Wie Europa die Industrie digitalisieren möchte

16. Juli 2018, 17:49
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Die Wirtschaftsministerin empfing zum informellen Wettbewerbsgipfel in Wien. Bis September soll eine digitale Industriepolitik entworfen werden

Wie eine neue, digitale Industrie auf dem Alten Kontinent aussehen sollte, haben am Montag die EU-Wirtschaftsminister und zwei EU-Kommissare diskutiert. Das Fazit: Europa müsse gemeinsam in künstliche Intelligenz (Artificial Intelligence) investieren. "Neue Technologien wie Artificial Intelligence sind die Chance, um abgewanderte Industrie und hochwertige Jobs wieder nach Europa zu holen", sagte Margarete Schramböck (ÖVP).

Die Wirtschaftsministerin empfing neben anderen Wirtschaftsministern auch Digitalkommissar Andrus Ansip und Industriekommissarin Elzbieta Bienkowska zum informellen Wettbewerbsgipfel in Wien: "Wir werden im Rahmen unserer Präsidentschaft mit der Kommission einen Aktionsplan für Artificial Intelligence erarbeiten."

Industriepolitik aufwerten

Im September soll das "Presidency-Paper" für eine europäische Industriepolitik unter starker Nutzung der Digitalisierung stehen. Es gehe auch darum, Industriepolitik auf einer Ebene mit Konsumentenschutz und Umweltschutz zu positionieren, erklärte Schramböck. Das Papier soll Indikatoren definieren, die gute Industriepolitik messbar machen und Stärken wie Schwächen des Standorts Europa offenlegen.

Künstliche Intelligenz könne die weltweite Produktivität bis 2035 um bis zu 40 Prozent steigern, rechnete die Wirtschaftsministerin vor. Das weltweite Wettrennen um Effizienzgewinne durch Digitalisierung ist längst in Gang.


Bienkowska sprach im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz sogar von der schnellsten industriellen Revolution, die je stattgefunden habe. Man müsse auf die Digitalisierung vorbereitet sein, um nicht von den Wettbewerbern jenseits des Atlantiks und in Asien abgehängt zu werden.

"Eine der größten Herausforderungen in dieser Revolution ist die Bildung", sagte die Kommissarin. Man müsse verstärkt digitale Kompetenzen vermitteln. In Zukunft sei nicht das Lohnniveau entscheidend, sondern die Innovationskraft und das Know-how der Mitarbeiter, glaubt auch Schramböck.

Mehr Investitionen

Aber digitale Kompetenzen allein geben noch keinen fruchtbaren Nährboden für intelligente Industriebetriebe. Man müsse auch Geld in die Hand nehmen und gezielt investieren, forderte Digitalkommissar Ansip.

Bei Investitionen in künstliche Intelligenz liege Europa deutlich zurück im Vergleich mit den USA und China, mahnte der Kommissar. Dort stünden beispielsweise viel größere Datensätze zur Verfügung, von denen Maschinen lernen könnten.

Eine Erklärung für gezielte Förederung und mehr Kooperation in Sachen künstliche Intelligenz hatten 25 EU-Mitglieder bereits im April unterschrieben. Mit Kroatien unterschrieb am Montag auch das letzte verbleibende Mitgliedsland die Erklärung.

Zölle nur inoffiziell auf dem Programm

Zölle standen offiziell nicht auf dem Programm des Gipfels. Präsent war der schwelende Handelskonflikt zwischen Europa und den USA in Wortmeldungen und Gesprächen allemal. Besonders die europäische Industrie könnte weitere Importbeschränkungen seitens der USA zu spüren bekommen – und damit auch der Arbeitsmarkt in Europa.

Immerhin sichert die Industrie in Europa direkt und indirekt ein Viertel aller europäischen Arbeitsplätze. Europa sei kein Feind der Amerikaner, müsse auf deren protektionistische Maßnahmen reagieren, so die Position der Wirtschaftsministerin. Die richtige Antwort auf Importschranken sei auch hier: Innovation, Forschung, Entwicklung. (Aloysius Widmann, 17.7.2018)

  • Maschinen werden immer intelligenter. Aber nicht unbedingt immer menschlicher. In der Industrie werden immer mehr lernende Roboter eingesetzt. Die möglichen Produktionsgewinne sind riesig
    foto: apa/dpa/gentsch

    Maschinen werden immer intelligenter. Aber nicht unbedingt immer menschlicher. In der Industrie werden immer mehr lernende Roboter eingesetzt. Die möglichen Produktionsgewinne sind riesig

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