani, Koautor der Studie vom Imperial College London. "Wir wollen nur die Tatsache hervorheben, dass man die Umweltkosten dieser Bälle in die Gesamtkalkulation miteinberechnen muss." (tberg, 23.7.2018)

  • Der Einsatz von 96 Millionen schwarzer Bälle gegen die Verdunstung ist grundsätzlich keine schlechte Idee – die Methode rechnet sich allerdings nur dann, wenn die Kugeln mehrere Jahre verwendet werden.
    foto: ap/art mochizuki/los angeles department of water and power

    Der Einsatz von 96 Millionen schwarzer Bälle gegen die Verdunstung ist grundsätzlich keine schlechte Idee – die Methode rechnet sich allerdings nur dann, wenn die Kugeln mehrere Jahre verwendet werden.

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