Rundschau: Weltraumtouristen in Gefahr

    Ansichtssache1. September 2018, 10:00
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    Von Martha Wells über Adrian Tchaikovsky bis zu A. E. van Vogt: Bücher für den ausklingenden Science-Fiction-Sommer

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    foto: heyne

    Josiah Bancroft: "Im Turm"

    Broschiert, 448 Seiten, € 15,50, Heyne 2018 (Original: "Senlin Ascends", 2017)

    Applaus für den Heyne-Verlag, der ein Risiko eingegangen ist und einen Fantasy-Roman weit abseits der gewohnten (und verkaufsträchtigen) Genre-Blaupausen veröffentlicht. Die Originalausgabe "Senlin Ascends" ist vor Kurzem erst in der Rundschau besprochen worden.

    "Im Turm" führt uns in eine alternative Version der Erde, in der der Turm zu Babel immer noch steht und den Nabel der Welt bildet – in einer Epoche, die technologisch etwa dem Stand des 19. Jahrhunderts entspricht. Hauptfigur ist der Dorfschullehrer Thomas Senlin, der in seinen Flitterwochen das größte Bauwerk der Welt besuchen kommt und gleich nach der Ankunft seine frischangetraute Ehefrau in den Menschenmassen am Fuß des Turms verliert. Ebene für Ebene arbeitet er sich nun im Turm hoch, um sie wiederzufinden, wird in ein seltsames Abenteuer nach dem anderen verstrickt und wandelt sich dabei langsam vom Bücherwurm zum Action-Helden.

    Der Roman, dem auf Englisch bereits zwei Fortsetzungen gefolgt sind (Erscheinen auf Deutsch derzeit noch nicht gesichert), besticht nicht nur mit einem höchst originellen Setting. Er bringt auch perfekt das Innere und das Äußere, das Metaphorische und das Greifbare in Einklang. Denn der Turm – an dem weit jenseits der Wolkendecke angeblich immer noch gebaut wird – ist ein Universum für sich, das alle seine Besucher in seinen Bann zieht und sie nicht mehr loslässt. Wer sich seinem Zauber einmal hingegeben hat, wird danach nicht mehr derselbe sein.

    Nach der Turmbesteigung der Ausblick

    Mit der Rundschau geht es im Oktober weiter. Der Rundschau-Buchclub könnte in der Zwischenzeit folgende Titel vorbereiten:

    • "Weltenzerstörer" von Cixin Liu
    • "Der Outsider" von Stephen King
    • "Xeelee: Redemption" von Stephen Baxter
    • "Once There Was A Way" von Bryce Zabel

    Letzteres hat gerade den Sidewise Award für den besten Alternativweltroman gewonnen und dreht sich zur Abwechslung mal nicht um Hitler oder Kennedy, sondern um die Frage, was geschehen wäre, wenn sich die Beatles niemals aufgelöst hätten. Wie schon bei "Im Turm": Geht doch nichts über eine originelle Prämisse! (Josefson, 1. 9. 2018)

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